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Freie Szene NRW: Drastische Einschnitte angekündigt
11. Mai 2025. Nach monatelanger Verzögerung hat das Ministerium für Kultur und Wissenschaft in NRW drastische Einschnitte bei den mehrjährigen Förderprogrammen für freie Theatergruppen angekündigt. Das teilen 17 freie Gruppen gemeinsam mit und schreiben: "Die Einschnitte markieren einen kulturpolitischen Wendepunkt – mit erheblichen strukturellen und existentiellen Folgen."
Demnach ist Folgendes geplant:
- Die Spitzen- und Exzellenzförderung Theater wird um fast 50 Prozent gekürzt und zum jetzigen Zeitpunkt ist noch nicht klar, was das konkret für die neue Ausschreibung bedeutet. Die aktuellen Förderungen laufen jedoch bereits im Juni 2025 aus.
- Die Spitzenförderungen Kinder- und Jugendtheater wird komplett eingestellt. Stattdessen soll eine Dauerförderung für lediglich vier anstelle der sechs derzeit geförderten Gruppen eingerichtet werden. Jedoch ohne erneute öffentliche Ausschreibung und Fachjury-Entscheidung und mit einhergehenden Kürzungen der Fördersumme im Vergleich zur Spitzenförderung in Höhe von insgesamt 75 Prozent.
Aktuell sichern die Mehrjahres-Förderungen die Arbeit von 64 professionellen Theater- und Tanzgruppen in NRW.
"Sie ermöglichen stabile Arbeitsbedingungen, künstlerische Qualität und kontinuierliche Entwicklung – und gelten seit über einem Jahrzehnt bundesweit als Modell nachhaltiger Kulturförderung, sozialer Absicherung und struktureller Stärkung der Freien Szene", heißt es gemeinsam von Alfredo Zinola + Micaela Kühn Jara, Angie Hiesl + Roland Kaiser, echtzeit-theater, fringe ensemble, half past selber schuld, Hofmann&Lindholm, kainkollektiv, KGI, Marlin de Haan, performing:group, pulk fiktion, Rotterdam Presenta, subbotnik, Tanzfuchs PRODUKTION, Theaterkollektiv Pièrre.Vers, TOBOSO und vorschlag:hammer.
Die Forderungen an das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW lauten:
1. Unverzügliche und vollständige Fortsetzung der Spitzen- und Exzellenzförderung Theater und Kinder- und Jugendtheater im bisherigen Umfang
2. Zeitnahe Entscheidungen über Ausschreibungstermine und vollständige Weiterführung der Spitzenförderung Theater, Kinder- und Jugendtheater, Spitzen- und Exzellenzförderung Tanz und der Konzeptionsförderung.
3. Einrichtung eines Überbrückungszuschusses für alle Gruppen in den bisherigen Spitzen-, Exzellenzförderungen, die von der verzögerten Ausschreibung betroffen sind.
4. Transparente Kommunikation der Entscheidungsprozesse: Förderkriterien, Mittelverwendung, Zeithorizonte und strukturelle Folgen müssen nachvollziehbar gemacht werden – insbesondere angesichts des 2025 aufgestockten Haushaltstitels Freies Theater. Die Transparenz des Haushalts ist ein Bürger*innenrecht!
5. Verlässliche, nachhaltige Kulturpolitik: Aufbau eines kontinuierlichen, transparenten Dialogs zwischen Politik und Freier Szene.
6. Die rechtliche Verankerung mehrjähriger Kulturförderung im Kulturgesetzbuch NRW.
Hier geht es zur Pressemitteilung als pdf.
Mittlerweile hat auch das NRW Landesbüro Freie Darstellende Künste eine ausführliche Einordnung der Lage veröffentlicht.
(sik)
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Gerade sehen wir eine Entwicklung, die darauf ausgerichtet scheint, Ressourcen in die Institutionen zu verschieben. Wer sich darüber freut oder glaubt, dass es sie nicht betrifft stellt sich bitte eine simple Frage:
Warum? Warum gibt sich die Politik solche Mühe, die strukturelle und künstlerische Vielfalt der Darstellenden Künste zu schwächen? Was ist der Gewinn? Was ist das Ziel?
Vielleicht helfen diese Fragen, zu begreifen, dass diese Kürzungen uns alle angehen. In der Freien Szene, an den Häusern und nicht zuletzt in der Gesellschaft.