Sie sollten mir kein Vertrauen schenken

von Sarah Heppekausen

30. März 2011. Diese Bühne gehört Rabih Mroué. Nicht die im Schauspielhaus, sondern die im Kölnischen Kunstverein. Denn nicht im Stadttheater, sondern im Riphahn-Bau "Die Brücke" wird das Festival Heimspiel eröffnet. Ein Ausstellungsort für zeitgenössische Kunst, für Performances, Medienkunst, Filme und Konzerte. Schließlich geht die Förderung der Kulturstiftung des Bundes seit 2006 an Theaterprojekte, die übergriffig werden, die sich mit anderen Kunstformen, anderen Orten, mit der Stadt und ihren Bewohnern auseinandersetzen: Raus aus dem Theater, rein in die Realität.

Na ja, "Die Brücke" bleibt ein Ort der Kunst, eine Vernissage ein Sektempfang und Rabih Mroué ein Künstler. Aber ein sehr sympathischer. Der sein Publikum eindringlich beobachtet, während er Bilder und Filme aus Beirut, von Bürgerkrieg und Banküberfall zeigt. Der sich aber auch das Schmunzeln nicht verkneifen kann, wenn er seine Gullydeckel-Fotosammlung aus anderen Ländern und die Straßenlaterne-Fotos aus seiner Heimatstadt präsentiert, bei den einen den steten Blick nach unten, bei den anderen den Blick nach oben diagnostiziert und dann fragt: "Ist das politisch?"

Mroué hadert in seiner Lecture Performance Make Me Stop Smoking (2006) mit der Erinnerung, mit den skurrilen Versatzstücken seines persönlichen Libanon-Archivs aus Fotos und Filmen, Zeitungsartikeln, Dokumentationen und Ideen. Bis er den Materialmüll endlich im virtuellen Papierkorb verschwinden lässt (begleitet von einem Raunen im Publikum).

Beim anschließenden Gespräch kommen einem Zuschauer Zweifel: Kann ich das alles glauben? Sie sind doch Künstler. "Sie sollten mir kein Vertrauen schenken", antwortet Mroué und schmunzelt wieder. Dieser Realitätsübergriff bleibt eine Performance. Und eine Bühne bleibt eine Bühne.

 

www.heimspiel2011.de

 
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