Presseschau vom 3. November 2016 – Die SZ berichtet, dass die Schauspielerin Brigitte Hobmeier ihren Vertrag mit den Münchner Kammerspielen kündigt

Auf der Ersatzbank

Auf der Ersatzbank

3. November 2016. Nach der jüngsten Absage von "Unterwerfung", schon wieder schlechte Nachrichten für die Münchner Kammerspiele: Die Schauspielerin Brigitte Hobmeier kündigt ihren Vertrag mit dem Haus, und zwar weil sie sich angesichts des Spieplans "wie auf dem Abstellgleis" fühle, berichtet Christine Dössel in der Süddeutschen Zeitung (3.11.2016).

Auf der Ersatzbank

3. November 2016. Nach der jüngsten Absage von "Unterwerfung", schon wieder schlechte Nachrichten für die Münchner Kammerspiele: Die Schauspielerin Brigitte Hobmeier kündigt ihren Vertrag mit dem Haus, und zwar weil sie sich angesichts des Spieplans "wie auf dem Abstellgleis" fühle, berichtet Christine Dössel in der Süddeutschen Zeitung (3.11.2016).

Hobmeier werde Ende der Spielzeit aus dem Ensemble ausscheiden. "Der Grund für ihren Weggang sei kein Zerwürfnis mit dem neuen Intendanten Matthias Lilienthal. Sie wolle auch keine Grundsatzkritik üben an dessen Kurs hin zu Performances und theatralen Hybrid-Formen." Sie gehe diesen Schritt "schweren Herzens", zitiert Christine Dössel die Schauspielerin, schließlich empfinde sie das Haus, dem sie seit 2005 angehört, als ihre "künstlerische Heimat". Zuletzt habe sie sich jedoch immer heimatloser gefühlt: "Die können mit mir nichts anfangen (...)."

"Das, was gemeinhin als 'Schauspielkunst' gefeiert wird, ist an den Münchner Kammerspielen ja längst keine Qualität an sich mehr und psychologisches Identifikationstheater eher verpönt", kommentiert Dössel kritisch. Das postdramatische Diskurs- und Performancetheater, wie Lilienthal es zu etablieren versuche, verlange nicht mehr den klassischen Schauspieler, der gut sprechen könne und "eins-a-wandlungsfähig ist", sondern den Performer.

Ein Skandal eigentlich

Selbstverständlich müsse ein neuer Intendant auch "Setzungen" machen, die "nicht immer schmerzfrei sind", so Dössel. "Nur verweist der Fall Hobmeier auf ein grundsätzliches Problem einer Theaterorientierung à la Lilienthal: das Null-Interesse und fehlende Sensorium für die Schauspielerei als Kunst. Diese Geringschätzung des Schauspielers an sich. Welch ein Skandal eigentlich!" Im Fazit fragt Dössel kritisch, "wohin dieses Haus strebt". Eine "Könnerin" wie Hobemeier, die der Kritikerin durchaus "performancefähig" erscheint, gehen zu lassen, sei wie? "Das ist, als ließe der FC Bayern Robert Lewandowski auf der Ersatzbank hocken. Die Champions League gewinnt man so nicht."

(sik / chr)

Kommentare

Kommentare  
#1 Presseschau Hobmeier: Fußballvergleich-NiveauChristoph 2016-11-03 13:40
Oh je, Fußballvergleiche... Frau Dössel begibt sich für meinen Geschmack in letzter Zeit zu häufig auf Boulevardjournalismusniveau, um gegen die großen Münchener Häuser zu polemisieren... zuletzt etwa durch die Ausbreitung ihrer Privatbefindlichkeiten nach dem Premierenfeierrausschmiss durch Kušej... nun ja, sie muss vermutlich auch auf ihre Klickzahlen kommen.
#2 Presseschau Hobmeier: mutig und konsequentHans Zisch 2016-11-03 14:08
Ich schätze sie als Schauspielerin. Dass sie öffentlich formuliert, wie sie die Verschiebungen eines Spielplans betrifft, ist mutig und konsequent.

Frau Dössels Analyse stimme ich im Wesentlichen zu. Letzlich verweist der Fall auf das Doch-andere-Leute-brauchen, wenn ein Haus von einem Sprechtheater hin zu einem Performance-Haus umgebaut wird. Das muss man ja nicht schlecht finden, aber man kann anerkennen, dass es eben doch einen Unterschied zwischen beiden Polen gibt.

Mal sehen, was das Publikum und das restliche Ensemble dazu sagt.
#3 Presseschau Hobmeier: Mal abwarten..Münchnerin 2016-11-03 19:24
Bemerkenswerte Offenheit. Andererseits konnte das Münchner Publikum hier ja quasi öffentlich miterleben, wie Herr Lilienthal Frau Hobmeiers Qualitäten offensichtlich ignorierte und offenbar nur auf ihre Kündigung hinarbeitete.

Wieso er bei Antritt nicht den Mut aufbrachte ihr offen zu sagen, dass in seinem Theater für eine Schauspielerin ihres Kalibers kein Platz mehr ist, wird wie vieles sein Geheimnis bleiben.

Mal abwarten, ob sie die einzige Abwanderin der alten Schauspielgarde bleiben wird. Ich finde es einfach total schade und bedauerlich.
#4 Presseschau Hobmeier: Zurück nach Berlin!therese 2016-11-03 21:55
Alle regen sich über Dercon/Volksbühne auf. Das haben wir in München längstens seit Derconfreund Lilienthal.
Endlich -aber unendlich traurig- zieht ein Theaterstar die Notbremse.
Wer wird folgen ?
Lilienthal zurück nach Berlin fände ich dufte
#5 Presseschau Hobmeier: Meine Güte.Georg 2016-11-03 23:08
Das Zitat von Frau Dössel geht so weiter (nach 1a-wandlungsfähig): "...den Performer: den möglichst jungen, möglichst "authentischen" Ich-Darsteller mit Street Credibility und Spezialtypenqualität, am besten mit einem interessanten Migrationshintergrund und Idiom.Da macht es auch nichts, wenn einer lispelt."
Bin ich allein mit der Meinung, dass das despektierlich ist?
Hat das noch irgendetwas mit der Beurteilung von Schauspielerei zu tun?
#6 Presseschau Hobmeier: wirklich schadeAndere 2016-11-04 09:11
Auch andere ziehen davon, wie die hochbegabte Anna Drechsler zum Beispiel. Wirklich schade, dass die Schauspielkunst an den Münchner Kammerspielen durch Herrn Lilienthal an die Wand gehängt wird und so eine massive Abwertung erfährt. Beziehungsweise die Münchner Kulturpoltik!!! Die hätte wirklich wissen m ü s s e n, für was Lilienthal steht. Also ist es von der Stadt gewollt, gar gewünscht??
#7 Presseschau Hobmeier: peinlich!Ancelotti 2016-11-04 09:17
Ist das peinlich! Frau Hobmeier bewirbt sich über die SZ für ein neues Engagement ( wird schon was finden...) und beklagt sich im Chor mit Frau Dössel über lispelnde Kollegen mit Migrationshintergrund , die sie ja sowieso fulminant an die Wand spielen kann , wenn man sie nur öfters lassen würde.
Ja , der Fussball , Frau Dössel , der hat mit Theater leider überhaupt nichts zu tun , auch wenn sich die Kunst so gerne sportlich geben möchte .
#8 Presseschau Hobmeier: Adieu!Mattze 2016-11-04 10:53
„Er (Lilienthal) schätze sie (Hobmeier) sehr und gibt zu, dass man den Vorwurf, das Haus sei ihr nicht genug entgegengekommen, zu Recht erheben könne. Ob dies bei ihm ein Nachdenken über eine Kurskorrektur auslöse? „Ja klar, aber wir haben uns vorgenommen, die Grundausrichtung drei Spielzeiten auszuprobieren, danach erfolgt die Bestandsaufnahme.“ Mit wem, darauf darf man gespannt sein.“
Süddeutsche Zeitung, 04.11.16

Ich finde, das sagt alles. Da ist noch lange nicht das Ende dieses Trauerspiels erreicht. Adieu, geliebtes Sprechtheater, geliebte Schauspieler.
#9 Presseschau Hobmeier: despektierlichTucholskaya 2016-11-04 14:40
#5
"den Performer: den möglichst jungen, möglichst "authentischen" Ich-Darsteller mit Street Credibility und Spezialtypenqualität, am besten mit einem interessanten Migrationshintergrund und Idiom.Da macht es auch nichts, wenn einer lispelt."
Bin ich allein mit der Meinung, dass das despektierlich ist?
Hat das noch irgendetwas mit der Beurteilung von Schauspielerei zu tun?"

Wieso meinen Sie, dass man bei dem beschriebenen Phänomen von "Schauspielerei" sprechen kann?
#10 Presseschau Hobmeier: KongresszentrumTucholskaya 2016-11-04 14:48
#8

Wie wahr. Nach Ende der Lilienthal-Verbrannte-Erde-Ära lassen sich die Kammerspiele aber - nach Düsseldorfer Vorreiter-Modell - sicher noch als Kongresszentrum nutzen.
#11 Presseschau Hobmeier: VerachtungGeorg 2016-11-04 18:00
@Frau Tucholsky
Nehmen wir Gundars Abolins, nehmen wir Samouil Stoyanov, nehmen wir Hassan Akkouch, gestandene Schauspieler mit Migrationshintergrund, Dialekt und zartem Sprachfehler. Wie kann es sich eine lokale Kritikerin erlauben, diese derart zu disqualifizieren. Und jetzt auch noch Sie? Das ist keine Kritik, sonden pure Verachtung. Allein Abolins Theaterherkunft sollten Sie vielleicht nachlesen. Wenn jetzt klar wäre, dass der Gegenentwurf irgendeine Form hätte, könnte ich den Hass vielleicht verstehen. Aber so? Wie ist denn Ihre Alternative, nach der doch gefragt werden darf? Deutsches Theater den gesunden Deutschen? Frau Hobmeier und Frau Drexler als Kartoffelschälerinnen in Nachkriegsstücken? Es ekelt mich einfach ...
#12 Presseschau Hobmeier: Café oder BoutiqueFSJ 2016-11-04 18:36
@#10
Ich möchte widersprechen. Allein aufgrund seiner geringen Größe (KAMMERspiele!) scheint eine Nutzung als Kongreß- oder Messezentrum fragwürdig. I.ü. verfügt München mt dem Gasteig und dem ICM über ausreichende und hervorragende Kapazitäten. Der Raum und seine Lage legen eher eine Nutzung als Cafe oder Boutique nahe.
#13 Presseschau Hobmeier: Gorki konsequentergrrlll 2016-11-05 03:40
Lieber Georg! Vielleicht weil das Gorki das viel besser und konsequenter macht als Lilienthals Hybrid. Jemand muss das eben auch durchsetzen wollen und nicht sich eben so aneignen. Das produziert nur Missverständnisse auf allen Seiten.
#14 Presseschau Hobmeier: Instrumentarium überprüfenTucholskaya 2016-11-05 10:08
#11
" könnte ich den Hass vielleicht verstehen. Aber so? Wie ist denn Ihre Alternative, nach der doch gefragt werden darf? Deutsches Theater den gesunden Deutschen? Frau Hobmeier und Frau Drexler als Kartoffelschälerinnen in Nachkriegsstücken? Es ekelt mich einfach "

Wenn Ihnen pointierte Kritik an schauspieleischem Dilettantismus bereits als "Hass"erscheint, vor dem es Sie ekelt, und der Sie automatisch faschistisches Gedankengut unterstellen, sollten Sie vielleicht mal Ihr Begriffsinstrumentarium überprüfen.
#15 Presseschau Hobmeier: wirkt anbiederndChinesin 2016-11-05 10:29
Sie polemisiert doch gar nicht gegen diese Schauspieler mit Migrationshintergrund, sondern gegen die Tendenz einen Migrationshintergrund zum künstlerischen Gegenstand an sich zu erklären.Die hier aufgezählten Schauspieler sind doch erstmal sehr gute Schauspieler.Das politisch korrekte Mäntelchen das sich einige Theaterleiter momentan aus den Migrationshintergründen einiger Schauspieler häkeln wirkt oft etwas anbiedernd.
Wie so oft im gegenwärtigen Theater wäre es schön wenn das Interesse an Migration über bloße Gesten und Zurschaustellen hinausgehen würde.
#16 Presseschau Hobmeier: Abkehr von langjähriger PraxisChristoph 2016-11-05 11:59
Vielleicht ist aber auch gerade das Theater ein Ort der Gesten und des Zurschaustellens?
Aber viel elementarer, es geht doch schlicht darum, dass sich Menschen mit Migrationshintergrund wiederfinden, dass unsere Gesellschaft in den Ensembles und damit auf der Bühne abgebildet wird, zunächst mal quantitativ - als Abkehr von einer langjähirgen Praxis von blackfacing, whitewashing, etc.
Was dann in den Ensembles mit diesen Menschen gemacht wird, kann und muss ja nicht immer funktionieren und darüber kann und muss man auch streiten.
Aber die pauschal sich ereifernde Frau Dössel bringt ja ganz ohne Not (die wunderbare) Brigitte Hobmeier vs. SchauspielerInnen/PerformerInnen mit Migrationshintergrund in Stellung, als finde da ein Verdrängungskampf statt, der unsere (Sprech-)Theatertradition bedroht, das finde ich in dieser Pauschalität indiskutabel.
#17 Presseschau Hobmeier: VerdrängungskampfDösselSchach-Ach 2016-11-05 12:48
Selbstverständlich findet ein Verdrängungskampf statt! Es ist einer der Inhalte, Ideen und Spielformen. Und er hat Gründe systemisch-ökonomische Gründe. Weshalb er nicht nur die deutschsprachige Theater-Tradition bedroht. Es darf nur keiner so sagen, ohne nicht gleich chauvinistisch, rassistisch oder irgendwas mit -istisch sein zu müssen - Wer will das schon in einer richtig ordentlichen Demokratie???
#18 Presseschau Hobmeier: beim Blick in den SpielplanTucholskaja 2016-11-05 17:36
"als finde da ein Verdrängungskampf statt, der unsere (Sprech-)Theatertradition bedroht, das finde ich in dieser Pauschalität indiskutabel."

Na ja, wenn ich mir die Spielplanseite der Kammerspiele so ansehe, sieht es für mich so aus, als ob der Kampf bereits verloren wäre.
#19 Presseschau Hobmeier: es stirbt ein Stück Münchner Theater-KosmosMethy 2016-11-05 18:12
Erstaunlich, wie manche meinen, sich über Frau Dössel wie Hyänen hermachen zu müssen. Die hat doch erstmal nur einen Sachverhalt ans Licht gebracht und diesen kontextualisiert. Dafür, dass sie das Thema überhaupt aufbringt, gebührt ihr Dank. Wer Lilienthal dazu im Deutschlandfunk gehört hat, hat von eben ihm auch erfahren, dass er mit der von Frau Dössel vorgebrachten Kontextualisierung (Performer vs Schauspieler) total einverstanden ist. Vielleicht mögt Ihr das mal diskutieren, statt hier auf eine Journalistin einzudreschen?

Ein Teil der Diskussion hängt sich dann an einem Satz von ihr auf (Stichwort: Migrationshintergrund). Mir scheint da etwas zu viel Hass in der Beurteilung dieser Zeilen reinzuspielen. Das ist ein Zeitungsartikel, min Jott!

Aber selbst wenn: Wer meint, sie habe Menschen mit Migrationshintergrund pauschal abgekanzelt, hat ihren Text entweder nicht gelesen oder falsch verstehen wollen. Sie kritisiert die Setzung, dass in den Kammerspielen nur noch Setzungen mit "Typen" vorgenommen werden. Sie kritisiert nicht grundsätzlich Performer mit Migrationshintergrund.Und damit wären wir wieder bei der Sache.

Ich finde diese Setzung schade. Wenn an einem großartigen Theater keine gescheiten Rollen mehr für Brigitte Hobmeier (und Co.) da sind, stirbt ein Stückchen Münchner Theaterkosmos - und das spricht erstmal gegen das Haus, das keinen Platz für überragende Schauspieler*innen und Publikumslieblinge bietet. Das, was bislang an die Stelle getreten ist - oft ein Aufguss Berliner Spielereien - überzeugt mich nicht, dass dieser Wechsel lohnte.
#20 Presseschau Hobmeier: mehr Abgänge ?theaterfan 2016-11-05 20:52
Stimmt es, daß Anna Drechsler und auch KATJA BÜRKLE die Kammerspiele verlassen??? Bitte sagt, daß das nicht wahr ist. liebe nachtkritik, könnt ihr das bestätigen? Wenn ja, dann ist das wirklich ein herber Verlust für dieses Haus.
(Lieber Theaterfan, wir wissen nicht davon, aber werden nachfragen. die nachtkritik-Redaktion)
#21 Presseschau Hobmeier: Begrifflichkeit klärenSpieler 2016-11-05 21:04
Ein Schauspieler und oder Spielerin ist und kann eine großartige Performerin sein!! Ein Performer und oder Performerin aber ein guter Schauspieler?? Ersteinmal müsste genau die Begrifflichkeit geklärt werden. Drama, Figur, Verkörperung und Identifikation durch schauspielerische Mittel etc. Performanz kann auch Spiel bedeuten, lebt aber doch vom Privaten.
#22 Presseschau Hobmeier: jeden Abend neuGeorg 2016-11-05 23:05
Es muss überhaupt keine Begrifflichkeit geklärt werden und es muss auch kein Instrumentarium überprüft werden. Es ist ganz einfach. Jeden Abend. Überall. Seit ewig. Die Aufgabe von Kritik wäre allenfalls, zwischen richtig und falsch zu unterscheiden. Alle anderen sind regiert von Strategie oder Hass. Tucholskaya ist Teil eines Systems ... ach egal.
#23 Presseschau Hobmeier: Symptom narzisstischen ZeitgeistsChinesin 2016-11-06 00:18
Ich bin mal ganz privat: ich kann dieses dauernde performen nicht mehr ertragen.Ich finde es eitel, selbstverliebt sehr oft belehrend und arrogant, der Gestus ist meist herabsetzend und sich über etwas stellend oder sich darüber lustigmachend. Die Identifikation mit einer Figur erfordert eine gewisse Demut.
Ich halte die Dominanz dieser Performer auf deutschen Bühnen für das Symptom eines völlig narzisstischen Zeitgeistes.
Ich weiß das klingt recht altmodisch, ich bin ja auch schon 32.
#24 Presseschau Hobmeier: ClownH. Galli 2016-11-06 00:44
Alle Theatersubventionen streichen. Dann würden solche Clowns wie Lilienthal endlich ihren Marktwert zu spüren bekommen.
#25 Presseschau Hobmeier: auch Performer könnten kündigen@20 2016-11-06 02:18
Ja, fragt doch mal nach, liebe NK-Redaktion...
Es wird gemunckelt, dass außerdem ein erfahrener Performer -der vor einem Jahr überraschend aus Berlin an die Kammerspiele kam-auch das Haus verlässt... vielleicht liegt es ja nicht nur an der fehlenden Bereitschaft, echten Schauspielern was zum spielen zu geben...
#26 Presseschau Hobmeier: Kirschgarten gähnfrankenquelle 2016-11-06 09:38
den "kirschgarten" sah man in der intendanz unter baumbauer an den kammerspielen, zuletzt am resi. nun ist mal wieder der "kirschgarten" an den kammerspielen auf dem spielplan ... hat sich die lage der nation so zugespitzt, dass wir innherhalb kürzester zeit immer wieder eine neuinszenierung vom "kirschgarten" brauchen, oder steckt dahinter eine selbstzufriedene theaterleitung/dramaturgie? nachdem die theaterleitung der kammerspiele (nach der absage von "unterwerfung") ihr theater als >stadttheater< bezeichnet hat, wäre es doch mal an der zeit ein theater für die stadt münchen anzubieten.
und viele ehemalige besucher der kammerspiele aus münchen und umgebung sähen bestimmt hobmeier, hunstein oder hüller lieber auf der bühne als die gern gezeigte kleinkunst unter dem bonsaiintellektuellen überberiff >performance
#27 Presseschau Hobmeier: Straßenseite wechselnso what 2016-11-06 09:55
...wechselt sie halt die Straßenseite!
#28 Presseschau Hobmeier: vom Fach ?Peter 2016-11-06 10:05
@ Chinesin
32 ? Und Sie gehen ins Theater ? Sind Sie vom Fach ? Oder wirklich eine interessierte Zuschauerin ?
Gruß
#29 Presseschau Hobmeier: BlockwarteTucholskaja 2016-11-06 10:08
"Die Aufgabe von Kritik wäre allenfalls, zwischen richtig und falsch zu unterscheiden. Alle anderen sind regiert von Strategie oder Hass." #22

Offensichtlich gibt es im Weltbild mancher Leute nur die binäre Alternative "richtig" oder "falsch". Diese Leute weisen es auch weit von sich, ihre eigenen Kriterien in frage zu stellen - denn sie wissen ja, dass sie die Guten sind, die immer recht haben. Und alle andern, die nach ihrer Definition NICHT recht haben, sind eben die Bösen, und die sind eben von "Strategien" gelenkt und von "Hass". Da gibt's kein Vertun, das ist so, da muss man gar nichts klären oder überprüfen, sagen diese Leute. "Es ist einfach so". Punkt.

Man könnte es infantil nennen, wenn es nicht so weit verbreitet und so gefährlich wäre, diese Blockwart-Mentalität.
#30 Presseschau Hobmeier: bitte wieder like-bar machensam 2016-11-06 10:13
Ich möchte wieder Kommentare "liken" können, liebe nk!
#31 Presseschau Hobmeier: Lasst doch Neues wagenach ja 2016-11-06 10:55
ja wie schade, dass Frau Hobmeier die Kammerspiele verlässt. ja wie schade, dass die Kammerspiele nicht auf ewig der Musentempel bleiben, der sie in den glorreichen Dorn-Zeiten noch waren. Ach ja, wenn alles immer nur so bleiben könnte, das wäre doch wunderbar.
Was ist das hier.!!!! Wie soll etwas Zukunftsweisendes entstehen, wenn man nichts mehr wagt. Wagnisse beinhalten die Möglichkeit zu scheitern. Aber auch die einzige Möglichkeit etwas neues hervorzubringen. Menschen zusammenzubringen die voneinander lernen können. Was ist daran schlecht? Menschen an einem Haus zusammenzubringen, die aus ganz unterschiedlichen künstlerischen Richtungen kommen. Menschen die etwas zu erzählen haben über sich und die Welt. Menschen deren Beruf es ist, sich in andere hineindenken, wie Schauspieler und andererseits Menschen, die sich mit dem was sie selbst mitbringen einer Sache zu Verfügung stellen und sie bereichern, wie Performer oder Menschen deren Spezialgebiet das Singen und die Musik ist.Das ist befruchtend für alle . Und kann einem als Zuschauer neue Sichtweisen eröffnen, wenn man sich dem öffnen will. Gebt doch Lilienthal und vor allem auch den Künstlern Zeit sich zu finden, damit etwas ganz neues entstehen kann. Das dauert länger als ein Jahr. Es ist vieles nicht rundgelaufen, einiges war elitär, einiges auch unausgereift..eine Findungsphase, ganz eindeutig. Aber sprecht den Menschen dort nicht ihre Kompetenz ab..weil man nicht Schauspieler gelernt hat, hat man dennoch eine Berechtigung auf der Bühne, hat man dennoch etwas zu erzählen, ist man ein Künstler. Das klingt hier alles so unglaublich nach Kulturfaschismus. Die Afd würde sich darüber freuen.Eine laienhafte Einteilung von dem was Kunst ist und was nicht. Vielleicht auch nur noch deutsche Stoffe an den Kammerspielen, nur noch Klassiker. Es gibt gegenüber und in der Briennestrasse doch richtiges wunderbares Theater zu sehen. Warum kann es nicht ein Haus geben, in dem Neues gewagt wird, dass man so in München noch nicht kennt. Warum kann man da nicht mit Spannung, sondern nur mit Verachtung darauf schauen. Ich finde, der kleine Stachel in der Maximilanstrasse tut München gut.
#32 Presseschau Hobmeier: Kirschgarten ErlaubnisStachelÜberschätzung 2016-11-06 11:47
Vielleicht, dass man da mit Verachtung drauf schaut, weil diese Menschen sich nicht von allein in Neugier aufeinander einlassen wollten, und daraus organisch etwas Neues wächst. Sondern mit pädagogischen Impetus gezwungenermaßen. Wirkliche Künstler suchen allein Neues und lassen sich gern von sich aus auf Anderes als Anregung und mit dem eigenen Willen zur Selbstentwicklung ein. Der Kirschgarten wundert mich besonders, da ich Lilienthal doch habe reden hören im Radio über Tschechow und andere "Kunstkacke" in der Art - müsste ihm doch eigentlich die Kirschgarten-Erlaubnis für entzogen werden - kein Künstler braucht solche gleichmacherischen Sozial-Lehrer- Gar nichts Neues wird daraus auf Dauer wachsen, außer langweilige Anpassung an ein widerspruchfreies Alles-Gutfinden trotz sichtbarer Schwächen in künstlerischer Umsetzung, die sich dem Dilettantismus des Publikums andient - Es kann ein Haus geben, selbstverständlich, neben anderen Häusern, in den "richtiges" (aha, ach ja) Theater gemacht wird. Aber man sollte doch bitte nicht so tun, als sei dies dazu da, NEUES hervorzubringen. Es ist ein sozialpädagogischer Dramaturgie-Ansatz, ein anderer eben. Das ist nicht neu, sondern genauso uralt wie das vermeintlich "richtige" Theater auch. Mich persönlich langweilt der nahezu tödlich. Ich würde ihn nicht einmal meinem Enkel zumuten. AlleMenschenwerdenBrüder hat auf Weisung noch nie funktioniert und oft genug das Gegenteil bewirkt oder zumindest unterstützt.
#33 Presseschau Hobmeier: wer was wo siehtgrrlll 2016-11-06 12:33
Hey Ach ja! Sie verstehen nicht, wem man hier die Kompetenz abspricht, oder Sie können sich das nicht vorstellen. Die Kompetenz wird einzig und allein dem Leitungsteam abgesprochen. Und natürlich können Sie etwas Neues sehen, wenn Sie einen Haufen Dilettanten auf etwas loslassen, von dem sie völlig überfordert sind. Aber will das sonst noch jemand sehen?
#34 Presseschau Hobmeier: NebeneinanderSpieler 2016-11-06 13:04
Es scheint eben kein großes Interesse hier im Forum zu geben, sich genauer und detaillierter mit den Begriffen zu befassen. Das ist aber extrem wichtig, gerade um den Kategorien falsch und richtig, gut und böse, schwarz und weiß entgegenzutreten. #31 eigentlich würde ich Ihnen grundsätzlich zustimmen, doch geschieht doch momentan an den Kammerspielen eher ein Nebeneinander als ein zusammen! Ich habe auch nicht den Eindruck, dass Herr Lilienthal sich für Schauspieler interessiert, hat er noch nie, auch nicht an der Volksbühne noch am HAU. Er ist doch eher angetreten, um die klassische Bühne Kammerspiele umzubauen, hin zu einer offenen Spielstätte. Eher die Quantität, auch internationaler Gastspiel etc. steht da im Vordergrund und nicht die Vision ein Stadttheater für die Zukunft zu entwickeln. Natürlich ist das Theater jetzt ersteinmal leer! Die Zuschauer strömen in der Tat auf die andere Straßenseite, ist aber ein ganz normaler Vorgang. Eine Umschichtung der Zuschauer braucht Zeit. Das ist bei fast jeden Intendantenwechsel so. Bei Herrn Simons war es einfacher, der hat die Schauspieler übernommen, 3 Benelux Spieler hinzugenommen und mit den selben Regiseuren, wie bei Baumbauer wurde weitergearbeitet. Nun ist es komplett anders. Ob aber über eine Masse von Konzerten und intellektuellen Lese und Diskursrunden ein neues Publikum gewonnen wird, bleibt fraglich. Ein Ensemble muss die Möglichkeit haben zu wachsen, sich entfalten zu können braucht Zeit. Die sollten wir den Kammerspielen geben. Nur müsste auch von Seiten Lilienthals auch die Bereitschafft da sein, die beiden Spielformen nicht gegeneinander aufzuwiegeln und in Stellung zu bringen. Beide Spielformen haben ihr Recht, ihr Gutes und Notwendiges!!!
#35 Presseschau Hobmeier: kein StachelJDaniels 2016-11-06 13:14
@31
Der kleine Stachel ist nun aber leider keiner. Wenn's mal so wäre....
#36 Presseschau Hobmeier: kein UntergangChristoph 2016-11-06 13:53
#31 - das sehe ich auch so, vielen Dank.
Dieser plötzlich über die Kammerspiele hereinbrechende, wohl über ein Jahr aufgestaute Ärger ist in dieser Heftigkeit schon erschreckend.
War bisher also Schonzeit und die ist nun vorbei?
Ich möchte die Fälle Lacher & Hobmeier wirklich nicht vergleichen, weil sie so komplett unterschiedlich gelagert sind - aus ihnen aber verschiedene Symptome einer Theaterkrise herauszulesen, wie gerade in der SZ geschehen, finde ich aber sehr albern. Dass SchauspielerInnen mit hohem Marktwert und entsprechenden Möglichkeiten gelegentlich nach neuen Herausforderungen suchen, finde sich sympathisch. Dass sie beim Abgang ein bisschen Wind machen und damit ihre neue Freiheit/Verfügbarkeit jedem kundtun, geschenkt...
Aber man muss daraus nicht gleich den Untergang des abendländischer Theaterkultur herauslesen!
#37 Presseschau Hobmeier: Einzelne missachtetMünchnerin 2016-11-06 19:40
Es ist natürlich ehrbar, hier über Für und Wider von Schauspielern und Performern zu diskutieren, die einen vor den andern in Schutz zu nehmen, neue Impulse einer neuen Intendanz zu verteidigen und einen anderen Weg nicht grundsätzlich zu verteufeln. Es ist ebenso legitim, Fehler zu machen auf einem Weg, auch mal zu scheitern, und es ist genauso natürlich, dass nicht alle einen neuen Weg mitgehen wollen und/oder können. So weit, so üblich bei Intendanzwechseln, wieso also die ganze Aufregung?

Es geht bei dieser aktuellen Entwicklung (Krise?) im Kern um etwas anderes, was vielleicht nur für Münchner wirklich nachvollziehbar ist. Denn Matthias Lilienthal hat eine Sache fundamental falsch eingeschätzt oder wollte sie bewusst seinem Verständnis von Theaterarbeit unterordnen: Es geht um die Identifikation des Publikums mit einem Ensemble. Und nicht irgendein Ensemble, es geht um das Kammerspiele-Ensemble! Das muss irgendwann bei Dorn eingesetzt haben, aber auch unter Baumbauer und Simons waren die Schauspieler stets im Mittelpunkt und die Münchner liebten und verehrten ihr stets einzigartiges, berühmtes und preisgekröntes Kammerspiel-Ensemble.

Das würde sicher auch mit einem "gemischten" Ensemble funktionieren, denn auch Performer bieten Identifikationspotential, aber das Publikum spürt, dass das aktuelle Ensemble viel mehr aus Einzelkämpfern und Gruppen besteht bzw. dass es Unterschiede gibt, die von oben bestimmt sind. Die Münchner sehen, dass einzelne Mitglieder dieses Ensembles (und wahrlich nicht nur Brigitte Hobmeier!) ihrer Möglichkeiten beraubt und missachtet werden, ja dass man sie regelrecht am ausgestreckten Arm beruflich verhungern lässt. Und das tut den Münchnern im Herzen weh! Das weltberühmte Kammerspiele-Ensemble wurde so sehenden Auges seiner Identität beraubt, im Kleinklein unzähliger Gastspiele und Gastkollektive und Gastkünstler ist etwas zerfallen, das so vielleicht nie wieder zurückkehren wird.
#38 Presseschau Hobmeier: Lagerdenken statt Reflexionnachfragen 2016-11-07 11:29
Die Welt verändert sich und gleich drei große Ensembletheater in München mit gleichem Theaterverständnis würden nicht mal den Münchner Beharrungskräften standhalten. Unsere Gesellschaft wird breiter. Da tut es Not, viele Ecken auszuleuchten, nicht immer die gleichen Schubladen zu bedienen. Hobmeier konnte sich mit ihren performativen Qualitäten dahingehend ganz anders ausdrücken. Das wird ihrem weiteren Weg guttun. Gerne hätte ich von Frau Dössel mehr darüber gehört, statt wieder den Frust über scheinbar verlorengehende Bewunderungskultur vorgesetzt zu bekommen, die an vielen Häusern (auch in München) ohnehin zur Genüge zu genießen ist. Schade ist, dass dieses sehr persönlich gefärbte Lagerdenken sich selbst diskreditiert (mehr über die Kritikerin als das Kritisierte aussagt), statt mit Sachkenntnis und Reflexionsvermögen auf das zu sehen, was an den Kammerspielen künstlerisch wirklich passiert, wo es rumpelt und knirscht, wo etwas brütet, wo alter Wein in neuen Schläuchen serviert wird (soviel zum "Schauspielertheater") oder andere Werkformen auch mal andere Erkenntnisse ermöglichen. Doch statt über künstlerische Qualitäten und Ansätze wird vor allem über Lilienthal geredet. Ziel erreicht: Der Mann ist im Gespräch wie kaum ein anderer Intendant. Und schön, dass wir uns wieder in den guten alten Oppositionen einrichten, die es selbst in der dt. Politik nicht mehr gibt.
#39 Presseschau Hobmeier II: nächstes KapitelMattze 2016-11-08 13:25
Hier übrigens das nächste Kapitel des Trauerspiels: Lilienthal bestätigt das Ausscheiden von Katja Bürkle und Anna Drexler aus dem Kammerspiele-Ensemble. goo.gl/VDtqdn

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