"Zeigen, dass hier Kunst entsteht"

19. April 2017.Oliver Reese, scheidender Intendant des Schauspiel Frankfurt, denkt in einem Interview mit Claus-Jürgen Göpfert und Christian Thomas von der Frankfurter Rundschau laut über den Abriss des Hauses am Willy-Brandt-Platz und einen Neubau nach. Bislang hatte sich Reese für eine Sanierung ausgesprochen. Jetzt aber läge ihm ein neues Gutachten vor, dass die Kosten auf 500 Millionen Euro und die Sanierungsdauer auf elf Jahre veranschlagten. "Wenn solche Summen und solche fast unabsehbaren Zeiträume im Spiel sind, die für das Haus und das Publikum nur schwer zumutbar wären, ist der Zeitpunkt gekommen, da man eine Alternative zur Sanierung sehr ernsthaft prüfen muss.“

Auch auf die Nachteile des jetzigen Baus geht Reese ein, vor allem der zu kleinen Kammerspiele und des zu großen Großen Hauses: "24 Meter Portalbreite sind auch ein Handikap. Da gehen nur bestimmte, großformatige Stücke, der Mensch wirkt auf der Riesenbühne erstmal wie verloren. Technisch kann die Bühne viel, aber akustisch ist der Raum sehr schwierig. Sie müssen nach vorne sprechen, wenn die Schauspieler auch nur halb seitlich sprechen, ist der Ton weg.“

Allerdings besteht Reese auf dem jetzigen Standort. Und fordert ausreichende Mittel: "Wenn man dieses Gebäude in Frage stellt, dann bitte nur, weil man sich das inhaltlich und architektonisch etwas kosten lassen will. Ein Neubau wäre vermutlich teurer als die Sanierung, aber nicht wesentlich teurer. Man müsste ein Probenzentrum integrieren, deutlich zeigen, dass hier Kunst entsteht.“

Als Vorbilder für einen Neubau nennt Reese die Oper in Oslo und das Schauspielhaus in Kopenhagen.

Ebenfalls in der Frankfurter Rundschau fasst Oliver Teutsch die Debatte um Sanierung und Neubau zusammen. Einig seien sich alle nur über den Standtort. Kulturdezernentin Ina Hartwig sagt der FR zufolge, es dürfe nicht leichtfertig mit der Frage umgegangen werden, "ob eine Sanierung des markanten und beim Publikum sehr beliebten Sechzigerjahre-Baus oder die Herausforderung eines Neubaus die vernünftigere Lösung bringen". Auch Reeses Nachfolger Anselm Weber halte den jetzigen Standort für "nicht verrückbar", weil es gelte, "ein Zentrum der Emphatie in der Innenstadt aufrechtzuerhalten". Mit der jetzigen Situation aber sei auch Weber nicht zufrieden: "Der vorhandene Platz reicht nicht aus." In der Frage nach Abriss oder Sanierung wolle er noch keine Stellung beziehen, er wünsche aber sich "eine moderne, von Visionen getragene Theaterarchitektur".

(geka)

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