Toxische Melancholie

29. Juni 2025. Der Schauspieler und Regisseur Bülent Özdil kam auf der Suche nach mehr künstlerischem Freiraum aus Deutschland ans deutschsprachige Staatstheater im rumänischen Temeswar / Timișoara. Hier hat er Andrei Tarkowskis Exil- und Erinnerungsfilm "Der Spiegel" erstmals für die Bühne adaptiert. Eine überraschend passende Vorlage für Reflexionen über transkulturelles Erinnern, Migration und Exil.

Von Karin E. Yeşilada

"Der Spiegel" nach von Andrej Tarkowski am Deutschen Staatstheater im rumänischen Temeswar © Deutsches Staatstheater Temeswar

29. Juni 2025. Anders als neulich in Polen konnten sie in Rumänien aufatmen, als bei der Präsidentschaftswahl im Mai 2025 im zweiten Anlauf der liberale Kandidat Nicușor Dan gegen George Simion knapp gewann. Der rechtsnationale Gegenkandidat sei "viel schlimmer als Trump", meint mein Sitznachbar im Flugzeug, "fürs Erste hatten wir Glück".

Wie dieser Geschäftsmann pendeln etliche Rumän:innen zwischen Osteuropa und den USA. Viele sind in den 1990er Jahren dorthin ausgewandert. Ihre zurückgelassenen Eltern sind inzwischen pflegebedürftig. "Was soll ich denn machen", seufzt eine Mitreisende, "meine Kinder sind in Cleveland und meine alte Mutter in einem Dorf im Banat". Was für die südeuropäische Deutschlandmigration die 1960er Jahre, waren für Rumänien die Jahre nach 1989: eine bewegte Zeit. Anders als in der DDR oder den anderen osteuropäischen Nachfolgestaaten der UDSSR vollzog sich der Umbruch in Rumänien außerdem mit einer blutigen Revolution, die Tausende das Leben kostete, und an deren Ende der Diktator Nicolae Ceaușescu standrechtlich exekutiert wurde. Die Erinnerung an den gewaltsamen Umsturz 1989 ist in Rumänien bis heute präsent.

Ein deutsches Theater in Rumänien

In der drittgrößten Stadt Timișoara (dt. Temeswar) im Westen Rumäniens sind die politischen Unwuchten nicht ganz so zu spüren. Hier ist man fern genug von der Hauptstadt Bukarest. Die vielen aus der k.u.k Zeit erhaltenen Prachtbauten sorgen für ein besonderes Flair. Auch die Opera Națională Română din Timișoara, das Rumänische Nationaltheater in Timișoara, ist prachtvoll, obwohl die klassizistische Front 1923 zu einem monumentalen, sozialismustauglichen Klotz umgestaltet wurde.

In seinem Innern aber beherbergt das 1875 als "Franz-Joseph-Theater" erbaute Haus eine Besonderheit, nämlich insgesamt vier Theater: die Staatsoper, das Rumänische Theater, das Ungarische Theater und das Deutsche Theater. Vielfalt und Vielsprachigkeit prägen Programm und Miteinander des Hauses: Auf der großen Bühne sind die Oper und das Rumänische Nationaltheater angesiedelt, die kleinere Bühne im ehemaligen Ballsaal teilen sich die Ungarn und die Deutschen.

Das Nationaltheater Temeswar bei Nacht © Nationaltheater Temeswar

Die Deutschen, das sind die Volksgruppen der germani-români, von denen die "Banater Schwaben" und "Siebenbürger Sachsen" die größten sind. Seit ihrer Ansiedlung im 12. (Siebenbürgen) und 17. Jahrhundert (Banat) bilden sie nach den Ungarn die zweitgrößte nicht-rumänische Minderheit und genießen umfassende Sonderrechte. So fördert der Staat Schulen und Kulturinstitutionen, darunter auch Theater.

Postsozialistische Minderheitenpolitik

Der Intendant des Deutschen Theaters in Timișoara, des Teatrul German, Lucian Vărșăndan, erläutert mir den Hintergrund dieser Politik: Bediente man zu k.u.k. Zeiten noch das eigene Klientel, ließ sich im Sozialismus die Staatsideologie auch mittels der Minderheitenpolitik verbreiten: Wenn das Deutsche Theater sozialistische Stücke in der Muttersprache spielte und damit sein Publikum erreichte, erfüllte es den Auftrag zur politischen (Um-)Erziehung der Gesellschaft ebenso wie die rumänischen Staatstheater. Deshalb konnte die Minderheitenpolitik im Sozialismus weiterbestehen.

Trotz des Bevölkerungsschwunds nach der Massenauswanderung in den 1990er Jahren (von ehemals 800.000 auf etwa 22.500) haben die Rumäniendeutschen noch immer Sonderrechte. Gut zehn Prozent der Förderung kommt heute aus Deutschland, den Hauptteil trägt weiterhin der rumänische Staat. Wie lange müsste eine Minderheit im Einwanderungsland Deutschland bestehen, um solche Sonderrechte zu genießen? Wurden die "Gastarbeiter" in den 1960er Jahren nicht genauso in Deutschland "angesiedelt" wie einst die "Banater Schwaben"? Auch wenn sich das womöglich nicht vergleichen lässt, wäre es einen Gedanken wert.

Verkündung der Befreiung der Stadt auf dem Theaterbalkon 

Das Nationaltheater Timișoara ist ein historisch bedeutsamer Ort der kollektiven Erinnerung an die Revolution. In Timișoara hatten am 15. Dezember 1989 die großen Demonstrationen begonnen, zunächst als Protest der Arbeiterschaft gegen Produktionsbedingungen, dann als Protest gegen das kommunistische Regime. Sie waren durch den Einsatz des Militärs innerhalb der folgenden Tage blutig eskaliert und kosteten über 170 Menschenleben. Am 20. Dezember 1989 versammelte sich ein 13-köpfiges Revolutions-Komitee im Nationaltheater und verkündete vom Balkon aus die Befreiung der Stadt vom Kommunismus. Noch heute gilt der Balkon als Heiligtum: "Von hier verbreitete sich der Funke der Revolution über das gesamte Land", sagt Lucian Vărșăndan, seit 2007 Intendant des Theaters.

Diese Historie prägt das Deutsche Staatstheater Temeswar (DSTT) noch heute. Stücke, die sich mit der jüngeren rumänischen Geschichte befassen, stehen regelmäßig auf dem Programm, darunter "Niederungen", die Adaption eines frühen Prosawerks der rumäniendeutschen Dissidentin und späteren Literatur-Nobelpreisträgerin Herta Müller. "Menschen. Zu verkaufen", geschrieben und inszeniert von Carmen Lidia Vidu, behandelt ein kaum bekanntes Kapitel deutsch-rumänischer Geschichte: In den 1970er und 1980er Jahren bezahlte die Bundesrepublik wiederholt die vom Regime festgesetzten Kopfgelder und kaufte Rumäniendeutsche aus der Diktatur frei. Ansonsten umfasst das Programm des Theaters das (übliche) Spektrum von der Antike bis zur Moderne, "Tschick" ist im Spielplan ebenso zu finden wie "Lysistrata" oder Tschechow. Eine Tarkowski-Adaption bildet hier also keinen Ausreißer: Im März hat der Schauspieler Bülent Özdil, seit der Spielzeit 2022/23 Teil des Ensembles, den Tarkowski-Stoff "Der Spiegel" multimedial für sein Theater adaptiert. 

Regisseur Bülent Özdil und die Schauspielerin Oana Vidoni, die die Produktion auch bei der administrativen Projektarbeit unterstützte © Karin Yeşilada

Bülent Özdil, 1981 im fränkischen Rothenburg als Sohn türkischer Arbeitsmigranten geboren, gehört seit 2022 zum Ensemble in Temeswar. Nach Stationen in Deutschland, Österreich und der Schweiz habe es ihn gereizt, in einem deutschsprachigen Theater eines Landes zu arbeiten, dessen südosteuropäische Kultur seiner eigenen ähnelt, erzählt er nun. Tatsächlich gibt es in Rumänien noch Spuren der Jahrhunderte währenden Osmanen-Herrschaft. Zwar wurden sämtliche osmanische Bauten nach dem Sieg über die Türken beseitigt, doch die kulturellen Einflüsse blieben. Davon zeugen etwa all die Sesamkringel und Knabbereien mit ihren türkisch-rumänisierten Namen.

Er sei, so Özdil, auf der Suche nach mehr künstlerischem Freiraum gewesen. In Deutschland hatte es immer wieder geheißen: "Mach‘ doch lieber was zu deiner Migrationsgeschichte". Doch Özdil, der den fränkischen Heimatdialekt ebenso beherrscht wie das Deutsche, Türkische und Englische, hatte keine Lust, marktübliche stereotype Erwartungen an "Migranten" zu erfüllen. Die Enge solcher Zuschreibungen spürt er als Deutscher im schwäbisch-rumänischen Banat nicht.

Der andere Tarkowski

Als Özdil dem Theater das Tarkowski-Projekt vorschlug, sollte es zunächst als Produktion des Hauses herauskommen. Nach Ablehnung eines Förderantrags wurde aus dem Kooperationsvertrag eine Vereinbarung über ein "Gastspiel". Immerhin stellte das Theater Infrastruktur und Schauspieler:innen zur Verfügung; der gesamte Rest lag jedoch bei Özdil, der nun erheblich umdisponieren und einer bereits engagierten ukrainischen Schauspielerin aus Hamburg absagen musste. Das Österreichische Kulturforum und das Deutsche Konsulat sprangen ein, "gerade noch rechtzeitig", wie Özdil erzählt. Dass sich das Risiko letztlich gelohnt hat, zeigen jetzt die hervorragenden Auslastungszahlen: seit der Premiere am 21. März 2025 sind es konstant 100 Prozent. Gerade wird über die Übernahme der Inszenierung in den Spielplan der kommenden Saison nachgedacht.

Über drei Jahre Recherche stecken in diesem Herzensprojekt: über den Filmregisseur Tarkowski, aber auch über den anderen Tarkowski – Vater Arseni Tarkowski, dessen Lyrik hierzulande kaum bekannt ist. Die Übersetzerin seiner Gedichte, Jekatherina Lebedewa, steuerte für das Stück noch weitere Übersetzungen bei. Die Filme der 1970er Jahre hätten ihn geprägt, erzählt mir Özdil, insbesondere "Der Spiegel" von Tarkowski, dessen Werk er vorher nicht kannte: "Der Film hat mich auf unerklärliche Weise berührt." 

6a DSTT Yannick Becker Oana Vidoni und Isa BergerSzenenfoto mit Yannick Becker, Oana Vidoni und Isa Berger © DSTT

"Der Spiegel" (1973) gilt als Tarkowskis persönlichstes Werk. Darin verarbeitet der russische Künstler im europäischen Exil die Erfahrungen von Heimatlosigkeit und Alter mit assoziativen Erinnerungsbildern. Der Protagonist versinkt förmlich in der Erinnerung seiner Kindheit auf dem Land. Irgendetwas habe ihn an die Art erinnert, wie in seiner eigenen Familie getrauert würde, sagt Özdil. Wir sprechen über die besondere Art des Trauerns in der anatolischen Kultur. "Hüzün" bezeichnet auf Türkisch diese Hingabe an den Welt- und Lebensschmerz, der deutschen Romantik nicht unverwandt. "Kim bilir kaç gün ömrümüz var", ist so ein Seufzer, "wer weiß, wieviel Lebenszeit uns noch bleibt". Diese "toxische Melancholie" spürte Özdil auch bei Tarkowskis Hauptfigur Alexei, der im Sog der Erinnerungen gefangen und völlig lebensunfähig ist. Eine typische Exil-Erfahrung, vergleichbar womöglich mit der Erfahrung der Migration?

Multimedia versus Archaik

Für das Ensemble war es anfangs nicht einfach, sich den schwierigen Stoff zu erarbeiten, doch Özdil war es wichtig, dass sie mit dem arbeiteten, was Tarkowski in ihnen auslöste. "Seine Begeisterung und diese Vorarbeit haben uns neugierig gemacht", meint die Schauspielerin Oana Vidoni, die Özdil dank einer Ausbildung als Kulturmanagerin auch bei der administrativen Projektarbeit unterstützen konnte. Dass da jemand (wie Özdil das tat), viele Jahre seines  Lebens, sein gesamtes privates Geld in eine Produktion steckt, selbst auch das Bühnenbild entwirft, beeindruckte sie alle: "So etwas gibt es hier nicht oft." 

Am Erfolg des Stücks hat auch seine Multimedialität großen Anteil. "So etwas zieht", sagt Intendant Vărșăndan. Das rumänische Publikum komme auch deswegen sehr gerne ins Deutsche Theater, weil es hier eine andere Ästhetik gebe. "Die anderen Theater in Rumänien arbeiten nicht sehr progressiv", sagt auch Oana Vidoni, weshalb sie es begrüßt, dass immer wieder Regisseure aus Deutschland ans DSTT kommen.

4 DSTT Ida Jarscek Gaza vor dem SpiegelSzene mit Harald Weisz und Oana Vidoni © DSTT

Bei der Vorstellung, die ich sah, war auch die Jury des Nationalen Theatertreffens in Rumänien anwesend. Ob ihnen der zweigeteilte Bühnen- und Erinnerungsraum gefallen hat? Eine transparente Kunststoff-Folie markiert dabei den Spiegel, in dem sich teils die Figuren spiegeln (was eine geschickt operierende Kamera einfängt und auf die Leinwand reflektiert), durch die sie sich verpassen und begegnen – eine hervorragende Umsetzung des Titelmotivs. Die KI-generierten Projektionen dürften die Jury-Mitglieder beeindruckt haben: Mittels künstlicher Intelligenz hat Özdil Landschaftsbilder und Sounduntermalungen erzeugt, die eine magische Atmosphäre schaffen und einen ähnlichen Sog entwickeln wie Tarkowskis Film.

Hier wird der im Film unsichtbare Erzähler ebenso auf die Bühne geholt wie die alte, sinnierende Mutter, während die Vergangenheit hinter dem Spiegel dargestellt wird. Mit Arseni Tarkowskis philosophischer Lyrik beginnt und endet der berührende Abend. Zwei amerikanische Touristen schwärmen, dieser Abend sei "magic", und ich denke mir, dass hier mit dieser Arbeit in Timișoara ein Raum transkultureller Erinnerung entstanden ist. Das sollte nicht nur die Jury in Rumänien überzeugen.

Der Spiegel
von Andrei Tarkowski
Adaption für die Bühne von Bülent Özdil
Regie, Ausstattung und Musik: Bülent Özdil, Videos: Sarah Maria Kretschmer, Kostüm, Bühnenbild, Projektionen (Künstliche Intelligenz): Bülent Özdil, Produktion: Bülent Özdil, Sarah Maria Kretschmer. 
Mit: Yannick Becker, Isa Berger, Robert Bogdanovic-Schein, Daniel Ghidel, Rareș Hontzu, Marc Illich, Ida Jarcsek-Gaza, Daniela Török, Oana Vidoni, Harald Weisz.
Premiere am 21. März 2025
Dauer: 1 Stunde 30 Minuten, keine Pause 

Videomitschnitt vom 23. Mai 2025 https://www.youtube.com/watch?v=pMrFy9AJfbk

teatrulgerman.ro

Transparenzhinweis: Die Reisekosten wurden vom deutschen Konsulat und dem Goethe Institut getragen.

Kommentare  
Theater Rumänien: Beeindruckende Hintergrundinfos
Wirklich sehr, sehr interessant! Wie viel Recherche und Wissen in diesem Artikel stecken! Echt beeindruckend.
Theaterbrief Rumänien: Nicht im Exil
Kurze Schlaubergerei: Als Tarkowski SERKALO verfilmt hat, war er noch nicht im Exil. Zur Bedeutung der ersten Szene hat er einmal gesagt, das sei einfach seine früheste Kindheitserinnerung und er wisse nicht, was sie bedeute und das würde im Grunde für den ganzen Film gelten. Der Film ist auf frei drehende, assoziative Weise Autofiction, nur hat man das damals noch nicht so genannt. Und noch ein letztes schönes Zitat zum Thema "Bedeutung" und irgendwie dann doch auch zum Thema "Exil": Die Wirkung seiner Filme auf andere interessiere ihn nicht wirklich. Woher solle er denn bitte wissen, was John Smith in London denkt oder fühlt wenn er einen Film von Tarkowski sieht?!
Theaterbrief Rumänien: Ahnung, was möglich ist
Ich habe im Deutschen Theater von Timisoara im vorigen Jahr den "Diener zweier Herren" gesehen - zufällig, weil ich beim Vorbeischlendern am Abend zuvor die Leute in der Pause vor dem Eingang gesehen habe und gleich nachschauen musste, was da lief. Ein sehr schöner Abend, doch ein wenig mehr Beschäftigung mit dem Hintergrund des Theaters und des Ensembles ließ ahnen, was dort möglich ist. Insofern überrascht diese Rezension nicht, ich bin guter Hoffnung, dort mal wieder vorbeischauen zu können.
Theaterbrief Rumänien: Im Aufbruch
Nach dieser nachvollziebaren Rezension würde ich gerne direkt nach Temeswar fahren und dort Theater schauen. Danke also für den Lust machenden und gut recherchierten ausführlichen Text!
Tatsächlich war ich letzte Woche in Craiova beim TNT (theatrenetworkingtalents), einem dem "Fast Forward" ähnlichem Festival für den Theaternachwuchs in Rumänien und Europa. Was dort zu sehen war, war natürlich gemischt. Auffällig aber war, wie sehr das Festival selber schon im Call experimentelle, mutige und außergewöhnliche Zugriffe gefördert hat und weiterhin, wie sehr sich die jungen Theatermacher:innen aus ihren universitären Komfortzonen hinauswagen und über die Traditionen der jeweiligen Schulen in Bukarest, Craiova, Clus etc. hinauswachsen wollen. Da kommen interessante Leute nach, die sich sehr am Konvetionellen reiben und genau die progressiven Formen, Formate und Erzählungen suchen, die die Kolleg:innen aus Temeswar als fehlend beschreiben.
Insgesamt scheint dort einiges im Aufbruch und es könnte Sinn ergeben, sich näher mit dem Land und vor allem den Veränderungen in der Kunst- und Kulturlandschaft zu beschäftigen. Auch für die Kolleg:innen in Temeswar und vice vers könnte das doch interessant sein, sich mit den Jungen - auch den Weggegangenen in den (West)Europäischen Großstädten - zu beschäftigen. Die haben viel vor-Ort-Expertise, sind gut ausgebildet (oft in Rumänien und europäischen Ländern) und suchen Verbündete und Orte, um was zu verändern.
Theaterbrief Rumänien: Nostalghia-Formel
Die „Nostalghia-Formel“ , 1+1=1, wohl eine Nahverwandte ,des kierkegaardschen Einzelnen, scheint mir bezüglich „Wirkung“ das Entscheidende zu sein; irgendwie kann nur das Wirkung sein, was ich an persönlich lebendiger Ausstattung vorbehaltlos mit in den Film bringe und durch und mit dem Film zu einer lebendigen Einheit wächst (auch hier übrigens Kierkegaards wirksamer Erinnerung nahe). An diesem Einzelnen war A.T., denke ich, unendlich gelegen, und so beginnt „Die versiegelte Zeit“ in der Einleitung (eine Leseprobe des Alexanderverlages ist frei zugänglich) auch mit Zuschauerpost:“Ich muß bekennen, daß mich die Zuschauerpost, die ich in den Jahren meiner Arbeit erhielt und stets mit großer Aufmerksamkeit und großem Interesse las, zuweilen verärgerte. Oft aber war sie eine außerordentliche Quelle der Inspiration, und auf jeden Fall bildete sie ein überaus anregendes Paket von Fragen und Gedanken unterschiedlichster Art.“
Theaterbrief Rumänien: Mitschnitt
Heute fand ich Zeit und Muße mir den Videomitschnitt "Der Spiegel" anzuschauen. Die eineinhalb Stunden waren lohnenswert und ich fand die Bilderwelt beeindruckend. Konserve aber tausendmal besser als keine Teilhabe. Merci & Chapeau für diese Inszenierung.
Videomitschnitt vom 23. Mai 2025. https://www.youtube.com/watch?v=pMrFy9AJfbkteatrulgerman.ro
Theaterbrief Rumänien: Erstaunte Dankbarkeit
Sehr geehrter Herr Schmedemann, ich wurde gestern auf Ihren Kommentar hingewiesen.

Ich bin wirklich erstaunt, dass sich jemand tatsächlich die Zeit genommen hat, sich die Aufzeichnung anzusehen. Das liegt zum einen daran, dass in der heutigen Zeit, wo man alles schnell konsumieren kann und bei Bedarf einfach vorscrollt, ich kaum davon ausging daß jemand mit Muße sich hinsetzt und sich das anschaut, und zum anderen bin ich selbst kein großer Freund von Aufzeichnungen.

Danke für Ihr Feedback. Wir versuchen die Inszenierung auch im deutschsprachigen Raum zu zeigen und hoffen 2026 auf ein Gastspiel.

Herzlichst,

Bülent Özdil
Theaterbrief Rumänien: Unsere blutige Zeit
Auch ich habe mir die Zeit genommen an diesem Nachmittag, als der Regen (!) über Hamburg in nicht enden wollenden Schauern vom Hinausgehen abhielt und wurde hineingesogen in diese Bilder, die mir so bekannt vorkamen und auch wieder nicht. Welch merk-würdiges Phänomen!
Dass sich auf einem kleinen Bildschirm (PC) so eine Wirkung entfalten kann, ist erstaunlich.
Zwischendurch sah ich mich in einem (prächtigen) Theater, hingesunken in dunkelroten Samt und das Geschehen auf der Bühne betrachtend, in Endlosschleife.
So wie es manchmal - in der Erinnerung - Szenen aus der Kindheit an sich haben.
Doch ich sah auch Tschechow, Bergman... und die unsere, blutige Zeit mit ihren Verlorenheiten.
Über, unter Allem die Natur und also auch der Regen,der den heutigen Nachmittag zu einem 'weißen' machte. Danke!
Kommentar schreiben