nachtkritikstream - "Vernon Subutex" nach Virginie Despentes von Alexander Eisenach inszeniert
"Vernon Subutex" vom Schauspielhaus Graz
Dieser Beitrag ist Teil des nachtkriktik.de-Archivs. Er entspricht Layout und technischem Stand vor November 2021.
"Vernon Subutex" vom Schauspielhaus Graz
12. Juli 2020. Seit Mitte März streamen wir ausgewählte Inszenierungen, damit Theaterschaffende auch nach Einstellung des Spielbetriebs sichtbar bleiben und das Gespräch über Theater auch in Zeiten sozialer Isolation wach bleibt. Nun läuft mit "Vernon Subutex" die 107te Inszenierung – und die letzte vor der Sommerpause. Ab 12. Juli 18 Uhr zeigen wir für 24 Stunden Alexander Eisenachs Inszenierung nach dem Roman von Virginie Despentes. Die Premiere fand im September 2019 statt.

Über die Inszenierung heißt es auf der Website des Schauspielhaus Graz:
"Vernon Subutex, Besitzer eines Plattenladens, war immer ein cooler Hund. Doch dann kamen die Digitalisierung, das Internet, unverschämte Mieterhöhungen – und plötzlich ist sein Laden pleite. Eine Weile hält sich der Endvierziger mit dem Verkauf von Restbeständen auf eBay über Wasser, dann mit Gelegenheitsjobs und Arbeitslosenhilfe. Doch als der Popstar Alex Bleach stirbt, der bis dahin seinem Freund die Miete zahlte, wird Vernons Wohnung gepfändet. Als Obdachloser übernachtet er bei ehemaligen Geliebten, alten Freunden und neuen Bekannten auf der Couch, bis er ahnungslos seinen größten Schatz, quasi seine Lebensversicherung, verliert: die Aufzeichnung eines Interviews mit Alex Bleach kurz vor dessen Tod, das brisante Details enthält. Das Video ist Gold wert und bald wird Vernon von einer Meute verfolgt, die es ihm abjagen will. Und das ist nur Teil 1 der Romantrilogie. In Teil 2 und 3 wird Vernon u. a. als Obdachloser die Galionsfigur einer utopischen Gemeinschaft, die in der Musik und im Tanz Erlösung sucht.
Alexander Eisenach, der bereits in den Vorjahren am Schauspielhaus Graz "Frequenzen" von Clemens J. Setz (800 Seiten) sowie "Der Zauberberg" von Thomas Mann (1.000 Seiten) in betörenden Bildern für die Bühne adaptierte, führt mit "Vernon Subutex" (1.200 Seiten) seine Beschäftigung mit umfangreichen Romanen für uns weiter. In der Titelrolle ist Norbert Wally zu sehen, bekannt von der Grazer Kultband 'The Base'."
Vernon Subutex
nach dem Roman von Virginie Despentes
Aus dem Französischen von Claudia Steinitz
Regie: Alexander Eisenach; Bühne: Daniel Wollenzin; Kostüm: Claudia Irro; Mitarbeit Kostüm:
Jenny Theisen; Komposition und musikalische Leitung: Benedikt Brachtel; Mitarbeit Musik: Lukas Rabe; Video: rocafilm; Licht: Thomas Trummer; Choreographie: Marta Navaridas, Alex Deutinger; Dramaturgie: Karla Mäder.
Mit: Norbert Wally, Clemens Maria Riegler, Julia Gräfner, Anna Szandtner, Evamaria Salcher, Fredrik Jan Hofmann, Katrija Lehmann, Franz Solar, Florian Köhler, Rudi Widerhofer, Beatrice Frey, Henriette Blumenau, Alex Deutinger, Franz Xaver Zach, Raphael Muff, Nico Link, Maximiliane Haß, Marta Navaridas, Thomas Achitz.
Premiere am 26. September 2019
www.schauspielhaus-graz.buehnen-graz.com/
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In der zweiten Hälfte dominieren die Gruppenszenen, die Aufführung wird atmosphärisch dichter und bietet einen panorama-artigen Streifzug durch Phänomene, die die französische Gesellschaft und Kultautorin Despentes umtreiben: Roman-Vorlage und Theater-Adaption erzählen vom Alltags-Rassismus, vom Islamismus, von queeren Lebensentwürfen, von radikalem Feminismus. Begleitet von viel Live-Kamera-Einsatz und Musik säumen die schillernden Gestalten den Weg der Titelfigur, die Norbert Wally von der Grazer Indie-Rock-Band The Base verkörpert.
Ähnlich wie in einer Castorf-Inszenierung wechseln sich Leerlauf und eindrucksvolle Momente an diesem sehr langen Abend ab. Dabei nimmt der Regisseur Eisenach seine Figuren ernst und verfällt weniger oft in Slapstick als in seinen Berliner Arbeiten.
Komplette Kritik: https://daskulturblog.com/2020/07/13/vernon-subutex-schauspielhaus-graz-kritik/