Medienschau: Tagesspiegel – Über die Doppelspitze als Leitungsmodell

Modell der Zukunft?

Modell der Zukunft?

1. Oktober 2023. Christiane Peitz und Rüdiger Schaper, die das Kulturresssort des Tagesspiegels – so verrät auch ein Nachspann zum Text – fast 15 Jahre als Doppelspitze leiteten, gehen ebendiesem Führungsmodell bei Kulturininstitutionen auf den Grund.

Aufhänger des Essays sind jüngste Ereignisse um Führungsteams, die schnell wieder abgesetzt wurden: das von Monika Grütters installierte Tandem bei der Berlinale (Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek) und das Dreiergespann Olena Apchel, Carolin Hochleichter und Joanna Nuckowska, das gemeinsam die Ausgabe 2023 des Berliner Theatertreffens leitete – und nun mit Nora Hertlein-Hull erneut eine "alleinverantwortliche" Einzelleitung bekommt. Grundsätzlich sei Arbeitsteilung bei "großen Tankern" eine gute Sache, schreiben die Autor:innen. "Tatsächlich sind Doppelspitzen in größeren Institutionen gang und gäbe, weil praktisch. Hier der künstlerische und da der kaufmännische Spitzenjob (....)". In Zeiten von Mee-too und "New Work" sei die Governance-Frage "zunehmend ideologisch eingefärbt", ist eine These des Textes. Gern werden Leitungsteams als "Allheilmittel gegen verkrustete Hierarchien gehandelt, als Garantie für Augenhöhe, Wertschätzung und Achtsamkeit am Arbeitsplatz".

An einigen Beispielen auf dem "Experimentierfeld" der Berliner Kultur, insbesondere der Theaterlandschaft, machen Schaper und Peitz ihre Beobachtung fest: "Theater und Tanz, das geht sowieso nur im Kollektiv, bei den Proben, in der Performance. Die Frage aber bleibt, wer die Verantwortung trägt am Ende." Modelle wie das aktuelle der Volksbühne, die – so die Autor:innen – von einem "Nicht-Intendanten im nach außen hin nicht einsehbaren Kollektiv" geleitet werde, scheinen ihnen weniger geeignet. Die Doppelspitze hingegen kommt grundsätzlich gut weg: "Die meisten Menschen wachsen ja mit einer Doppelspitze auf. (...) So oder so, was in der Partnerschaft und der Familie gilt, lässt sich auch auf die Berufswelt anwenden. Eine zu starre Arbeitsteilung schadet auf die Dauer, entscheidend sind Vertrauen, Sympathie und Respekt vor den Fähigkeiten und Eigenarten des anderen sowie die Durchlässigkeit des Systems." Und noch weitere Gründe Doppelspitze fallen den Autor:innen ein, warum die Doppelspitze in die Gegenwart passt.

(Tagesspiegel / sdre)

Kommentare  
Medienschau Doppelspitze: Schaper und Peitz
Ist hinter einer Bezahlwand. Sehnt sich Rüdiger Schaper denn nach einer Doppelspitze zurück? Und was ist aus Christiane Peitz geworden? Der Name war mir unbekannt.
Medienschau Doppelspitze: Wenig Erleuchtung
Auch hinter der paywall bitetet der Artikel wenig Erleuchtung. Doppelspitzen können gut sein. oder auch nicht. Einzelleitungen auch. Einzige echte Erkenntnis: Rüdiger Schaper offenbart, dass er das Ressort nicht allein leitet, sondern als "Doppelspitze".

Liebe*r scarab,
kleiner Hinweis aus der Redaktion: Rüdiger Schaper und Christiane Peitz leiten - wie sie selbst im Text schreiben - das Kulturressort des Tagesspiegels nicht aktuell, sondern haben es fünfzehn Jahre lang geleitet.
Herzliche Grüße aus der Nachtkritik-Redaktion
Medienschau Doppelspitze: Faktoren
Aus meiner Erfahrung hängt der Erfolg einer Doppelspitze von mehreren Faktoren ab:

1. Die beiden Leitenden müssen komplementäre Kompetenzen haben - also ein Fachmann/frau für die Kunst und eine/r für Finanzen, Verwaltung, Management. Das ist bei Doppelspitzen mit mehreren Dramaturgen oder Kuratoren meistens nicht der Fall.

2. Beide müssen vollständig überzeugt von der Kompetenz des anderen in seinem/ihrem Fachgebiet sein, wodurch ein hohes Maß an Vertrauen entsteht.

3. Beide müssen ein gemeinsames Verständnis für die inhaltliche Ausrichtung der Organisation haben.

4. Beide müssen ein gemeinsames Verständnis für die Arbeitskultur (und hier vor allen Dingen: für den Umgang mit den Mitarbeitenden haben) der Organisation haben.
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