medienschau
Unsere auswahl ist subjektiv
Presseschau vom 17. Oktober 2012 – Die taz über das besetzte Athener Theater Embros
Ernsthaft gebraucht
Athen, 17. Oktober 2012. Dass ein Theater besetzt wird, erfolgreich arbeitet und geschlossen wird, kennen wir aus dem kriselnden Italien: vom Teatro Valle in Rom. Ähnlich aber scheint der Fall in Athen, wo jetzt das Theater Embros geräumt werden soll, wie Fatma Aydemir für die taz (16.10.2012) und Alkyone Karamanolis für den Deutschlandfunk (24.10.2012) berichten.
Presseschau vom 11. Oktober 2012 – Die Zeit über Anders Breivik als Bühnenautor
Die Unsterblichkeitskuppel
11. Oktober 2012. "Wir werden ihn nicht als Täter und Verbrecher zu sehen bekommen, sondern als Visionär, als den Theoretiker seiner eigenen Tat", schreibt Peter Kümmel in der heutigen Ausgabe der "Zeit". Ihn – Anders Breivik, dessen manifestartige Rede vor dem Osloer Amtsgericht gleich zwei Theatermacher, in Deutschland Milo Rau, in Dänemark Christian Lollike, dieser Tage als Bühnenstück interpretieren.
Presseschau vom 11. und 17. Oktober 2012 – NZZ und SZ über eine Konferenz zur Zukunft des Theaters
"Zuschau-Kunst"
11./17. Oktober 2012. In der Neuen Zürcher Zeitung (11.10.2012) beschreibt Barbara Villiger Heilig ihre Eindrücke von einer "Zukunftskonferenz" an der Akademie der darstellenden Kunst Baden-Württemberg. "Kann es sein, dass sich die Theater tendenziell von ihren eigentlichen Adressaten entfernen und immer mehr zu Insiderveranstaltungen für Eingeweihte werden?" fragt sie. Seit dem Einbruch des Regietheaters Anfang der 70er Jahre hätten sich die Inszenierungsstile entlang vorherrschenden Moden, Schulen oder "Diskursen" kompliziert entwickelt. "Weiß heute wirklich jeder Abonnent, jede Abonnentin, was postdramatisches, was postmigrantisches Theater ist?"
Presseschau vom 8. Oktober 2012 – Die Welt über die Theatersituation in Wuppertal
Nur bedingt geeignet
7. Oktober 2012. In Wuppertal herrscht eine paradoxe Situation, die Stefan Keim in der Welt am Sonntag schildert. Denn während das eigentliche Sprechtheaterhaus nicht mehr bespielt werden kann, sei das "kleine Schauspielhaus" in dessen Foyer "alles andere als repräsentativ". Das Opernhaus sei für Sprechtheater "nur sehr bedingt geeignet", werde zudem meist von Oper und Tanztheater belegt. Ab 2014 soll es eine neue Spielstätte geben, deren Kosten in Höhe von 1,5 Millionen Euro private Geldgeber zahlen, vor allem die Theaterfreunde. "Wie viele Zuschauer dort Platz finden werden, ist noch nicht ganz klar, es werden aber nicht mehr als 200 sein. Genug für das Schauspiel, finden alle Beteiligten, denn seit vielen Jahren sind die Besucherzahlen nicht mehr besonders eindrucksvoll."
Presseschau vom 5. Oktober 2012 – Die NZZ über den Saisonauftakt an den Berliner Stadttheaterbühnen
Die Krise ist da
5. Oktober 2012. Für die Neue Zürcher Zeitung (5.10.2012) berichtet Dirk Pilz über den Saisonauftakt an Berliner Bühnen und befindet: "Die Krise ist angekommen im Berliner Stadttheaterleben." Katrin Wichmann als aufbegehrende Antigone (in Stefan Kimmigs Inszenierung "Ödipus Stadt"), Stefan Stern, der in Thomas Ostermeiers "Volksfeind"-Inszenierung vom kommenden Aufstand predigt, und Michael Klammer als ein Karl Moor, der in der "Räuber"-Inszenierung von Antú Romero Nunes gegen das "schlappe Kastratenjahrhundert" wettert, sind seine Hauptgewährsleute für diese These. "Lauter Figuren, die von Verlust und Verrat sprechen, vom schwindenden Vertrauen auf eine gelingende Gesellschaftszukunft, von der Notwendigkeit einer Revolution der Verhältnisse, die mehr ist als das bloße Reformieren des Bestehenden."
Presseschau vom 27. September 2012 – Die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet Neues vom Neuen Theater in Budapest unter rechtslastiger Leitung
Kein Thema
27. September 2012. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 25.9.2012 berichtet Reinhard Veser von György Dörners erstem Streich als Direktor des Neuen Theaters in Budapest. Die Unruhen, die der Ernennung des rechtsradikalem Gedankengut Nahestehendem gefolgt seien (nachtkritik.de berichtete), seien wieder aufgeflammt, "seit bekanntgeworden ist, was Dörner in diesem Herbst spielen lassen wollte: 'Der sechste Sarg' von István Csurka." Csurka, Theaterautor und zu der Zeit Chef der rechtsextremen Partei MIEP sollte das Neue Theater ursprünglich zusammen mit Dörner leiten, wurde aber nach heftigen Protesten von der Kandidatenliste gestrichen und starb fast gleichzeitig mit dem Amtsantritt Dörners Anfang Februar dieses Jahres, 77 Jahre alt.
Presseschau vom 26. September 2012 – Milo Rau über sein Reenactment der Breivik-Rede
"Die Dominanz ist Breivik"
26. September 2012. Im Oktober will Dokumentartheatermacher Milo Rau an zwei Abenden in Weimar und Berlin die "Erklärung" des norwegischen Attentäters Anders Breivik zu Gehör bringen, mit der dieser am 17. April 2012 vor dem Osloer Gericht seinen Amoklauf auf der Insel Utoya politisch zu rechtfertigen versuchte. Über dieses Reenactment, d.h. das Nachstellen historischer Ereignisse, sprach Doris Meierhenrich für die Berliner Zeitung und die Frankfurter Rundschau (25.9.2012) mit dem Wissenschaftler und Theaterkünstler.
Presseschau vom 14. September 2012 – In der Süddeutschen Zeitung gibt Christine Dössel einen Überlick über die Theater-Spielzeit 2012/13
Theater gehe Du voran
14. September 2012. Christine Dössel hat die Spielpläne und Spielzeithefte der gerade beginnenden Saison studiert und resümiert heute in der Süddeutschen Zeitung, dass die "Krise, so scheint es, mit all ihren Müdigkeitserscheinungen und Kollateralschäden im deutschsprachigen Theater fürs Erste ganz gut aufgehoben ist".
Presseschau vom 12. September 2012 – Die Neue Zürcher Zeitung porträtiert Oliver Reese
Am Golde hängt's...
12. September 2012. In der Neuen Zürcher porträtiert Peter Michalzik den als Frankfurter Schauspielchef frisch verlängerten Oliver Reese und scheut dabei die großen Worte nicht. Reeses Versuch: "der Intendant als Tausendsassa, der Künstler als Manager und der Manager als Künstler". Seit den Siebzigern habe das Schauspiel seine Rolle in der Stadt nicht mehr gefunden: "Dank Reese hat sich das geändert. Mit seinem breit aufgestellten Klassikerangriff und einer noch breiteren Charmeoffensive hat er Frankfurt in den vergangenen Jahren für sich regelrecht eingenommen." Das belegten auch die Zahlen: "In der vergangenen Spielzeit kamen 165 000 Menschen ins Theater, so viele wie seit 30 Jahren nicht."
Presseschau vom 5. September 2012 – Elfriede Jelinek über Pussy Riot in der russischen Zeitung "The New Times"
Ein andrer Tanz
5. September 2012. "Diese drei jungen Frauen, die Pussy Riot, haben in einer Kirche gesungen, das gehört sich dort so, und sie haben wild getanzt, eine Art Veitstanz, eben wie es sich gehört, wenn in einem Staat, der auf dem Weg in die Totalität ist, Menschen sich etwas herausnehmen müssen, um gehört zu werden, was schwierig ist, denn alle Schubladen sind schon zugesperrt, die Tür ist verrammelt, da muß man fest dagegentreten, damit man sich seinen Raum, dieses Offene, in dem man sprechen, singen, tanzen darf, nein: muß, freischaufeln kann, damit man vernommen (und nicht: einvernommen) werden kann", schreibt Elfriede Jelinek in einem bereits am 27. August in der russischen Zeitung "The New Times", die als Stimme der Opposition gilt, erschienenen Text – hier die russische Übersetzung und hier das deutsche Original auf Jelineks Webseite.
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