Stoning Mary - Marias Steinigung - Debbie Tucker Greens afrikanische Tragödie kann genauso auch in Würzburg spielen
Zumutungen eines eingeschlafenen Gottes
von Barbara Bogen
Würzburg, 17. März 2012. Selten hat man so eine Sprache auf dem Theater erlebt, so ein Staccato, brüchig, heftig, hastig wie ein Massaker oder Schnellfeuergewehre, jede Silbe wie der köpfende Schlag einer Machete, eine Sprache, so aggressiv, so verstümmelt und gewaltig, weil sie einer Ohnmacht entspringt, einer Leere, die nicht fertig wird mit den unverschämten Zumutungen eines Gottes, der längst, wie es im Stück heißt, "vor den Menschen eingeschlafen" ist, weil man nicht zu Rande kommt mit den ungeheuerlichen Bedingungen des Seins, die Seuchen wie Aids im Programm haben, Steinigungen und Kids, die auf Knopfdruck zu blindwütigen Tötungsmaschinen mutieren auf einem Kontinent, der zufällig Afrika heißt, Verhältnisse, die aber auch in Europa oder anderswo vorstellbar wäre, vorstellbar immerhin.