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Theaterkritiker Hartmut Krug verstorben

Der Theaterkritiker Hartmut Krug (1946–2025) im Jahr 2022 © privat

2. April 2025. Der Berliner Theaterkritiker und Publizist Hartmut Krug ist gestorben. Das hat seine Familie nachtkritik.de mitgeteilt, wo er lange ein geschätzter Autor war.

1946 in Hamburg geboren, kam Hartmut Krug in den 1960er Jahren ins studentenbewegte Westberlin, um an der Freien Universität Theaterwissenschaft, Germanistik und Kunstwissenschaft zu studieren. Hier wirkte er bald in einem Studententheater mit, das sich mit revolutionären Theaterformaten der 1920er Jahre wie dem Proletkult auseinandersetzte. Von 1981 bis 1995 war Krug dann als Lehrbeauftragter am Institut für Theaterwissenschaften der FU tätig.

Schon früh kam Hartmut Krug als Kritiker zum Radio, das zeitlebens sein wichtigster Publikationsort blieb. Darüber hinaus schrieb er für Tageszeitungen und Fachzeitschriften und war viele Jahre auch als Kritiker für nachtkritik.de unterwegs.

Ein besonderes Anliegen war Krug stets, das Theaterschaffen in der DDR, wohin er familiäre Bindungen hatte, sichtbar zu machen. Auch nach der Wende blieb die ostdeutsche Theaterlandschaft ein wichtiger Schwerpunkt seines journalistischen Interesses. Von 2005 bis 2008 gehörte er der Jury des Berliner Theatertreffens an. Seine letzte Nachtkritik erschien im Oktober 2019.

Nach langer Krankheit ist Hartmut Krug, wie erst jetzt bekannt wurde, am 19. Februar 2025 in Berlin gestorben.

(sle)

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Kommentare  
Hartmut Krug: Stimme im Radio
Oh, seine Stimme im DLF und seine Kritiken haben uns so viele Jahre begleitet. Ihm habe ich gerne zugehört. Radiokritik ist ja eine eigene Kategorie und nicht viele beherrschten sie so gut. (Auch) Deshalb fehlte seine Stimme seit einiger Zeit. Ein Verlust.
Hartmut Krug: Ein ganz feiner Beobachter
Diese Nachricht ist sehr traurig. Einer wie Hartmut Krug fehlt. Er war ein feiner Beobachter, der sich immer mit großer Neugier auf die Inszenierungen eingelassen hat, ohne dabei seinen klaren Blick und seine Haltung zu verlieren. Seine Kritiken waren klug und gänzlich frei von Arroganz. Gespräche mit ihm waren eine große Bereicherung. Leider haben wir uns schon lange nicht mehr gesehen. Jetzt weiß ich auch warum. Er wird sicherlich vielen als einer der besten seiner Zunft in Erinnerung bleiben. Machen Sie es gut, lieber Hartmut Krug.
Hartmut Krug: Der Nicht-Auftrumpfende
Für meine Begriffe einer der ganz Großen der Zunft ! Ernst, engagiert, sachlich, still und bescheiden, im
Grunde schlichtweg ein Vorbild !!
Desletzt erinnerten wir uns an das Wirken der TdZ: die Monatsschriften und die Schwerpunktbücher; auch hierbei darf der Name Hartmut Krug nicht fehlen: "Alle erwarten sich ein Fest" heißt zum Beispiel das
TdZ-Schwerpunktbuch zum "Lausitzer Theaterwunder" (Hartmut Krug) an der Neuen Bühne Senftenberg,
ein Buch über die 10 Glückauf-Feste in der Intendanz Sewan Latchinians. Aber auch, wenn das Theater 89
"Die letzten Tage der SED" inszenierte, Hartmut Krug war zugegen, ob im Radio oder im Print. Dafür herzlichen Dank an den Nicht-Auftrumpfenden und GLÜCKAUF !!!
Hartmut Krug: In der ostdeutschen Fläche
Ein echter Theaterliebhaber, ein treuer Schauspielerfreund, eine wahrhafte und wahrhaftige Instanz.
Und so reisemutig, trotz schlechter Zuganbindungen und maroder Landstraßen und mieser Hotels.
Für ungezählte kleine Theater - besonders in der ostdeutschen Fläche - war er die größte Stimme, in dreifachem Sinne.
Danke!
Hartmut Krug: Ein Verbündeter
Hartmut Krug kam immer als ein Verbündeter, nie als Feind. Ich kannte ihn seit den 90er Jahren, und er hat unsere Arbeit am Schauspielhaus Leipzig, besonders die Inszenierungen von Konstanze Lauterbach, kontinuierlich verfolgt. Mit einem tiefgreifenden Interesse und einer großen Neugier für die Transformationen im Osten und deren Niederschlag auf der Bühne. Seine Kritiken entstanden aus der Fragestellung: Was war gewollt? Was hat sich erzählt, was eher nicht? Und was erzählt es über den Zustand dieser Gesellschaft?
Nie hätte man sich bei ihm die Attitüde der genüsslichen Vernichtung, der pointenkrachenden Machtgeste vorstellen können, die zu jener Zeit durchaus gang und gebe in seinem Gewerbe war. Wir haben uns gefreut, wenn Hartmut Krug auf der Presseliste stand, und wir waren gespannt darauf, wie er es fand. Man konnte lernen aus seinen Kritiken. Danke für alles, Hartmut Krug!
Hartmut Krug: Literarischer Zeitzeuge
Seine Radiostimme, die offene Art im Gespräch, das miteinander im Interview nahm auch mich für ihn ein, der 2009 anlässlich der UA meines Theatermonologs Fanny B. wissend in der Ostwestsache wie in der Literatur per Funk und Script lebendig vom Greifswald/Stralsunder Theatererlebnis erzählte. Du wirst fehlen, danke lieber H.K.
Hartmut Krug: Landauf, landab
So gut wie immer, wenn ich eine Premiere einer kleineren Bühne besuchte (zu selten), in Senftenberg oder Zittau oder anderswo, war Hartmut Krug auch da. Fast wie bei Hase und Igel, landauf, landab. Dass ein Kritiker das auf sich nimmt und jede dieser Inszenierungen mit derselben Ernsthaftigkeit betrachtet wie die Arbeiten der "Großen", dass er die Häuser und die Ensembles kennt, das gab es nicht oft und gibt es so gut wie nicht mehr. Nicht nur darin war er Vorbild. Mit ihm über das Theater zu sprechen, oder ihn als Experten zu interviewen, war immer sehr bereichernd. Danke!
Hartmut Krug: Wegbegleiter des GRIPS
Was für traurige Nachricht! Hartmut Krug war dem GRIPS Theater ein langjähriger Freund und Weggefährte, manchmal streng mit uns, aber immer voller Humor und Respekt unserer Arbeit gegenüber. Es war so ein Fest mit ihm über Theater und Kultur zu diskutieren, zu schwadronieren und steile Thesen aufzustellen, und dabei auch noch Tränen zu lachen über so manche miese Pointe. Und dass ausgerechnet beim Kinder- und Jugendtheater, für das nicht jede*r seiner Kollegen und Kolleginnen Wissen und Interesse aufbringen konnte, für Hartmut gab es da keinen Unterschied, Hauptsache man hatte wirklich was zu erzählen.
Wegen seiner Erkrankung hat uns Hartmut uns als Wegbegleiter schon gefehlt. Jetzt wird er ewig fehlen. Und das ist sehr traurig. Wir sind im Geiste sehr bei seiner Familie.
Hartmut Krug: Feiner Beobachter
Das war ein so wunderbar authentischer Mensch und ein Theaterkritiker von wirklich großem Format- mit echter Liebe zum Theater und zu den Schauspielern! Ihm ging es nicht um "schick" oder ums Auffallen - ihm ging es um Realität - und um die Menschen in ihrer realen Umwelt. Der Kritiker als feiner Beobachter - wo gibt es das noch? Er wird sehr sehr fehlen!! Er war überall, wo was passierte - ich habe ihn bewundert von ganzem Herzen! Fliegen Sie in den Theaterhimmel lieber Hartmut Krug - ohne Sie wird es ärmer! Ihre BB
Hartmut Krug: Kritik und Beistand
Wenn man so oft laut sein muss, schätzt man die Stillen, die Klugen, die Unaufgeregten: Hartmut Krug kam in die Provinz, damals als wir in Nordhausen 1994 Bronnen und Brecht oder Kane spielten, als wir anfingen mit neuen Erzählweisen, da war seine Stimme, sein Ton eben beides: Kritik und Beistand zugleich. Wir waren froh, wenn die "Presse-Abteilung" mitteilte, Krug käme vorbei. Er schätzte die Handschrift, der alten grossen DDR Regisseure wie Horst Hawemann und die Versuche einer sich ausprobierenden Ursula Karruseit und er verlieh der Kritik eine andere menschliche Stimme, als die Goldberg-Stimme, die wir gewohnt waren: Kritik kann scharf und liebevoll sein, ein Mittel gegen den Post-Stalinismus, alter DDR-Staats-Journalisten.
Danke, Herr Krug, wir waren per Sie, so soll es bleiben. im Himmel und auf Erden, danke.
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