Presseschau vom 28. September 2013 - Interview mit Birgit Minichmayr übers Schauspielen und die Arbeit mit René Pollesch in der Wiener Zeitung
Arbeiten ohne Zielgerade
Dieser Beitrag ist Teil des nachtkriktik.de-Archivs. Er entspricht Layout und technischem Stand vor November 2021.
Von einigen Sätzen, die sie in der Berliner Produktion "Glanz und Elend" auf der Bühne sagt, ist sie auch jenseits dieser überzeugt: "Auf der Bühne kann es nie um ein authentisches Leben gehen. (...) Das ist ein grundlegendes Missverständnis. Es wird immer gefragt: Was hat die Rolle mit einem gemacht und nicht, was hat man mit der Rolle gemacht. Und das passiert mir auch öfters, dass immer angenommen wird, ich spiele mich teilweise selbst. Es ist und bleibt immer eine Rolle." Gegenüber dem "sogenannten Method Acting, bei dem alles über die vermeintlich wahrhaftige Empfindung gespielt wird", hege sie zunehmend Zweifel. Sie ziehe "keine Trennlinie zwischen Privatleben und Beruf. Das Nachdenken hört ja nach dem Ende der Proben nicht automatisch auf." Ihr sei es wichtig, "mich auf die Rolle vorzubereiten, mir eigene Gedanken zu machen. Ich plädiere für das selbstverantwortliche Schauspiel."
(ape)
Hier geht's zu den Nachtkritiken von Glanz und Elend der Kurtisanen (Premiere am 6.9.2013 in Berlin) und von Cavalcade or Being a Holy Motor (Premiere am 25.9.2013 in Wien) – beides Inszenierungen von René Pollesch mit Birgit Minichmayr und Martin Wuttke.
