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Beschäftigungsrückgang im Schauspiel

5. September 2025. Einen Rückgang der Beschäftigung  im Schauspiel und daraus folgend enorme wirtschaftliche Einbußen vermelden die Schauspielgewerkschaft BFFS und der Agenturen-Verband VdA in einer gemeinsamen Pressemitteilung. Mehr als zehn Prozent unter dem üblichen Niveau lagen die Beschäftigungszahlen für Schauspieler*innen laut Bundesagentur für Arbeit im Jahr 2024. 

Von durchschnittlich 6.200 pro Tag beschäftigten Schauspieler*innen – in einer befristeten sozialversicherungspflichtigen Anstellung am Theater, vor der Kamera oder dem Mikrofon – sank  die Zahl auf nur 5.505 Beschäftigte. BFFS und VdA zufolge entspricht das einem Beschäftigungsrückgang von 11,21 Prozent im Vergleich zum bisherigen langjährigen Durchschnitt. Die Zahlen seien noch dramatischer als während der Corona-Pandemie, so der Bundesverband Schauspiel e.V. (BFFS) und der Verband der Agenturen für Film, Fernsehen und Theater (VdA). Rückmeldungen für das Jahr 2025 ließen zudem darauf schließen, dass die Beschäftigungsquote, die auf Grundlage der absoluten Zahl von 16.000 Schauspieler*innen in Deutschland ermittelt wird, in diesem Jahr noch niedriger liegen könnten. 

Als Gründe für die sinkende Beschäftigungsquote nennt die BFFS-Vorsitzende Leslie Malton in der Pressemitteilung einen auf Unterfinanzierung beruhenden Produktionsrückgang bei den öffentlich-rechtlichen Sendern, den wichtigsten Auftraggebern der Filmbranche. Zudem sei die deutsche Filmförderpolitik international nicht konkurrenzfähig, die Werbeeinnahmen der Privatsender brächen ein und die Aufträge der Streamingdienste stagnierten. "In der Kulturpolitik und an vielen Theatern wird der Rotstift angesetzt und außerdem droht KI, unsere Arbeit zu ersetzen, vor allem im Synchronbereich" – laut Malton "düstere Aussichten". " Die Auftrags- und wirtschaftliche Notlage müsse möglichst bald überwunden werden, damit den Schauspieler*innen und den Mitwirkenden der anderen Gewerke wieder genügend Engagements angeboten werden können, heißt es in der Presemitteilung.

Der BFFS, kurz für Bühne, Film, Fernsehen, Sprache, wurde 2006 als Verband und Gewerkschaft gegründet und ist mit mehr als 4.300 Schauspieler*innen eigenen Angaben zufolge die größte nationale Schauspielorganisation und mitgliederstärkste Berufsvertretung der deutschen Film-, Fernseh- und Theaterlandschaft. Im Verband der Agenturen für Film, Fernsehen und Theater e.V. schlossen sich 1998 in Berlin 16 Künstleragenturen zusammen, um die Interessen privater Künstleragent*innen in den Bereichen Film, Fernsehen und Bühne im deutschsprachigen Raum zu vertreten. Die aktuell 41 Mitgliedsagenturen mit rund 65 Agent*innen repräsentieren laut VdA mehr als 1.900 Schauspieler*innen, Regisseur*innen, Autor*innen und weitere Gewerke.

(BFFS & VdA / eph)

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Kommentare  
Beschäftigungsrückgang Schauspiel: Absolut vorhersehbar
Aus der Sicht eines Theaterverantwortlichen bleibt nur festzustellen, dass diese Entwicklung absolut vorhersehbar war und von den Theatern auch entsprechend warnend kommuniziert wurde. Auch in Richtung der Gewerkschaften und Verbände. So einfach ist es:
1. An den meisten Häusern ist das Geld chronisch knapp, weil die Zuschüsse der öffentlichen Hand schon immer hinter den Kostensteigerungen im tariflichen und sachlichen Bereich zurückblieben. Diese Situation hat sich durch die rigorosen Sparmaßnahmen, die in den kommunalen Haushalten derzeit vollzogen werden (müssen), eher noch weiter verschlechtert denn verbessert. In der derzeitigen Situation von den Trägern nennenswert mehr Geld zu bekommen - ist machen wir uns bitte nichts vor! - ausgeschlossen. Dafür ist aus Sicht der breiten Öffentlichkeit und auch der verantwortlichen in der Politik Theater einfach zu nebensächlich - jenseit vollmundiger und folgendloser Sonntags-Reden und -Statistiken.
2. In diese Entwicklung und damit leider zur absoluten Unzeit kommen die massiven und kompromisslosen Begehren (deren weitestgehende Berechtigung aus Arbeitnehmerperspektive gar nicht abgestritten werden soll) der organisierten Arbeitnehmervertretungen in der jüngsten Zeit, die die Kosten für die Realisierung des "Status Quo" extrem in die Höhe treiben. Und ja, auch ein zusätzlicher freier Tag oder eine langfristigere, starrere Probenplanung kosten schlichtweg einfach Geld.
3. Die Theaterleitungen stecken also in der Situation, bei stagnierenden Mitteln und steigenden Preisen trotzdem ihre Budgets einhalten zu müssen. Wenn ein Apfel bisher 1,00 € kostete und ich nach wie vor nur 100 € zur Verfügung habe, dann kann ich mir, wenn der Apfel nun 1,30 € kostet (auch wenn er das sicher wert ist) eben nicht mehr 100 Äpfel sondern nur noch 80 Äpfel leisten.
1. + 2. macht 3. Das lernt man schon in der ersten Grundschulklasse. Insofern fehlt mir im Statement der Gewerkschaften schon ein wenig der eigenkritische Hinweis auf ihre Mitverantwortung der Situation.
Beschäftigungsrückgang Schauspiel: Erwartbare Entwicklung
Als Geschäftsführer eines Staatstheaters spüre ich diese Entwicklung unmittelbar. Die neuen Regelungen im NV Bühne haben dazu geführt, dass wir unseren Gästeetat deutlich reduzieren mussten. Auch die neuen Ausfallgagen zwingen uns, vorsichtiger und insgesamt mit weniger Gästen zu planen. Das schränkt unsere künstlerische Vielfalt ein – ist aber unter den gegebenen finanziellen Rahmenbedingungen unausweichlich.

In der Vergangenheit haben sich Geschäftsführer und Intendanten nachdrücklich für Verbesserungen im NV Bühne eingesetzt – oftmals auch in enger Abstimmung mit den Gewerkschaften. Dies ist jedoch mittlerweile gekippt. Während die Erhöhung der Mindestgage ein großer Erfolg war, den wir voll unterstützt und begrüßt haben, werden manche der neuen Regelungen inzwischen in Teilen nicht mehr nachvollziehbar. Was als notwendige und richtige Korrektur begonnen hat, droht nun in Schieflage zu geraten.

Die Verantwortung für diese Entwicklung liegt nicht allein bei den Theatern oder den Trägern, sondern auch in den Strukturen, die von allen Beteiligten – Politik, Gewerkschaften, Verbänden und Leitungen – gemeinsam mitverursacht wurden. Solange an dieser Grundkonstellation nichts geändert wird, bleibt die Situation ein Kreislauf aus steigenden Ansprüchen und sinkenden Möglichkeiten.
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