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Preisträger*innen beim Fast Forward Festival

Pauli Patinens finnisches Team vom Siegerstück "Steal this performance" bei der Preisverleihung © Sebastian Hoppe

17. November 2025. Die Festivaljury des Fast Forward Festivals am Staatsschauspiel Dresden hat die finnische Produktion "Steal this performance" von Pauli Patinen zum Fast Forward Preisträger 2025 gekürt. Der Festivalpreis 2025 besteht in dieser Ausgabe aus der Einladung zu einer Arbeitsresidenz in Dresden. Den Preis richtet das Staatsschauspiel Dresden in Kooperation mit Hellerau – Europäisches Zentrum der Künste aus.

Die Begründung der Festivaljury, der in diesem Jahr die Dramaturgin und Kuratorin Carmen Hornbostel (Wiener Festwochen), Csaba Polgár (Künstlerischer Leiter Örkény István Theater Budapest), Carena Schlewitt (Künstlerische Leiterin des internationalen Produktionshauses Hellerau – Europäisches Zentrum der Künste), die Theaterkritikerin Natasha Tripney (Herausgeberin des britischen Theatermagazins The Stage) sowie Nadja Stübiger und Marin Blülle (Mitglieder des Schauspielensembles des Staatsschauspiels Dresden) angehören:

"Die Konzeption dieser Arbeit wird bereits im Titel offenbart. Es ist in vielerlei Hinsicht ein gewagtes und mutiges Stück, das aus einer Reihe von theatralischen Insiderwitzen ein Werk schafft, das sich gleichzeitig mit der Geschichte des Theaters und seiner Zukunft befasst. Es ist ein Stück, das das Publikum dazu bringen soll, sich zu fragen, was es bedeutet, als Künstler*in originell zu sein, und dies, indem es Texte, Bilder, performative Formate und Ästhetik auf höchst gekonnte Weise miteinander verknüpft. Die Konstante ist der Darsteller Juho Keränen, der während der gesamten Aufführung selbstbewusst bleibt. Er kämpft um seine Position als Mensch in einer Welt voller Informationen und Algorithmen. Das Stück beschäftigt sich mit Fragen darüber, was es bedeutet, die Vergangenheit neu zu interpretieren und die Kunstform weiterzuentwickeln, und zwar nicht nur auf theoretische Weise, sondern auf eine treibende, unterhaltsame und oft aufregend körperliche Art und Weise. Hinter dem ästhetischen Feuerwerk verbirgt sich ein echtes Ringen mit dem Druck, originell sein zu müssen."

Das Jurystatement holt auch etwas allgemeiner kulturpolitisch aus, da die Zukunft des Fast Forward Festivals nicht gesichert ist: 

"Fast Forward ist unter Festivals eine Seltenheit. Indem es sich auf Künstler*innen in der Anfangsphase ihrer Karriere konzentriert, gewährt es dem Publikum einen Einblick in die Zukunft des europäischen Theaters. Es ist eine einmalige Gelegenheit, Künstler*innen zu Beginn ihrer Laufbahn zu sehen, wie sie ihre Stimme finden und ihre Vision verfeinern. Es hat als Sprungbrett für zahlreiche Karrieren und als Raum für Experimente und Provokationen, Verspieltheit und Heilung gedient.

Es war ein großes Privileg, als Jurymitglied für dieses Festival tätig zu sein, aber es ist auch sehr bedauerlich, dass dies wahrscheinlich die letzte Ausgabe von Fast Forward in Dresden sein wird. Dies ist sowohl für die Stadt als auch für junge Theaterkünstler*innen ein Verlust. In einer Zeit, in der wir in vielen Ländern Europas ein rasantes Wiederaufleben des Nationalismus erleben, brauchen wir mehr Räume für den kulturellen Austausch, nicht weniger."

Zum vierten Mal wurde auch ein Fast Forward Jugend-Jury-Preis verliehen, ausgezeichnet wurden Ashley Ho und Domenik Naue mit "Last Portrait".

Zur Begründung: "Die Mischung aus sanfter Bewegung, tiefer Verbundenheit und liebevoller Ruhe zur eigenen Familiengeschichte hat uns bewegt und in ihr konnten wir uns wiederfinden. Für uns denkt Last Portrait Theater neu, es gibt dem Publikum Zeit, sich auf das zu Sehnende einzulassen. Es entwickelt einen Raum, der sowohl ein Ort der Erinnerung als auch der neuen Ideen ist. Es ist vulnerabel und baut eine Vertrautheit auf. Wir fordern diese radikale Zärtlichkeit, die wir in diesem Stück sehen. Uns ist bewusst, dass dies eine privilegierte Sicht auf die Dinge ist – wir sind weiß und aus Deutschland. Und doch fordern wir Hoffnung ein – für eine ganze Generation. Wir wollen keinen Krieg, wir wollen Menschlichkeit – darum lasst sie uns gemeinsam leben, auch hier im Theater."

Gewinnerin des Publikumspreises ist die slowenische Regisseurin Živa Bizovičar mit ihrer Inszenierung "Boško & Admira".

(Staatsschauspiel Dresden / sd)

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