Medienschau: FAZ – Márton Gulyás, vom Theatermann zum Journalisten

Untersuchung statt Gestaltung

Untersuchung statt Gestaltung

11. April 2026. Viktor Orbán muss erstmals seit 16 Jahren um seine Macht fürchten. "Es wäre übertrieben zu sagen, dass Márton Gulyás das ganz allein möglich gemacht hat. Ebenso falsch wäre es, seinen Anteil kleinzureden", schreibt Christian-Zsolt Varga im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Dort porträtiert er Gulyás, Betreiber des regierungskritischen journalistischen Youtube-Kanals Partizán, der sich vor seiner Karriere als Medienmacher im Theater einen Namen gemacht hatte, u.a. als Produktionsleiter der renommierten freien Gruppe Kretakör. 2017 wurde er aufgrund seiner Theaterarbeit zum "Staatsfeind" erklärt.

Bereits 2015 begann Gulyás mit ersten Infotainmentformaten auf Youtube. "In Ungarns digitaler Öffentlichkeit füllt er damit eine Leerstelle", so der FAZ-Artikel. "Als Orbáns Fidesz 2018 erneut eine Zweidrittelmehrheit holt, recherchiert Gulyás zu regierungsnahen Scheinparteien, die die Opposition bei Wahlen spalten sollen. Daraus entsteht 2019 die erste erfolgreiche investigative Partizán-Dokumentation: neunzig Minuten, journalistisch in der Form, präzise im Anspruch, ernst in der Haltung."

Einen persönlichen Wendepunkt verorte Gulyás genau dort: "Ich habe immer noch großen Respekt vor politischer Arbeit und Aktivismus", sagt er in dem Artikel. "Aber ich hatte damals das Gefühl, dass mich die Untersuchung der Wirklichkeit mehr interessiert als ihre Gestaltung. Und seitdem habe ich das Gefühl, dass im Journalismus eine größere Kraft für mich liegt." Während der Pandemie sei Partizán endgültig der Durchbruch gelungen.

Der respektvolle Umgang mit seinen Gesprächspartnern sei Gulyás wichtig. "In einem politisch bis zur Erschöpfung polarisierten Land wirkt allein das schon wie ein radikaler Gegenentwurf", so Christian-Zsolt Varga, der Gulyás bei einer Tour übers (Fidesz-treue) Land begleitet hat – den ganzen Artikel gibt es hier.

(FAZ / sd)

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