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Polen arbeitet an Wiedereinführung der Theaterzensur
Ein Vierteljahrhundert Demokratie ist mehr als genug!
16. Dezember 2015. Die Zerstörung der polnischen Demokratie unter der Herrschaft der mit absoluter Mehrheit regierenden Partei Recht und Gerechtigkeit (Prawo i Sprawiedliwość - PiS) schreitet fort. Seit Kurzem müssten "die Intendanten der staatlichen Theater die Proben ihrer Stücke auf Video mitschneiden und die Aufnahmen an das Kultusministerium schicken. Gefällt das Stück dem Ministerium nicht, wird es nicht aufgeführt", scheibt der polnische Journalist Michał Kokot auf Zeit Online (10/15.12.2015). Ganz korrekt ist der Vorgang damit allerdings nicht wiedergegeben, wie nachtkritik.de-Recherchen ergaben.
Ein Vierteljahrhundert Demokratie ist mehr als genug!
16. Dezember 2015. Die Zerstörung der polnischen Demokratie unter der Herrschaft der mit absoluter Mehrheit regierenden Partei Recht und Gerechtigkeit (Prawo i Sprawiedliwość - PiS) schreitet fort. Seit Kurzem müssten "die Intendanten der staatlichen Theater die Proben ihrer Stücke auf Video mitschneiden und die Aufnahmen an das Kultusministerium schicken. Gefällt das Stück dem Ministerium nicht, wird es nicht aufgeführt", scheibt der polnische Journalist Michał Kokot auf Zeit Online (10/15.12.2015). Ganz korrekt ist der Vorgang damit allerdings nicht wiedergegeben, wie nachtkritik.de-Recherchen ergaben.
Diese Veränderungen im Kulturbereich, die in Polen mit der Zeit des Kommunismus assoziiert werden würden, sind bisher noch nicht als allgemeines Disziplinierungsinstrument angewandt worden. Bisher hat das Kulturministerium erst einen Theaterkritiker (!) in das von Jan Klata geleitete Stary Teatr in Krakau entsandt, der dort sämtliche Inszenierungen der Ära Klata auf ihre ästhetischen Standards und Errungenschaften prüfen soll. Eine Arbeit, die bei 40 Inszenierungen etwa drei non stop durchgesessene Tage erfordern würde. Bei dieser "Evaluierung" geht es unübersehbar darum, Handhabe zu finden, um den bei der regierenden Partei verhassten Jan Klata aus dem Amt zu drängen.
Erst im November hatte Vize-Regierungschef und Kulturminister Piotr Glinski versucht, die Aufführung des Theaterstücks "Der Tod und das Mädchen" von Elfriede Jelinek in Breslau wegen angeblich pornografischer Szenen verbieten zu lassen. Die Aufführung fand dennoch statt, Theaterchef Krzysztof Mieszkowsk warf Glinski Zensur vor und forderte ihn zum Rücktritt auf. Der drohte unverhohlen zurück, die staatlichen Subventionen, von denen die Theater abhängig sind, würden demnächst anders verteilt als bisher.
(Zeit Online / jnm)
Mehr dazu:
Theaterbrief aus Polen (10) vom 18.12.2013: Jan Klata, Intendant des Krakauer Stary Teatr, wird vom ultrakonservativen Lager unter Druck gesetzt
Theaterbrief aus Polen (11) vom 30.5.2014: Michał Zadaras Inszenierung von Schillers "Die Räuber" in Warschau steht beispielhaft für ein neues politisches Theater
Theaterbrief aus Polen (12) vom 17.12.2014: Beim 7. Internationalen Theaterfestival "Boska Comedia" in Krakau ragt Regisseur Krystian Lupa heraus
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