von Sascha Westphal
Castrop-Rauxel, 17. Oktober 2020.
Es ist wie ein Rausch, der Gereon Rath erfasst. Er, der den deutschen Gruß ablehnt und ihn meist nicht einmal andeutet, kann gar nicht mehr aufhören, "Heil" zu brüllen. Den rechten Arm stramm nach oben gestreckt steht der von Maximilian von Ulardt gespielte Berliner Kriminaloberkommissar allein im Zentrum der Bühne und gibt sich der Inszenierung der Macht hin. Es hat ihn im September 1935 nach Nürnberg auf den Reichsparteitag der Nationalsozialisten verschlagen. Aus einem Lautsprecher dröhnte eben noch eine Rede Adolf Hitlers, und nun kann auch Rath nicht mehr an sich halten. Er fällt ein in die "Sieg Heil"-Rufe, bis er sich gänzlich verausgabt hat. Dann verstummt er, und es ist, als wache er aus einem finsteren Traum auf. Plötzlich beginnt er, wie verrückt zu würgen. Etwas muss wieder aus ihm raus und lässt sich doch nicht einfach so ausspeien.