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Philharmonie Essen: Breiter Protest gegen AfD-Miete
Die Philharmonie Essen © Bernadette Grimmenstein
27. Juni 2024. Mitarbeiter*innen und Leitung der Theater und Philharmonie Essen wehren sich gegen die Nutzung ihrer Theaterräumlichkeiten durch die AfD. Die Partei plant im Nachgang des bevorstehenden Parteitags (am 29. und 30. Juni in der Grugahalle Essen) in der Essener Philharmonie am 5. September 2024 einen "Bürgerdialog". Obwohl die Miete noch nicht vertraglich vereinbart sei, wirbt die AfD bereits für diese Veranstaltung auf ihrer Homepage.
In einem Offenen Brief, den bis dato 426 Mitarbeitende unterschrieben haben, heißt es dazu: "Vieles, wofür die AfD steht, ist unvereinbar mit dem, wofür wir als Kulturinstitution eintreten. Auf unseren Bühnen verhandeln wir in den verschiedenen Kunstformen Konzepte einer offenen Gesellschaft und bekennen uns klar gegen Antisemitismus, Rassismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, wie zum Beispiel gegen Trans*-Menschen und Menschen mit Behinderung. Unsere Bühnen sind Räume der Demokratie, Vielfalt, Akzeptanz, Teilhabe und Menschlichkeit. Sie sind Räume für alle Bürger*innen der Stadt Essen und darüber hinaus." (hier der Offene Brief im kompletten Wortlaut)
Die Essener Theaterleitung stellt sich in einer eigenen Presseaussendung ausdrücklich hinter die Initiative der Mitarbeiter*innen und nimmt wie folgt Stellung:
"Die Theater und Philharmonie Essen mit ihren 775 Mitarbeitenden aus 41 Nationen steht für Vielfalt, Demokratie und eine offene Gesellschaft. Diese Werte finden sich in unseren Programmen, und wir leben diese gemeinsam sowohl in der Theaterleitung wie auch als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Eine Partei, die diese Grundwerte in Frage stellt, ist auf unseren Bühnen nicht willkommen. Wir stellen uns spaltenden Tendenzen und Populismus entgegen. Ebenso lehnen wir jede Form von Extremismus ab, der die Menschenwürde in Frage stellt. Wir stehen an der Seite unserer Mitarbeitenden und übernehmen die Verantwortung, diese zu schützen."
Die Stellungnahme ist von der kompletten Theaterleitung unterzeichnet:
- Fritz Frömming, Geschäftsführer Theater und Philharmonie Essen
- Inna Knospe und Viktoria Breit, Prokuristinnen Theater und Philharmonie Essen
- Dr. Merle Fahrholz, Intendantin Aalto Musiktheater und Essener Philharmoniker
- Ben Van Cauwenbergh, Intendant Aalto Ballett Essen
- Armen Hakobyan und Marek Tůma, designierte Intendanten Aalto Ballett Essen
- Selen Kara und Christina Zintl, Intendantinnen Schauspiel Essen
- Marie Babette Nierenz, Intendantin Philharmonie Essen
(Theater und Philharmonie Essen / chr)
Update vom 27. August 2024. Laut Pressestelle der Theater und Philharmonie Essen GmbH (TUP) wurde der Mietvertrag mit dem von der AfD geplanten "Bürgerdialog" von der TUP-Geschäftsführung am 10. Juli 2024 unterschrieben, "um rechtssicher zu handeln". Die Unterzeichnung erfolgte nach Abstimmung der TUP-Geschäftsführung mit dem Geschäftsbereich "Recht, öffentliche Sicherheit und Ordnung" der Stadt Essen.
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In der Regel ist es so: Institutionen in öffentlicher Trägerschaft müssen im nicht-künstlerischen Bereich (also zB bei Hausvermietungen) politisch neutral sein. Sie müssen also an alle nicht-verbotenen Parteien vermieten oder an keine Partei. Deshalb vermieten viele Theater grundsätzlich nicht an Parteien, um genau das zu vermeiden. Die AfD hat sich schon an einigen Orten eingeklagt, weil auch an Die Grünen oder CDU oder SPD vermietet worden war. Oder es gibt an dem Termin eine Probe oder andere Veranstaltung und es geht leider nicht. Dafür muss die Institution aber rechtzeitig wach sein. Jetzt ist es dafür auch zu spät.
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