Ich will da nicht mitmachen!

von Şeyda Kurt

31. März  2020. Spätestens nach dem rechtsextremen Terroranschlag in Hanau wünschte ich mir wie viele andere Menschen, die Rassismus erfahren und sich mit ihm beschäftigen, eine Zäsur. Eine Eruption, einen gesellschaftlichen Resonanzraum für den absoluten inneren Ausnahmezustand, den ich fühlte. Ich wollte mich darauf verlassen, dass meine, unsere Geschichte sich in eine soziale Realität übersetzt. Das alles blieb aus.

Vom Theater lernen, heißt lieben lernen

von Şeyda Kurt

25. Februar 2020. Es gibt viele Gemeinsamkeit zwischen einer Theatererfahrung und der Erfahrung des Sich-Verliebens. Damit meine ich nicht jene biochemische, unmittelbare Reaktion des Sich-Verknallens in romantischen oder sexuellen Kontexten. Ich meine das Erlieben im Bewusstsein widriger Umstände. Das Sich-Einlassen, Erarbeiten und Erlernen. Die Entscheidung, zu einer Familie, zu Partner*innen und Freund*innen zärtlich sein zu wollen.

Ist es Schicksal?

von Şeyda Kurt

14. Januar 2020. Ein Samstagabend im Januar. Ich bin in der Stadt, in der ich geboren und aufgewachsen bin: Köln. Ich bin verkatert. Eigentlich ist es schön, verkatert ins Theater zu gehen. Meine Sinne sind geschärft. Denn sie trauen meinem Urteilsvermögen nicht mehr. Sie sind auf der Lauer, ein wenig verängstigt, ein wenig verwundert über die anhaltende Schnelllebigkeit der Welt. Und neugierig.

Überall Monokulturen

von Şeyda Kurt

26. November 2019. Liebe Leser*innen! Ich suche nach Utopien der Liebe auf Theaterbühnen. Ich nehme Sie mit auf die Reise. Sie beginnt an einem Novemberabend in einer Stadt, in der vor rund neun Jahren meine frühjugendlichen Vorstellungen von Beziehung und Romantik zerschellten: in Wuppertal. Meine erste mehrmonatige Beziehung mit einem Wuppertaler endete in Tränen, dann in Ohrfeigen, das letzte Mal fuhr ich im Jahre 2011 in die Stadt, das war für eine Gerichtsverhandlung. Ich brauche also eine neue Erzählung von diesem Ort und von der Liebe sowieso, aus Berufsgründen, weil Sie ja etwas Gescheites lesen wollen in dieser Kolumne.