Medienschau: FAZ / Berliner Zeitung – Schauspiel-Rückbaupläne in Chemnitz
Fatale Weichenstellung
Fatale Weichenstellung
15. April 2026. Die Chemnitzer Pläne, alle Theatersparten künftig ins Opernhaus einzugliedern, ernten Kopfschütteln von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der Berliner Zeitung.
Alle fünf Sparten des Chemnitzer Theaters, also Musiktheater, Ballett, Schauspiel, Figurentheater und Philharmonie, zukünftig unter dem Dach des Opernhauses zusammenzudrängen, "käme einem kulturpolitischen Kahlschlag in außergewöhnlichem Ausmaß gleich", schreibt Simon Strauß in der FAZ (€).
Auch mit Blick auf das jüngst zu Ende gegangene Jahr als europäische Kulturhauptstadt schreibt Strauß, die Pläne gingen "auf Kosten der kulturellen Konkurrenzfähigkeit von Chemnitz, einer Stadt, die wegen mangelnder infrastruktureller Anschlussfähigkeit (es gibt nach wie vor keine ICE-Strecke nach Chemnitz!) sowieso schon mit Statusproblemen zu kämpfen hat. In einer Zeit, in der Machtfragen zunehmend im kulturellen Bereich aufgeworfen werden, wäre das eine Weichenstellung von fataler Fahrlässigkeit."
In der Berliner Zeitung kommentiert Ulrich Seidler: "Die Diskussion erinnert an den Strukturwandel in den 1990er-Jahren, als die reichen DDR-Theaterhinterlassenschaften wegen der bankrotten Träger zumindest auf Westnorm geschrumpft werden mussten. Dass solche Argumente überhaupt auftauchen und diskutiert werden, zeigt, wie prekär die Lage zumindest kulturpolitisch wieder ist."
(faz.net / Berliner Zeitung / chr)
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