Ein Sportstück - Hermann Schmidt-Rahmer arbeitet in Nürnberg an seinem Ruf als Jelinek-Spezialist

Tiefe finden nur die Taucher

von Dieter Stoll

Nürnberg, 28. Oktober 2012. Vom deutschen "Sommermärchen" war noch keine Rede, als Elfriede Jelinek ihre kämpferischen Anmerkungen zur professionellen "Leibesertüchtigung" formulierte, aber Lance Armstrong strampelte grade rezeptfrei seinem Helden-Image entgegen. Naja, Leistungsdruck gab es schon reichlich, Doping auch, doch die öffentliche Meinung wollte den Spaß nicht relativiert sehen und einigte sich auf den entspannenden Begriff "Einzelfälle". So gesehen wirkte "Ein Sportstück" bei der Uraufführung am Wiener Burgtheater eher wie eine spektakuläre Wortgewalttat aus der Abseitsstellung, von Marschtritt-Regisseur Einar Schleef mit knapp 150 Personen in Aktion zum Textflächenbrand hochgezündelt, während es heute beim Lesen vor der Aufführung eher wie ein Nachtreten aussieht.

Tschick - Am Gostner Hoftheater Nürnberg auf die Reise geschickt von Thomas Stang

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Von wegen Kunsttransport

von Dieter Stoll

Nürnberg, 21. Juni 2012. In Bayern beginnen die Sommerferien traditionell erst Ende Juli, also kommt dieser angenehm unkorrekte Trip von zwei Vierzehnjährigen mit dem geklauten Auto ins erreichbar platzierte Abenteuer nun am Gostner Hoftheater in Nürnberg wie ein zwinkernder Wink mit dem Zaunpfahl – und auf alle Fälle wie gerufen. Wolfgang Herrndorfs Roman "Tschick", durch "Jugendbuch"-Belobigungen zunächst mal etwas seitlich in die Zielgruppen-Ecke geschoben, thront inzwischen auf zentralem Bestseller-Platz in der aktuellen Literatur-Szene und hat die Herzen der Erwachsenen erobert. Zumindest solange deren Sprösslinge die Anarchie der Freiheit, die da auf denkbar amüsante Weise proklamiert wird, nicht gleich für die eigene Realität einfordern. Aber das konnte die Eltern-Generation, die der Premiere im wichtigsten Alternativtheater Frankens nach 90 Minuten so lange zujubelte, ganz entspannt sehen – für den wahren Alltag darf es ein bisschen weniger sein als in der regelfreien Phantasie.

Immer noch Sturm - Stefan Otteni beschert Nürnberg nicht nur eine Handke-Inszenierung, sondern die beste Aufführung der laufenden Saison

altDas schöne Phantom Gemeinschaft

von Dieter Stoll

Nürnberg, 13. April 2012. Von einer Nürnberger Tradition im Umgang mit Peter Handke wird nun wirklich niemand sprechen wollen. Aber typisch für die furchtsame Haltung der "Provinz" gegenüber dem spröden Poeten ist die Mini-History der lokalen Spielplan-Politik allemal. 1994 wurde auch hier die dialog- und provokationsfreie "Stunde, da wir nichts voneinander wussten" nachgespielt, nicht ohne dass der damalige Spartenchef versicherte, wie gerne er die anspruchsvolleren Stücke ansetzen würde – wenn er das seinen Abonnenten nur zumuten könnte.

Nürnberg - 13. Mai 2011
Nürnberg - 29. April 2011
Nürnberg - 26. Februar 2011
Nürnberg - 30. Dezember 2010
Nürnberg - 13. November 2010
Nürnberg - 31. Oktober 2010
Nürnberg - 23. Oktober 2010
Nürnberg - 20. Februar 2010
Nürnberg - 11. Dezember 2009
Nürnberg - 24. Oktober 2009
Nürnberg - 20. Juni 2009
Nürnberg - 01. März 2009
Nürnberg - 08. Februar 2009
Nürnberg - 23. Januar 2009
Nürnberg - 28. November 2008
Nürnberg - 24. Oktober 2008
Nürnberg - 11. Oktober 2008
Nürnberg - 02. Juli 2008
Nürnberg - 26. April 2008

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