von Elisabeth Nehring
Minsk, 7. Oktober 2016.
"Diese Vorstellung wurde Ihnen präsentiert von Ihrer ****prombank." Kaum ist das Klatschen abgeebbt und die Zuschauer stehen auf, ertönt schon wieder der aufdringliche Werbejingle eines bekannten weißrussischen Geldinstituts. Bereits kurz vor der Vorstellung hat er bei einigen westeuropäischen Theaterbesuchern kulturell gepflegten Unwillen erregt. Doch wie so vieles muss auch diese spontane Abwehrreaktion nach fünf Tagen Intensivaufenthalts in Minsk samt Besuch des Theaterforums "Belarus Open" etwas revidiert werden. Denn in der weißrussischen Theaterszene ist dieser Tage einiges anders, subtiler, komplizierter als es die hierzulande medial nur rudimentär vermittelte gesellschaftspolitische und kulturelle Situation erwarten lässt.