Kolumne: Queer Royal – Georg Kasch über Widersprüche der Konservativen
Hässliche Frauen?
von Georg Kasch
Dieser Beitrag ist Teil des nachtkriktik.de-Archivs. Er entspricht Layout und technischem Stand vor November 2021.
Apropos Konservative: Bei der AfD weiß man gerade nicht so genau: Sind deren Eier schon zu dick zum Laufen oder haben die eher Kastrationsangst? Warum reagieren sie so angepisst auf das Theater? Könnte ihnen doch egal sein, wenn da ein paar Leutchen vom Theater in Mainz Beethoven und Schiller singen. Ging hinterher am Ende der Rechts-Gaul mit ihnen durch, weil es nur 300 AfDler waren, bei 1000 Gegendemonstranten? Oder wollte die AfD sich nur nicht von der Polizei rechts überholen lassen, die zuerst Strafanzeige stellte.
Man möchte geradezu wieder an die Kraft des Theaters glauben! Und zwar unabhängig von seinem ästhetischen oder inhaltlichen Ertrag: Wie sich unschwer nachlesen lässt, war ich von Falk Richters "FEAR" in der Berliner Schaubühne nicht eben begeistert. Die AfD allerdings adelte den Abend mit einem illegalen Video-Mitschnitt (hätten sie mal inkognito bei der Pressestelle nachgefragt!) und öffentlichen Kommentaren. Matthias Matussek, der sich als Publizist gerade in atemberaubender Geschwindigkeit demontiert, jammerte öffentlich über seine Rolle im Abend herum. Autorregisseur Richter erhielt Morddrohungen. Warum tun die Rechten sich das an? Hätten sie die Klappe gehalten, wäre der Abend vermutlich schnell in der Versenkung verschwunden.
Das Problem mit derartigem Agit-Prop ist ja seit jeher, dass nur die ohnehin schon Bekehrten dafür ins Theater kommen. Wobei man bei Richter sogar noch etwas lernen kann: Dass die Macher der Demo für alle die weibliche Seite der Pegida-Medaille sind. Vordergründig demonstrieren sie gegen den queer-freundlichen Bildungsplan in Baden-Württemberg, wünschen aber eigentlich alles zu Hölle, was unter dem Kürzel LGBTIIQ firmiert. Bei den Rechten ist Familienpolitik Frauensache. Deshalb verbeißt sich Richter so in seine schrille Protagonistin Beatrix von Storch sowie die CDU-Frauen Birgit Kelle und Hedwig Freifrau von Beverfoerde – weil sie die sozialpolitischen Sidekicks des Mainstreams von Pegida-Mackern wie Lutz Bachmann sind.
Aber müssen es deshalb gleich "hässliche Frauen" sein, so nämlich der ursprüngliche Titel von "FEAR"? Zeiten des Kulturkampfs sind selten feinsinnige Zeiten. Ja, Satire darf alles, in Zeiten wie diesen sowieso. Aber Misogynie bringt dann auch niemanden weiter.
Georg Kasch, Jahrgang 1979, ist Redakteur von nachtkritik.de.
Er studierte Neuere deutsche Literatur, Theaterwissenschaft und Kulturjournalismus in Berlin und München. In seiner Kolumne "Queer Royal" versucht er, jenseits heteronormativer Grenzen auf Theater und Welt zu blicken.
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