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Sprecherzieher Peter Bärtsch gestorben

4. Juli 2024. Überraschend ist der Schauspieler und Sprecherzieher Peter-Georg Bärtsch verstorben. Das teilte das Schauspiel Stuttgart mit.

Nach seiner Schauspielausbildung in Zürich war der 1946 in Chur geborene Peter-Georg Bärtsch sieben Jahre als Schauspieler in Deutschland und der Schweiz tätig. Anschließend absolvierte er ein Studium der Sprecherziehung in Stuttgart und übernahm Professuren für Sprechen in Stuttgart und an der Folkwang Universität der Künste. Ab 2010 war er Dozent an der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg.

Bärtsch gab international Meisterkurse und arbeitete als Sprachcoach an zahlreichen Theatern, unter anderem in Basel, Zürich, an den Münchner Kammerspielen, in Hamburg, Düsseldorf, Bochum, Mannheim und am Schauspiel Stuttgart.

Vergangene Woche ist er überraschend gestorben.

(Schauspiel Stuttgart / eph)

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Peter Bärtsch: Rest in Peace
Rest in Peace Bärtsch! Für immer im Herzen!
Peter Bärtsch: Adieu Peter!
Peter Bärtsch war eine außergewöhnliche, eine starke Persönlichkeit. Er hatte einen ebenso scharfen Blick wie eine scharfe Zunge. Er war präzise und bisweilen unbarmherzig, aber hatte Humor, und das machte die oft anstrengende (weil tiefgehende) Arbeit mit ihm jederzeit zum Vergnügen. Sprecherzieher wie ihn, die wissen, was im Kern das Schauspielen ausmacht, gibt es nur selten. Ich traf ihn immer wieder einmal im Zug, wenn er von Bochum nach Wien oder von München nach Hamburg unterwegs war - oder in der Pause im Foyer eines Theaters, dann plauderten wir und lachten viel. Er wird fehlen, da bin ich sicher.
Peter Bärtsch: Was ich gelernt habe
Er besaß eine bemerkenswert warmherzige und humorvolle Art, die zwar nie wirklich beleidigend war, aber gelegentlich doch einen Hauch von Schärfe aufweisen konnte.

Peter Bärtsch hat mir viel beigebracht, und ich werde versuchen, hier einige Dinge zu beschreiben:
• Im Deutschen trägt meist nur ein Wort im Satz die Betonung. Mit einem kleinen Trick lässt sich dies umgehen: Man betont das vorletzte Wort, macht eine kleine Pause und spricht dann das letzte Wort.

• Mit Sprache kann man "Größe" ausdrücken. Ein einfaches "Hallo" kann, gesprochen zu einer kleinen Maus, kürzer und etwas höher klingen, während es zu einem Riesen länger, gedehnter und tiefer klingt.

• Richtungen und Orte sind essenziell für das Verständnis von Texten. Es geht um ein virtuelles Koordinatensystem: Wo ist die im Text genannte Königin? Wo befindet sich die Stadt? Wo das Tor? Wo der verhasste Bruder? Hat man dieses Koordinatensystem einmal festgelegt, lässt sich der Text in diese Richtungen im Raum andeuten und dadurch besser verstehen. Die Punkte müssen jedoch logisch dort bleiben, wo man sie festgelegt hat.

• Richtungsänderungen im Text können durch kleine Zeichen im Text mit Bleistift markiert werden. Eine Richtungsänderung ist bei einem "oder" oder manchmal bei einem Komma sehr nützlich und erleichtert ebenfalls das Verständnis.

• Spannung kann über mehrere Sätze hinweg aufgebaut oder schon nach einigen Worten gelöst werden. Die Beherrschung der Spannung ist essenziell für das Verständnis.

• Mehrere Worte können im Text zusammen gedacht werden und einen zusammengesetzten Begriff bilden.
Peter Bärtsch: Danke Peter!
Das ist traurig! Was habe ich gelacht in seinen Unterrichten! Und mich geschämt, weil er den Nagel oft so ehrlich auf den Kopf getroffen hatte. Er konnte hören wie kaum ein anderer, war leicht und streng, manchmal böse. Und wenn er böse war, war er am lustigsten. Das wusste er. Und er war gerne lustig. Im Unterricht haben hat er mir oft die behämmersten Schimpfwörter als Sprech-Etuden zugerufen: "Schablettenschauspieler!" "Chaaaaargen-Wurst!" - "Intendanden-Klo"-" -oder ganz schlicht: "Du Aaaaaaaaaarsch!" - "Nee, das musste anders machen, eher so du Aaaaaaaaaaaaaarsch! Das steckt noch zu sehr hinten im Rachen bei dir!..." Was habe ich mich oft schlappgelacht dabei!!! Ich will mir gar nicht ausmahlen, wie man seinen Unterricht ohne Humor hätte erleben müssen. Man war zum Humor gezwungen, ohne wäre man verloren gewesen. Und das war wundervoll. Man bekam Abstand. Zu sich selber. Und das ist wahnsinnig gesund in unserem Metier. Und bei ihm habe ich am meisten über das Sprechen und meine Stimme gelernt. Richtungswechsel, Dick- und Doof, waaaas?-Zäsuren etc.: Ich nutze das alles heute ständig noch. Peter hat oft über banalen Tratsch im Unterricht diskutiert und ist dann plötzlich, wie aus dem Nichts in eine Summ-Etude eingestiegen, dann hast du plötzlich gesummt. Und wenn das Summen gut war, hat er wieder geplaudert. Und dann wieder gesummt. Und dann wieder geplaudert. Ein ständiger Wechsel von banalem, entspanntem Plaudern und präziser Sprechtechnik, bis irgendwann beides zu verschmelzen begann. Peter war ein genialer Pädagoge! Er hatte seinen eigenen Weg. Ob er jemals auch jemanden in die Nähe seines Herzens gelassen hat, habe ich mich manchmal gefragt. Aber nie ihn selber. Hab ich mich nicht getraut. Ich ahne, dass er ein großes hatte. Danke Peter!
Peter Bärtsch: Großes Herz
Peter Georg Bärtsch
Wuchs als Bauernsohn in Seewis im Prättigau Kanton Graubünden auf . Er ist mein Onkel und ich hatte sehr viel auf Ihm . Schade Lieber Onkel dass Wir uns diesen Sommer in Essen nicht mehr besuchen können . Du hattest ein grosses Herz . Es war immer so spannend mit Ihm zu Diskutieren . Lieber Onkel Peter Ruhe in Frieden . Du hinder lässt ein grosses Loch
Peter Bärtsch: Vor allem das Hören
Bärtsch, mein Grosser. Ich habe in Dir einen wunderbaren Freund und Begleiter gefunden. Wunderbar leidenschaftlich haben wir miteinander geschimpft am Telefon, über die Herausforderungen der Zeit, über Andere und am liebsten über uns gegenseitig. Du hast mir viel beigebracht, vor allem das Hören. "Sprechen hast Du nie gelernt." Bärtsch Zitat Ende :-))) ... Ich werde dich sehr vermissen. Hab Dank. Deine "indische Laufente"
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