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Nach Genter Absage: Münchner Philharmoniker in Berlin

12. September 2025. Nach der Absage des geplanten Konzerts der Münchner Philharmoniker unter der Leitung des künftigen Chefdirigenten Lahav Shani durch das Flanders Festival Ghent haben die Berliner Festspiele gemeinsam mit der Stiftung Berliner Philharmoniker und dem Konzerthaus Berlin das Orchester nach Berlin eingeladen. Das Konzert findet am Montag, den 15. September, im Rahmen des Musikfest Berlin statt.

"Mit der Einladung und dem Konzert der Münchener Philharmoniker mit Chefdirigent Lahav Shani und der Violinistin Lisa Batiashvili geht von Berlin eine klare Botschaft aus: Wir stellen uns entschieden gegen Antisemitismus und stehen gemeinsam für Respekt, Menschlichkeit und ein friedliches Miteinander ein", wird Kulturstaatsminister Wolfram Weimer in einer Pressemitteilung seiner Behörde zitiert. "Das ist in Zeiten, in denen sich blanker Judenhass immer stärker Bahn bricht, ein wichtiges, ehrliches Solidaritätsbekenntnis innerhalb der Kulturszene", so Weimer laut BKM-Mitteilung.

Ausgeladen worden waren die Münchner Philharmoniker, weil der in Tel Aviv geborene Lahav Shani seit 2020 als Nachfolger von Zubin Mehta auch Musikdirektor des Israel Philharmonic Orchestra ist. "Im Lichte seiner Rolle", zitiert die Tagesschau eine Erklärung auf der Homepage des absagenden Festivals, sahen sich die Veranstalter "nicht in der Lage, für die nötige Klarheit über seine Haltung dem genozidalen Regime in Tel Aviv gegenüber zu sorgen". Israels Regierungssitz sei Jerusalem, und Shani habe keine öffentlichen Verbindungen zur Regierung Netanjahu, heißt es bei der Zeit. Shani habe sich mehrfach für einen Frieden in Gaza ausgesprochen und zudem Daniel Barenboims West-Eastern Divan Orchestra dirigiert, in dem israelische und palästinensische Musiker*innen arbeiten.

Deutsche Politiker zeigten sich den Medien zufolge nach der gestrigen Ausladung entsetzt: Kulturstaatsminister Wolfram Weimer sprach von einer "Schande für Europa" und einem Kultur-Boykott "unter dem Deckmantel vermeintlicher Israel-Kritik"; Bayerns Kunstminister Markus Blume (CSU) nannte die Absage laut Tagesschau einen "Skandal". Für Israels Botschafter in Deutschland, Ron Prosor, ist die Ausladung der Zeit zufolge "purer Antisemitismus"; sowohl Belgiens Premierminister Bart De Wever als auch der Regierungschef der Region Flandern Matthias Diependaele kritisierten die Entscheidung der Ghenter Festivalorganisatoren. 

(BKM, Tagesschau, Zeit / eph)

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Kommentare  
Ausladung Gent: Danke, Berlin!
Kaum auszuhalten dieser Antisemitismus.
Danke Berlin !!!
Diese stille Solidarität mit der Hamas in Deutschland vielen Teilen Europas, mit radikalen Palästinensern die es in den letzten Jahrzehnten geschafft haben ihr Land komplett in den wirtschaftlichen und menschlichen Abgrund zu stürzen, macht mich einfach nur fassungslos.
Ausladung Gent: Komplexere Lage
Lieber Wilfried,

Deine Aussage, die Palästinenser hätten sich in den letzten Jahren selber in den Ruin getrieben entbehrt der nötigen Portion Menschlichkeit. Noch dazu stimmt es nicht, die Lage ist wohl durchaus komplexer.

Dass die Münchner Philarmoniker vom Festival in Gent ausgeladen wurden, finde ich ebenso falsch und begrüße das Zeichen aus Berlin.
Ausladung Gent: Heuchelei
Die politischen und moralischen Standards , die Daniel Barenboim (für sich und konsequent) gesetzt hat, sind sehr hoch. Aber dass Shani Wagner ins Programm setzt, sollte genug sein, ihn nicht als „Staatskünstler“ zu diffamieren (und gleich ein Orchester).

Die Absage wird von Flanders Festival so argumentiert:

„Lahav Shani has spoken out in favour of peace and reconciliation several times in the past, but in the light of his role as the chief conductor of the Israel Philharmonic Orchestra, we are unable to provide sufficient clarity about his attitude to the genocidal regime in Tel Aviv. In line with the call from the Minister of Culture, the city council of Ghent and the cultural sector in Ghent, we have chosen to refrain from collaboration with partners who have not distanced themselves unequivocally from that regime.

Given the inhumanity of the current situation, which is also leading to emotional reactions in our own society, we believe it is undesirable to allow this concert to go ahead. We have chosen to maintain the serenity of our festival and safeguard the concert experience for our visitors and musicians.  „

Mehr Heuchelei geht nicht.

Erschreckend, dass diese Art von Rhetorik und Handeln ÜBERALL zum „Standard“ geworden ist …
Ausladung Gent: Heuchelei auf beiden Seiten
Der Text des Flandern Festivals ist klar und differenziert, und diffamiert in keinster Weise die Person Lahav Shani, sondern ausschließlich seine Funktion einer staatlichen Institution Israels! Man muss diese Entscheidung nicht mögen und/oder teilen, aber das hysterische "Antisemitismus.Gegeifere", die Allzweckwaffe gegen jede kritische Auseinandersetzung mit dem Staat Israel und seinem Verhalten (beileibe nicht nur) im Gazastreifen, ist einfach nur lächerlich und verlogen.
Was war mit der Ausladung von Frau Anna Netrebko nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine, wegen mangelnder Distanz zum Regime Putin? War das dann "empörender Anti-Slawismus" und eine "Schande für Europa" von der Kulturstaatsminister Wolfram Weimer schwadroniert - immer ganz weit vorne rechts, wenn es ums empören geht!
Wie gesagt: man muss das weder gut heißen noch teilen, aber sich an die eigene Nase fassen geht immer!
Ausladung Gent: Kein staatliches Orchester
@4 Wilhelm,: Nein, Sie irren, das IPO ist nicht staatlich!
Darüber hinaus sollten Kultur und Kunst Brücken bauen können.
Die Aktion des Flanders Festival ist alles andere als differenziert.
Ausladung Gent: Kein Erkenntnisgewinn
@Wilhelm: Ihr Beitrag ist „Whataboutism“. Man kann zwar Äpfel mit Birnen vergleichen, bringt aber keinen Erkenntnisgewinn. Einfach mal zum Verhältnis Netrebko-Putin recherchieren und dann Ihren Kommentar zurückziehen.
Ausladung Gent: So simpel
Einen Künstler aufgrund seiner Staatsangehörigkeit oder seiner jüdischen Religion auszugrenzen und zu diskreditieren, geht einfach nicht. So simpel ist das.
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