nachtkritikstream - "The End. Eine Replikantenoper" des Theater Bremen
Felix Rothenhäuslers Uraufführung von Jan Eichbergs "The End. Eine Replikantenoper"
Dieser Beitrag ist Teil des nachtkriktik.de-Archivs. Er entspricht Layout und technischem Stand vor November 2021.
Über die Inszenierung auf der Website des Theaters Bremen:
"Du befindest Dich auf der Erde. Dafür gibt es keine Heilung." (Samuel Beckett) — Im düsteren Los Angeles der gar nicht allzu fernen Zukunft scheint der Regen nie aufzuhören. Licht spenden nur noch die blendend hellen Reklametafeln, und der Smog hängt tief über den Köpfen der Menschen. Hier gibt es keine Bäume mehr, keine Pflanzen. Tiere und Insekten sind zur Seltenheit geworden und damit zum heißbegehrten Statussymbol. Diese Welt ist geteilt in echt und künstlich, mächtig und gejagt. Kaum zu unterscheiden vom Original sind die sogenannten Replikanten, künstliche Menschen zweiter Ordnung, Wesen ohne Geschichte, ohne Erinnerung, erschaffen nur, um zu funktionieren. Und doch schimmert in ihren Augen so etwas wie Gefühl, vielleicht sogar Liebe? Die Grenzen zwischen Realität und Erinnerung, Traum und Dystopie verschwimmen immer mehr und hinterlassen vor allem Fragen danach, was es eigentlich bedeutet, Mensch zu sein. Der Klang unserer Zukunftsängste verbindet sich mit der Hoffnung auf eine bessere Welt, eine Welt ohne Menschen vielleicht, eine Welt ohne Ende.
The End. Eine Replikantenoper
von Jan Eichberg
Regie: Felix Rothenhäusler, Bühne: Katharina Pia Schütz, Kostüme: Elke von Sivers, Musik: Jo Flüeler, Moritz Widrig, Dramaturgie: Theresa Schlesinger.
Mit: Annemaaike Bakker, Nadine Geyersbach, Justus Ritter, Matthieu Svetchine, Alexander Swoboda.
Dauer: 1 Stunde 10 Minuten
www.theaterbremen.de
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„The End. Eine Replikantenoper“ ist ein sehr ungewöhnlicher Theaterabend, der trotz des statischen Settings, bei dem sich die Spieler*innen nicht von der Stelle bewegen, die Leichtigkeit einer experimentierfreudigen Studio-Inszenierung hat. Der Bremer Hausregisseur Rothenhäusler trieb sein aus früheren Inszenierungen wie „Trüffel Trüffel Trüffel“ (Frage an die Münchner Kammerspiele und Nachtkritik: Kommt das leider abgespielte Stück auch demnächst auf den digitalen Spielplan?) bekanntes Stilprinzip, dass das Ensemble neben einander aufgereiht ist, diesmal auf die Spitze. Während sich seine Spieler*innen bei der unterhaltsamen Münchner Farce einander zuwandten, richten die Androiden den Blick immer starr geradeaus ins Publikum. Mit verfremdeten Stimmen und todernst-regloser Miene sprechen sie den anspielungsreichen Text.
Wie funktioniert der Abend im Stream? Als Live-Erlebnis in der Studioatmosphäre des Kleinen Hauses wirken der prasselnde Regen, die durchnässten Spieler*innen und der von den Wassermassen beschädigte Vorhang sicher wesentlich intensiver als in der abgefilmten Version. Im Stream kommen jedoch die Zooms auf die reglosen Gesichter des monoton sprechenden Ensembles gut zur Geltung. Auch die mehrfach eingesetzten Überblendungen zwischen Spieler*innen und Musikern sind ein interessante, eine leicht surreale Atmosphäre hervorrufende Stilmittel.
Komplette Kritik: https://daskulturblog.com/2020/03/31/the-end-eine-replikantenoper-theater-bremen-kritik/