Mehr Freie Szene!

23. Oktober 2015. "Kultur für alle" hieß seit Hilmar Hoffmann der sozialdemokratische Schlachtruf in der Kulturpolitik. Da sei man aber noch nicht angekommen, befinden die SPD-Politiker Tim Renner (Berlins Kulturstaatssekretär) und Thorsten Schäfer-Gümbel (Vorsitzender des Kulturforums der Sozialdemokratie) im Tagesspiegel (23.10.2015): "Öffentlich geförderte Kulturangebote werden nur von rund der Hälfte der Bevölkerung wahrgenommen."

Zum einen seien die Menschen diverser geworden, zum anderen "haben sich die Vorstellungen der Menschen verändert, was 'Kultur' ist und wie sie mit ihr umgehen wollen". Nicht erst heute; die Autoren erinnern an die Öffnung Europas für Swing, Blues und Jazz vor rund hundert Jahren. Die Digitalisierung sei heute nur ein weiterer Schritt zur Globalisierung der Kultur und zur Interaktion.

Open Cultural Data für alle

Die Veränderungen des Kulturbegriffs der Menschen bilde die deutsche Kulturförderung aktuell noch nicht ab. "Kultur für alle" bedeute "heute nicht mehr, die Menschen zu erziehen, damit sie am Angebot partizipieren können, sondern das Angebot so zu gestalten, dass es die Menschen in diesem Land mit ihren Bedürfnissen erreicht, dass sie selbst Freiräume finden, sich kreativ zu betätigen.“

Daraus leiten Renner und Schäfer-Gümbel eine Reihe von Forderungen ab. Sie setzen auf mehr Ideen und Geld für Bildung, mehr Diversität in der Personalstruktur, Kooperationen mit Betrieben, der Zivilgesellschaft und mit freien Gruppen ("Wir müssen uns noch stärker für die Freie Szene einsetzen. Hier entstehen Experimente, Debatten, Innovationen."). Daneben suchen sie "starke Antworten auf die digitalen Fragen", etwa durch Open Cultural Data: "Dies schafft Kultur für alle, unabhängig von Wohnort, Gesundheitszustand und Uhrzeit." Kulturpolitik müsse "ein stärkeres Bindeglied zwischen Sozialem, Wirtschaft und Bildung darstellen – gerade jetzt, in Zeiten, die von Spaltungen und Konflikten geprägt sind".

(geka / chr)

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