Schreiben Sie das jetzt!

von Dirk Pilz

11. April 2017. Diesmal ein kleiner Blick hinter die Kulissen der Theaterkritik. Es ist zwar noch immer nicht abschließend geklärt, wozu es eigentlich Theaterkritik gibt, es wird sich vermutlich auch nicht klären lassen. Fest steht aber: Es gibt allerlei Theaterkritikerinnen und Theaterkritiker, die mit ihrem Geschäft sogar Geld verdienen (wenig, meistens sehr wenig, aber immerhin), es gibt zudem die Presse- und sogar Meinungsfreiheit, noch, muss man inzwischen hinzufügen, und es gibt allerlei Theatermacher, das ist schön. Mit Kritikern kommen sie in der Regel nicht überein. Die Interessen sind zu verschieden, die Eitelkeiten wahrscheinlich zu vergleichbar.

Abwerten, aufwerten

von Dirk Pilz

8. März 2017. Diesmal ein Hinweis zu einer hitzigen Debatte. Seit Wochen wird über ein Podium diskutiert, das erst in der kommenden Woche im Theaterhaus Gessnerallee in Zürich stattfinden sollte. Die Veranstaltung stand unter dem heiklen Titel Die neue Avantgarde. Sie wollte laut Ankündigung diskutieren, ob die Renaissance des Rechtsnationalen eine Avantgarde-Bewegung sei, wie dem Rückzug in ideologische Filterblasen beizukommen und was eigentlich der Unterschied zwischen populär und populistisch ist. Jetzt hat das Theaterhaus die Sache abgesagt, eben "aufgrund der Hitze der durch sie ausgelösten Debatte – in der Diffamierungen, persönliche Beleidigungen und Erpressung leider nicht gescheut wurden". Trotz der, so heißt es ausdrücklich, "positiven bzw. differenzierten Medienberichterstattung und dem vermehrten Zuspruch von Kolleg*innen" sei nun das Sicherheitsrisiko zu groß geworden. 

Freunde oder Feinde

von Dirk Pilz

31. Januar 2017. Heute nur ein paar Fragen. Knapp 14 Tage haben wir ja inzwischen Trump. Er wurde gewählt, seine politischen Entscheidungen gleichen jedoch einer Machtergreifung. Wer jetzt noch zweifelt, was dieser Mann will, wer womöglich hofft, dass er von der sogenannten Realpolitik gebremst würde, macht sich der Naivität schuldig.

Die hässliche Wirklichkeit

von Dirk Pilz

6. Dezember 2016. Heute noch einmal kurz zu Tim Renner. Nein, nicht zu seiner umstrittenen Entscheidung für Chris Dercon als Nachfolger Frank Castorfs an der Berliner Volksbühne. Dazu ist einstweilen alles gesagt, auch wenn die Debatte damit naturgemäß längst nicht zu Ende ist. Sondern zu zwei Sätzen, die Renner aus Anlass seines morgigen Abschieds vom Amt des Berliner Kulturstaatssekretärs in einem Interview mit der B.Z. geäußert hat: "Berlin droht die soziale Spaltung. Unsere Kultur-Institutionen müssen deshalb raus aus ihrer Komfort-Zone und auf die Leute zugehen."

Wie wollt' man die reformieren?

von Dirk Pilz

25. Oktober 2016. Heute nur eine kleine Anmerkung. Es kommt jetzt ja einiges zusammen. Der andauernde Streit um das Volkstheater Rostock, die Verwerfungen in Trier um den Intendanten Karl Sibelius, die sonderbare Ablösung des Schauspieldirektors Mario Holetzeck in Cottbus, der hausinterne Zwist in Potsdam. Die noch immer nebulöse Freistellung von Stephanie Gräve in Bern. Der längst nicht aufgeklärte Finanzskandal am Wiener Burgtheater. Die Debatten um Chris Dercon und Tim Renner im Berliner Theaterstreit. Nur ein paar Beispiele aus einer längeren Liste, und jeder Fall ist anders, sicher. Man dürfe nicht vergleichen, heißt es deshalb immer, alles sei komplizierter als es von außen aussehe. Und der Laie steige ohnehin nicht durch, sagen die Experten.

Der gute Mensch vom Schiffbauerdamm

von Dirk Pilz

20. September 2016. Diesmal zu Claus Peymann. Der Mann ist Künstler und Intendant, Jahrzehnte schon, und immer Garant für Streit und Stress. Peymann? Kunst? Dem Gros der theaterkritischen Kolleginnen und Kollegen gelten seine Inszenierungen inzwischen als so wenig diskussionswürdig, dass sie im Kopf bereits abgehakt sind, noch bevor Peymann mit den Proben begonnen hat. Er hat oft beklagt, vornehmlich die Berliner Presse begegne ihm mit Hass. Die Wahrheit ist, sie begegnet ihm mit Häme und Herablassung. Das ist peinlich, man schämt sich für die eigene Zunft. Mir fallen auch wenige Peymann-Inszenierungen der vergangenen zehn Jahre ein, die ich zu loben gewusst hätte, ja. Aber man hüte sich vor abschließenden Urteilen. Was heute als verstaubt gilt, wird morgen schon hochgejubelt. Die Kunst hat keine naturgegebenen Kriterien für Gelungenheit, ihre Geschichte keinen Begriff von Fortschritt.

Herren und Knechte

von Dirk Pilz

14. Juni 2016. Der Bühnenverein hat mitgeteilt, die Arbeitsbedingungen für darstellende Künstler in den Stadt- und Staatstheatern sowie Landesbühnen seien "weitgehend zufriedenstellend". Das hätten die Beratungen der diesjährigen Jahreshauptversammlung ergeben. Beraten musste man also immerhin, um festzustellen, dass die Bezüge der darstellenden Künstler mit durchschnittlich 2.700 bis 3.100 Euro brutto das Urteil "weitgehend zufriedenstellend" verdienen.