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Kleist-Förderpreis 2025 für neue Dramatik an Miriam Unterthiner

Miriam Unterthiner © Florian Dariz

15. Januar 2025. Der Kleist-Förderpreis für neue Dramatik geht in diesem Jahr an Miriam Unterthiner für ihr Stück "Blutbrot", das teilt das Kleist Forum Frankfurt (Oder) in einer Presseaussendung mit. Der Förderpreis ist mit einem Preisgeld von 10.000 Euro dotiert und mit einer Uraufführung verbunden, die in diesem Jahr vom Theater Aachen übernommen wird. Die Premiere ist für den 26. September 2025 geplant, Regie führt Jakob Weiss.

Miriam Unterthiner, geboren 1994 in Italien, lebt in Wien. Ehemalige Handballerin, jetzt Dramatikerin und Autorin. Studium der Philosophie, Germanistik sowie der Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst Wien. "Blutbrot" ist ihre Abschlussarbeit des Sprachkunst-Studiums. Sie erhielt Stipendien der österreichischen Bundesregierung, der Wiener Wortstaetten sowie der Summer School Südtirol und wurde zum Treffen junger Autor:innen am Schauspielhaus Leipzig eingeladen. Ihr Theatertext "Va†erzunge" wurde für den Autor:innenpreis des Heidelberger Stückemarkts 2023 nominiert. Mit ihrem Stückentwurf "Mundtot" ist sie derzeit Hans-Gratzer-Stipendiatin des Schauspielhauses Wien, und sie ist ebenfalls für den Retzhofer Dramapreis für junges Publikum 2025 nominiert.

Boden, dessen Brot wir essen

In der Jury-Begründung heißt es unter anderem über "Blutbrot": Es gehe um Kollektivschuld, "um ein 'Wir', das verschiedene Gestalten annehmen kann; und um ein Geschehen, an dem Viele beteiligt waren: Die Helferinnen und Helfer, die es NS-Funktionären wie Erich Priebke, Adolf Eichmann, Gerhard Bast oder Josef Mengele ermöglichten, über den Brennerpass nach Südtirol zu fliehen, erst nach Rom und schließlich bis nach Südamerika.

Was sich scheinbar "am Rand" der Geschichte abspielte und in der kollektiven Erinnerung heute eher in Vergessenheit geraten ist, wird von Miriam Unterthiner ins Licht gestellt, und zwar als Kontinuität: Der Boden, auf dem das geschah, bringt das Brot hervor, das wir heute essen sollen. Können wir es kauen, schlucken und verdauen? Oder bekommen wir es nicht mehr hinunter?" Poetisch verdichtet und zugleich konkret, formal virtuos und kraftvoll, mit feinem Humor und großen Bildern grabe sich "Blutbrot" wortwörtlich in die Vergangenheit, die sich bis heute in den Körpern abgelagert hat.

Zum 30sten Mal

Der Kleist-Förderpreis wird seit 1996 vergeben. Bedingung für die Bewerbung ist, dass die Autorinnen und Autoren bislang nicht mehr als einen Text zur Uraufführung gebracht haben. Erstmals wurde in diesem Jahr die Beschränkung auf das Höchstalter von 35 Jahren aufgehoben. Die Altersspanne der Einreichungen betrug 24 bis 75 Jahre, heißt es in der Pressemitteilung.

Zur Jury gehörten: Florian Vogel, Künstlerischer Leiter des Kleist Forums Frankfurt (Oder) und Leitung der Jury;
Maxi Obexer, Autorin und Laudatorin; Milena Manns, Dezernentin für Kultur, Bildung, Sport, Bürgerbeteiligung und Europa der Stadt Frankfurt (Oder); Kerstin Grübmeyer, Leitung Schauspiel am Theater Aachen (Uraufführungstheater), stellvertretende Vorsitzende der Dramaturgischen Gesellschaft; Beata Anna Schmutz, Künstlerische Leiterin Mannheimer Stadtensemble am Nationaltheater Mannheim, Vorstandsmitglied der Dramaturgischen Gesellschaft: Michael von zur Mühlen, Theater- und Opernregisseur, Vorstandsmitglied Dramaturgische Gesellschaft; Petra Thöring, Dramaturgin Hessisches Landestheater Marburg; Anke Pätsch, Vorständin Stiftung Kleist-Museum Frankfurt (Oder); Jack Kurfess, Theater Consultant.

Die Preisverleihung mit einer Laudatio von Maxi Obexer findet zur Eröffnung der Kleist-Festtage am 7. Oktober 2025 statt.

(www.muv-ffo.de / sik)

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