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Wiener Festwochen: FPÖ fordert Entlassung von Milo Rau

Gegenwind von allen Seiten

16. Oktober 2025. Politiker der österreichischen Rechtsaußen-Partei FPÖ haben die Entlassung von Milo Rau als Intendant der Wiener Festwochen gefordert. Die Forderung stellten Wiens FPÖ-Stadtrat Stefan Berger und FPÖ-Kultursprecher LAbg. Lukas Brucker auf, berichtet unter anderem die Presse.

Anlass ist der Anfang Oktober auf der Festwochen-Website veröffentlichte "Widerstand Jetzt"-Brief, den Milo Rau inmitten der bereits laufenden Verhandlungen zur Beendigung des Krieges an seine Freund:innen in Kultur-Institutionen gerichtet hat und zum Widerstand gegen die Kriegsverbrechen in Gaza aufruft.

Gegen den Aufruf hatte sich daraufhin eine Gruppe österreichischer Künstler*innen und Autor*innen in einem Offenen Brief an Milo Rau gewendet und ihm eine "Absage" erteilt. Unterzeichnet haben das Schreiben unter anderem die Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, die Schauspielerin Dörte Lyssewski und Autor*innen wie Doron Rabinovici. Auf nachtkritik.de hat Theatermacher Alexander Karschnia in einer Erwiderung auf Rau aufgeschrieben, warum Rau aus seiner Sicht mit seinem polarisierenden Aufruf die Rolle verkennt, die Kultureinrichtungen bei der Wahrung des gesellschaftlichen Friedens spielen sollten.

Vor zwei Tagen, also noch vor Bekanntwerden der FPÖ-Forderung, hat Milo Rau auf die Reaktionen geantwortet und betont, dass ihnen allen "der Kampf gegen Antisemitismus und den Wiederaufstieg der extremen Rechten gemeinsam sei". Unter anderem heißt es: "Was meine Haltung zum Wiederaufstieg antisemitischer Tendenzen in Europa angeht, habe ich vielleicht am klarsten in meiner Laudatio auf das Jüdische Museum Hohenems vor einem Jahr oder in meiner schon etwas älteren Rede zur Eröffnung der Hannah-Arendt-Tage zum Ausdruck gebracht". 

Milo Rau reagierte damit auf den Vorwurf des Offenen Briefes u.a. von Elfriede Jelinek, ihm gehe es nicht um die Menschen in Gaza und Israel. Er wolle "Aufmerksamkeit und Quoten – und zwar auf Kosten des jüdischen Lebens in Österreich". Läge Rau "irgendetwas an dem Ende des Krieges, würde er für den Deal eintreten, der nun auf Geiselbefreiung, auf einen Waffenstillstand, auf Entmachtung der Hamas und eine bessere Zukunft für Gaza hoffen lässt."

(presse.at / ots.at / sik)

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Kommentare  
FPÖ gegen Milo Rau: Berichtigung
Vielen Dank für die Zusammenfassung. Eine kleine Berichtigung: Milo Raus „Brief“ erschien am 4. Oktober morgens in 15 Ländern parallel, eine Woche vor Waffenstillstand, an einem Tag, als der Krieg noch in vollem Gang war, in ganz Europa Millionen auf den Straßen, Italien, wo Milo Rau inszenierte, war im Generalstreik gegen den Krieg und die Besatzung der Flotilla in israelischer Haft. Der „Brief“ war und ist eine Solidarisierung mit der zivilgesellschaftlichen Bewegung, in Europa, Israel, der ganzen Welt, die den Krieg stoppen wollte - was zum Glück gelang. Die „Absage“ hinwiederum kam eine knappe Woche später, am Tag des Waffenstillstands, dem 10. Oktober.

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Liebe Judith Staudinger,
der 20-Punkte-Friedensplan war bereits Ende September erschienen, entsprechende Verhandlungen liefen zum Zeitpunkt der Briefveröffentlichung. Daher ist die Formulierung in der Meldung nicht falsch.
Mit herzlichen Grüßen
Ihre nachtkritik.de-Redaktion
FPÖ gegen Milo Rau: Framing
Danke Judith für Deine Zusammenfassung! Es ist immer journalistische Wahl, wie Dinge "geframt" werden, was also in einen Zusammenhang gestellt wird und was nicht. Raus Brief in den Zusammenhang von Friedensverhandlungen zu stellen, deren Ausgang Anfang Septemeber so ungewiss waren, wie in der Woche, in der der offene Brief erschien, ist eine Möglichkeit. Es ist aber auch eine Sichtweise auf den Kontext zu verweisen und diesen genauer zu erklären, der sich aus den Streiks und Demonstrationen in Italien und darüber hinaus ergeben würde. Das ergäbe eine anderes Bild. Am Ende wäre sogar beides möglich und eine Raum täte sich auf, in dem ich mich als Leserin journalistisch begleitet fühlte.
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