Theaterpodcast (74) – Kulturkürzungen
Planlos mit dem Rasenmäher
20. November 2024. Sparen, kürzen, weg damit: Nachdem der Bund im Sommer die Gelder für Kulturfonds gekürzt und für Produktionshäuser ganz gestrichen hat, ziehen die Kommunen nach. In Berlin, München oder Köln. Was bedeutet das? Ein Gespräch mit Heinrich Horwitz und Carena Schlewitt.
Von Susanne Burkhardt und Elena Philipp
Frontalattacke gegen die Kultur © ChatGPT Dall E 3
20. November 2024. In Berlin haben sie nun doch den Rasenmäher angeworfen. Die Hauptstadt muss sparen und den Kultureinrichtungen fehlen ab Januar 2025 im Schnitt 10 Prozent in ihren Etats. Die Kampagnen und Demonstrationen der Theaterszene haben nichts bewirkt, der Kultursenator hat wohl nicht genug für sein Ressort gekämpft.
Auch aus München werden Kürzungspläne bekannt, die ganze Theater in die Insolvenz treiben könnten. In Köln steht das Impulse Festival vor dem Aus.
Heinrich Horwitz, Regisseur*in, Choreograf*in und Schauspieler*in, aktivistisch für die Freie Szene engagiert, und Carena Schlewitt, die Leiterin des Europäischen Zentrums der Künste in Hellerau, sprechen über die Einschnitte und die Folgen für die Künstler*innen.
In Kooperation mit Deutschlandfunk Kultur.
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Ich bin gespannt, wie sich die Berliner Theater in den Spielzeiten 25/26 und 26/27 präsentieren.
Jetzt mal Scherz beiseite. Das kann man vielleicht in Berlin versuchen - und selbst da verstärkt man vermutlich damit nur die Frage, warum man zwei dutzend verschiedene Häuser braucht, die alle erzwungermaßen die selbe Minimal-Ästhetik bedienen. Eine Bühne kann nur auf eine ziemlich begrenzte Anzahl von Arten leer sein, bevor einem die Ideen ausgehen.
Außerhalb der Metropole verdirbt man es sich ja jetzt schon mit bewusst gesetztem Minimalismus. Wir haben ein gewaltiges Problem, überhaupt noch irgendwen fürs Theater zu gewinnen, und wenn man anschaut, was denn überhaupt noch funktioniert, ist das nicht "die reine Schauspielkunst".
Wenn man also nur noch den eigenen Niedergang verwalten will bis zur völligen Irrelevanz, ja, dann lasst es doch gerne nochmal mit "Konzentration aufs Kerngebiet" versuchen. Einfach immer weiter reduzieren, bis man irgendwann ganz weg ist, ganz leise, der letzte macht das Licht im leeren Raum aus, damit sich auf dem Weg auch bloß keiner davon gestört fühlt.
Da liegt jetzt die Chance.
Um ein bisschen mehr zu polarisieren: was könnten wir für tolle Theaterkunst sehen, wenn das Geld, das heute vor allem in den Apparat Theater und Oper geht, in die freie Szene ginge!
Das kann man verlangen, sollte dann aber auch zu stehen.
Und hoffentlich einen besseren Plan haben als drauf zu hoffen, dass ein Haufen Freie durch ihre fortwährende Selbstausbeutung den Job billiger machen können als ihre festangestellten Kolleg_innen, die sich selbst schon am Rande des Prekariats bewegen. Ich jedenfalls bezweifle ernsthaft, dass die Freie Szene so schöne Dinge macht WEIL sie nicht das bisschen finanzielle Stabiltät hat, das eine Festanstellung bietet; sondern eher nichtsdestotrotz. Über diese Absicherung wäre wohl jede_r Freie sehr dankbar.
Billig, sozial, gut - suchen Sie sich zwei aus.
Und weil dieser Apparat vorhanden ist und daher auch benutzt werden muss, entsteht dafür Arbeit, man hätte ja sonst für Minimalbühnenbilder viel zu viele Leute... Also machen wir groß und aufwändig, und brauchen dafür dann auch die Headliner, die teuren Regisseure und Sänger:innen.
Das Geld wurde in den letzten Jahren beim Bühnenbild und den Budgets der kleinen Spielstätten eingespart, bei den freien Künstler:innen und Gästen.
Das geht jetzt nicht mehr.
Bitte nicht missverstehen, mir gefällt die Gesamtlage nicht. Ich denke nur, dass man dann jetzt bitte an die Strukturveränderungen ran muss, z.B. an den Repertoirebetrieb. Dass jetzt die Theaterleitungen ihre Managementqualitäten zeigen dürfen, und nicht immer nur die harten Entscheidungen da hin schieben, wo ihnen wenig Widerstand entgegen gesetzt wurde.