Aaaaaah, mmmmmh, OOOH!

von Matthias Weigel

Berlin, 18. Dezember 2013. "Nymphomaniac"! Lars von Trier sorgt für Furore mit einem neuen Sex-Film, der bald herauskommt. Und auch mit der zugehörigen Plakatkampagne, die alle Hauptdarsteller in eindeutiger Pose zeigt:

Peter & Paul ohne Mary

von Nikolaus Merck und Christian Rakow

Berlin, 13. Dezember 2013. Wir fragen uns anlässlich der heutigen Nachtkritik aus Freiburg, ob Peter Alexander in seinem schönen Anzug nicht als etwas seriöserer Bruder von Paul McCartney im ganz ähnlichen Gewande im Beatles-Film "A Hard Days Night" durchgehen könnte.

Manierlich

von Christian Rakow

Berlin, 28. November 2013. Das war eigentlich nicht zu erwarten, dass man den legendären Kreuzberger Szene-Club "SO 36" mal in einem Atemzug mit dem Berliner Ensemble von Claus Peymann nennen würde.

Fleisch geworden

von Georg Kasch

Berlin, 28. November 2013. Gestern in den Sophiensälen: Ausgerechnet "inkarnat" steht schließlich auf dem Unterarm einer jungen Frau, Fleisch geworden. Sie war ebenso wie ich Gast beim "Social Muscle Club". Ob sie den spontanen Entschluss heute bereut? Ich würde es. Schließlich ist das Ergebnis, eingestochen unter die Haut, dauerhaft, nur mit größtem Aufwand wieder entfernbar. Inkarniertes Ergebnis eines performativen Akts.

Sie sind wieder da!

von Christian Rakow

Berlin, 22. November 2013. Nach der Reunion der Beatles, die ich mir nicht sinnvollerweise wünschen konnte, weil ich noch im Kindergarten war, als John Lennon ermordet wurde, ist das die Reunion, die ich am meisten ersehnte: die der Monty Pythons. Den wiedervereinigten Pythons fehlt natürlich auch Graham Chapman (der Brian aus "The Life of Brian"). Aber – ohne jetzt Ringo Starr und den seligen Gitarrenzauberer George Harrison zurücksetzen zu wollen – eine Fünfer-Line-up mit John Cleese, Terry Gilliam, Michael Palin, Terry Jones und Eric Idle hat allemal einen so hohen Lennon/McCartney-Faktor, dass das wahrscheinlich schon noch hinhaut: das mit der Wiederkehr der Legende.

... Vegard Vinge?

von Matthias Weigel

Berlin, 20. November 2013. Manchmal, wenn man abends am Prater der Volksbühne vorbei spaziert, sieht man noch Licht brennen. Ob Vegard Vinge gerade für sich allein seine 179. Vorstellung spielt, halbverhungert, in einem Meer aus Pisse und Kunstblut? Draußen auf den Eingangstüren verwittert jedenfalls trotzig die große, weiße "12", letzter Überrest des unrühmlich zu Ende gegangenen 12-Spartenhauses.

Codewort: Fabelhaft

von Christian Rakow

Berlin, 17. November 2013.Als kurz vor Schluss der Kinder- und Jugendchor der Berliner Staatsoper fidel über die Bühne sprang und sang "There's no business like showbusiness" und silberner Flitter rieselte, da war man dann aber doch noch einmal auf eine echte Probe gestellt. Und als anschließend Maestro Daniel Barenboim am schwarzen Flügel eine Sonate von Franz Schubert (there's no business like Schubert-business!) präsentierte, von der riesigen Kinderschar pastoral umhockt, praktisch Hirte und Herde. Das war die letzte Süßlichkeitsprobe für die Kritiker in den hinteren Reihen des Saals, für Berliner Kritiker, wohlgemerkt, von denen Moderator Peter Jordan schon zum Auftakt gesagt hatte: Sie kämen nur ins Theater, um sich am Schlechtfühlen gut zu fühlen. Er sagte es mit Theodor Fontane: Der Berliner lauert auf Fehler des Schauspielers wie der Jäger auf den Kopf des Kaninchens. Da zeigt er sich, und peng! Auch so ein süßliches Bild, irgendwie, so vor der Massentierhaltung.

Spoiler!

Ab 9. Juni 2013. Über Theaterschauspieler im "Tatort" – warum Theatergänger beim Sonntagskrimi-Gucken benachteiligt sind und warum der "Tatort" ohne Theater gar nicht auskommen würde. Kleines Twitter-Geplänkel, ausgelöst vom Bremer "Tatort" "Er wird töten" am 9. Juni 2013.

Berlin, 18. Dezember 2011. Gestern vor der Premiere von Marlowes Edward II. in der Berliner Schaubühne hätte ich beinahe an die Wiederauferstehung geglaubt. Als nämlich plötzlich durch die Tür ein Mann mit englischem Jacket und rotem Schal geschlendert kam, in dem ich einen Moment lang den Anfang November verstorbenen Theaterkritiker Lorenz Tomerius zu erkennen glaubte. Komisch, dachte ich dann, dass manche Menschen einem erst zu denken zu geben beginnen, wenn sie real nicht mehr anwesend sind.

17. August 2011. Nicolas Stemann hat bei den Salzburger Festspielen Faust 1 & 2 inszeniert; es ist ein Faust-Marathon, acht kurze Stunden lang. Ich habe es so gesehen, dass Stemann hier die ganze vermaledeite Dialektik der Freiheit durchbuchstabiert. Faust, der Teufel, Gretchen, Kaiser, Helena: Allesamt ins Drama der Freiheit verwickelt. Die heikle Frage ist, wo Freiheit aufhört, wo sie anfängt, ob sie Grenzen, Kriterien, bedarf, wie sie sich zur Moral verhält und was sie mit den Menschen tut. Das ist, glaube ich, die große, grobe Linie des Abends.