Die Freien Darstellenden Künste in Deutschland - Ein Aufsatzband fragt danach, wie freies Theater geht
Muss Theater sein?
von Tobias Prüwer
Dieser Beitrag ist Teil des nachtkriktik.de-Archivs. Er entspricht Layout und technischem Stand vor November 2021.
Muss Theater sein?
von Tobias Prüwer
18. September 2013. Ein Aufsatzband über die freien darstellenden Künste in Deutschland? Die Autorinnen und Autoren – nicht alle entstammen der Off-Szene – kommen dabei naturgemäß nicht ohne Kritik der Förderstrukturen, der Maßnahmen und Anmaßungen der Kulturpolitik aus. Aber der Widerstreit zwischen Stadt- und freiem Theater hier steht nicht im Mittelpunkt. Vielmehr durchzieht die Beiträge als Erkenntnisinteresse die Frage nach der heutigen Stellung von Theater überhaupt, seinem Vermögen in theaterfernen Zeiten sowie das Verhältnis von Theater und städtischer Gesellschaft und deren Repräsentationsbedürfnis.
Natürlich fällt auch mal das von den kommunalen Kulturbetrieben übernommene Kapitalisierungsargument: Kultur sei Investition in die Zukunft, ein Wettbewerbsvorteil in der Tourismuskonkurrenz, Kreativität gehöre zum Markenkern einer urbanen Region etc. Andere Analysen nehmen aber genau das zum Anlass, um zu fragen, in wie weit denn die freien Theater schon unfreiwilligerweise den neoliberalen Idealtypus – flexibel, mobil, prekär, anpassungsfähig und allzeit bereit zur Selbstausbeutung – verkörpern. Oder was sie diesem entgegenstellen könnten.
Fest? Event? Bildung?
Gerade solche Texte gehen über die in einem derartigen Sammelband erwartbaren Selbstvergewisserungstendenzen hinaus. So arbeiten sie sich nicht nur daran ab, wie freies Theater wurde, was es ist, oder wie man das "frei" von der ökonomischen Knappheit der Mittel abgesehen, positiv ausbuchstabieren kann, sondern daran, was Theater heute eigentlich bedeuten kann und sollte. Auf welche Weisen kann man Theater gegenwärtig produzieren? Sollte man das überhaupt? Verkauft sich Theater als Fest und Event oder liegt hier Potenzial frei? Und wie viel kulturelle Bildung steckt (noch) im Theater der engen Rahmenbedingungen, fragen die spannendsten Essays.
Sie als eine sekundierende Lektüre zu Dirk Baeckers auf nachtkritik.de ausführlich besprochenen Suchbewegungen zu lesen, lohnt sich. Fragt Baecker "Wozu Theater?", so will dieser Band wissen: "Und wie Theater?"
Eckhard Mittelstädt, Alexander Pinto (Hg.):
Die Freien Darstellenden Künste in Deutschland,
Transcript Verlag, Bielefeld 2013, 230 S., 29,80 Euro
Mehr zum Thema finden Sie in den nachtkritik.de-Lexikonartikeln zur Stadttheaterdebatte und zu den Hildesheimer Thesen.
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