Kein Trend aber eine Gefahr

1. Dezember 2012. Nach Regula Gerber, die vor einem Jahr als Generalintendantin des Nationaltheaters Mannheim aufgab, sei Holm bereits der zweite Leiter eines größeren deutschen Theaters, der an Burn-out erkrankt, schreibt Stefan Keim in der Tageszeitung Die Welt. "Kürzlich beging der Intendant des Frankfurter Theaters am Mousonturm, Selbstmord – vermutlich hielt auch er den Druck nicht aus." (nachtkritik.de meldete.)

Daraus lässt sich aus Sicht von Stefan Keim noch kein Trend ablesen, aber doch eine Gefahr. "Denn wer in der Dauerfinanzkrise, in der die Kunst immer weniger und die Kasse immer mehr gilt, sich der ständig wachsenden Belastung dieses Jobs aussetzt, muss eine sehr stabile Psyche haben." Bei aller Kritik im Einzelnen gebühre Holm große Anerkennung für seine Arbeit und für den Schritt, sich zurückzuziehen. Er hat es sich nicht leicht gemacht und seine Ideen hätten Potenzial gehabt. "Er wollte Düsseldorfs Schauspiel ein internationales Profil verleihen, lud Gastregisseure ein, die noch nicht Teil des Festivalkarussells sind, und schuf ein gemeinsames Ensemble mit dem Jungen Schauspielhaus." Allerdings habe der Spielplan in der Praxis dann beliebig gewirkt. "Die Platzauslastung in der ersten Saison war mittelmäßig, das Junge Schauspielhaus hat große Probleme."

Vor einem halben Jahr kam es Keim zufolge dann zum Eklat (siehe die nachtkritik-Presseschau), "als die Stadt ankündigte, das Schauspielhaus müsse sparen. Zum Start der Intendanz hatte es eine Sonderzahlung gegeben, die nun wegfiel. Außerdem übernahm die Stadt nicht die Tariferhöhungen in voller Höhe. 'Wenn es nur um Auslastung geht, dann muss man einen anderen dummen Schweden anrufen', sagte Holm gegenüber der Presse. Was scharfe Gegenreden von Kulturdezernent und Lokalpolitikern auslöste. Holm musste zurückrudern, war angeschlagen. Zumal auch regionale Kritikerumfragen seinem Haus den Rutsch in die Bedeutungslosigkeit konstatierten."

30. November 2012. "Holm hat viel gearbeitet in seiner kurzen Zeit in Düsseldorf," schreibt Dorothee Krings in der Düsseldorfer Tageszeitung Rheinische Post. Er habe mit 'Hamlet' und 'Richard III.' zwei große Tragödien auf die Bühne gebracht, "das feine Thomas-Mann-Stück 'Klaus und Erika' für Kinder inszeniert und einen Piaf-Abend eingerichtet. Man sah ihn oft in seinem großen Haus am Gründgensplatz oder beim Wein mit seinen Schauspielern im Restaurant nebenan. Er wollte doch eine Truppe formen, mit seinen Hausregisseuren eine Ästhetik entwickeln, die eigenwillig und unverwechselbar sein sollte. Von der alten Schaubühne in Berlin, von Peter Stein, Luc Bondy, redete er anfangs oft. Später dann nicht mehr."

Da sei er schon mit Fragen nach Auslastungszahlen konfrontiert gewesen und habe seinen Etat gegen sparentschlossene Politiker verteidigen müssen. "Unter Kollegen hat Holm das Respekt verschafft. Ihn selbst muss es Nerven gekostet haben." Der Erwartungsdruck sei hoch in Düsseldorf. Das habe schon Holms Vorgängerin Amélie Niermeyer zu spüren bekommen, die als hochgelobte Theaterfrau aus der Freiburger Provinz kam, dann aber als Regisseurin und Intendantin gleichmaßen nicht genug Profil entwickelt habe, um überregional Beachtung zu finden. "Die doppelte Aufgabe ist schwer, doch sie ist auch eine Chance, wie man in Köln an Karin Beier sehen kann."

(sle)

 

Hier der Kommentar von Andreas Wilink zum Rücktritt von Staffan Valdemar Holm auf nachtkritik.de.

 

 
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