von Michael Bartsch
Dresden, 1. Dezember 2018.
Verblüfft betritt man zum Finale des Festivals "Polski Transfer" den großen Saal des Festspielhauses Hellerau. Von der kargen Schönheit dieses viel gepriesenen Raumes, von der rhythmischen Kubatur ist nichts mehr zu entdecken. Wo in den beiden Jahren kurz vor dem 1. Weltkrieg der Bühnenpionier Adolphe Appia die Trennung zwischen Publikum und Akteuren verwischte, beginnt unmittelbar vor den Zuschauern nun eine Guckkastenbühne. Eine rot leuchtende Begrenzungslinie, die Linie der Freiheit, betont diesen Rahmen auch noch. Statt des sonst zu Abstraktion und Reduktion einladenden Saales bestimmen Kulissen eines schäbigen Flurs die Szene, Flure der Pension, in der sich Josef K. in Franz Kafkas "Der Prozess" eingemietet hat.