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Dresden: Festival Fast Forward vor dem Aus?

Charlotte Orti von Havranek (links), Kuratorin und Künstlerische Leiterin Festival Fast Forward, bei der Pressekonferenz zur Spielzeit 2025/26 am Staatsschauspiel Dresden, gemeinsam mit Christiane Lehmann, Künstlerische Leiterin Bürger:Bühne, und Intendant, Joachim Klement © Sebastian Hoppe

17. April 2025. Dresdens Festival für junge Regie "Fast Forward" steht finanziell möglicherweise vor dem Aus. Grund sind die Sparpläne des Freistaats Sachsen. Das berichtet der MDR Kultur.

Schon die diesjährige Ausgabe des Festivals, auf dem junge Regisseur*innen aus ganz Europa ihre Arbeiten zeigen, könnte die letzte sein. Damit rechnet die künstlerischen Leiterin und Kuratorin des Festivals, Charlotte Orti von Havranek. Zwar erreiche Fast Forward in vier Tagen viel Publikum, sagte die Dramaturgin dem MDR, besipiele gleichzeitig aber teils sehr kleine Räume und verlange nur wenig Eintritt. "Wir sind kein Wirtschaftsfaktor, was dazu führen wird, dass wir nicht mehr Teil des Programms sein werden, was in Zeiten von Sparmaßnahmen aufrechterhalten wird." Derzeit suche sie mit ihrem Team nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten.

In einer Stellungnahme bei der Spielzeit-Pressekonferenz des Staatsschauspiels Dresden vor einer Woche warnte Orti von Havranek vor einem zunehmend kulturfeindlichen Vokabular in der europäischen Politik. Namentlich wies sie in ihrer Rede, die per Mail an Journalist*innen versandt wurde, auf die schwedische Kulturministerin Parisa Liljestrand hin, die im Januar in ihrer Eröffnungsrede beim internationalen Filmfest in Göteburg den schwedischen Filmsektor als Industrie bezeichnete, die die Hand aufhalte, weil sie wirtschaftlich nicht auf eigenen Beinen stehen könne. Ähnlich äußere sich der amtierende Berliner Kultursenator und möglicherweise kommende Kulturstaatsminister Deutschlands, Joe Chialo.

"Der gesellschaftliche Raum wird beschnitten", heißt es in Orti von Havraneks Stellungnahme, die nachtkritik.de vorliegt. "Die Kultur als gesellschaftliches Laboratorium, das man sich leistet, weil man es braucht, steht auf dem Spiel, weil es Kulturpolitiker*innen gibt, die sagen, 'die sollen doch auf eigenen Beinen stehen'. Wer aber kein Labor, keine Experimentierräume mehr hat, wer keinen Nachwuchs mehr hat, der agiert über kurz oder lang mit den Strategien von gestern auf eine Gegenwart, die er und sie nicht mehr verstehen wird."

Fast Forward wurde als europäisches Festival für junge Theaterregisseur*innen in Braunschweig gegründet. Seit 2017 findet es am Staatsschauspiel Dresden statt. Jährlich im November präsentiert es vier Tage lang Inszenierungen aus ganz Europa. Die jeweils besten Inszenierungen eines Jahres werden von einer internationalen Jury ausgezeichnet. Der Hauptpreis besteht in einer Einladung zu einer neuen Inszenierung am Staatsschauspiel Dresden.

(MDR, Staatsschauspiel Dresden / eph)

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Kommentare  
Fast Forward Festival: Solidarität mit den anderen
Bei allem Respekt und Solidarität, das Staatsschauspiel Dresden ist durch den Freistaat eh sehr gut aufgestellt. Ich würde mir mehr Aufschrei und Berichterstattung über die drohenden Insolvenzen der Vielzahl von Stadttheatern in Sachsen wünschen, die durch die Politik der Sächsischen Staatsregierung in einem knappen halben Jahr vor der Insolvenz stehen werden, obwohl viele dieser Häuser nach der Pandemie erstaunliche Zuschauerzuwächse zu verzeichnen hatten. Da scheint mir ein Festival ein Luxus Problem zu sein in diesen Zeiten. Es geht um Arbeitsplätze, kulturelle Vielfalt und Kultur fernab der Zentren für alle.
Fast Forward Festival: Bitte retten
Ich würde mir neben dem Aufschrei für die gesamte sächsische Theaterlandschaft einen aufschrei gegen das gegeneinander Ausspielen wünschen: natürlich sind viele bedoht von einer schlechten und rechten Politik, umso wichtiger, dass Teile davon laut werden - und so richtig laut sind sie noch nicht.
Außerdem: Fast Forward ist ein internationales, junges Festival. Genau solche pluralen Positionen sind im Moment extrem gefährdet. Darum muss man unbedingt kämpfen, sonst gibt es in der Sachsen dann vielleicht noch ein paar Theaterhäuser, die inhaltlich aber immer fragwürdiger werden. Gleichschaltung ist ein Werkzeug der Rechten, da stehen Spielplände im Zentrum des politischen Interesses. Klingt für manche jetzt vielleicht übertrieben, wenn ich den regionalen Kulturbeauftragten aber so zuhöre, wächst in mir eher die Sorge, als die Zuversicht. Den Dresdnern wünsche ich jedenfalls das Beste!
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