Schande - Luk Perceval stellt an den Münchner Kammerspielen weiße Schuld vor schwarzer Kulisse aus
Zwischen farbigen Schaufensterpuppen
von Sabine Leucht
München, 20. Dezember 2013. Da haben wir es wieder: das Schauobjekt. Gerade hat man in München das Problem diskutiert, das Schauspieler mit anderer Hautfarbe oder vermeintlich sichtbarer fremder Herkunft mit dem Theater haben (oder das Theater mit ihrem klischeebefreiten Einsatz), da kommt Luk Perceval in die Stadt und castet derer drei, damit sie in seiner kaum dramatisierten Version von J. M. Coetzees Roman "Schande" die Schwarzen spielen: Die Nutte, die sich der liebeskomplikationsüberdrüssige Kommunikationswissenschaftler David Lurie einmal wöchentlich zur Triebabfuhr leistet, den Vergewaltiger, der Luries Tochter Lucy auf ihrer Farm überfällt – und den Nachbarn Petrus, der Lucy den Schutzraum der Ehe anbietet für das Land, das die weiße Frau mit einer Hundepension, ein wenig Landwirtschaft und großer Bereitschaft zur Demut zu ihrer Zuflucht machen wollte.
La Cousine Bette - Frank Castorf zelebriert mit Honoré de Balzacs Gesellschaftsroman an der Berliner Volksbühne das schubsende Theater
Raserei im Asia Quick
von André Mumot
Berlin, 19. Dezember 2013. "Wer hat an der Uhr gedreht? Ist es wirklich schon so spät?", singt das Ensemble am Schluss. Und, ja: Es ist wirklich schon so spät. Schon nach Mitternacht. Aber aufhören wollen sie nicht, ganz gleich, wie erschöpft wir alle sind, lieber noch was singen und Faxen machen. Also baut sich Alexander Scheer als greiser Opa Hoppenstedt im Nachthemd vor dem Publikum auf und spielt zusammen mit Marc Hosemann noch ein bisschen Waldorf und Statler. "Wie hat dir die Vorstellung gefallen?" – "Nicht so gut. Ich habe sie aber auch unter ungünstigen Umständen gesehen – bei offenem Vorhang."
Fahrerflucht/Fluchtfahrer - In Stuttgart kombiniert Dominic Friedel zwei Texte von Alfred Andersch und Philipp Löhle
Schuld, Moral, Sühne reloaded
von Steffen Becker
Stuttgart, 18. Dezember 2013. "Bayer, Gymnasiast, Illegaler, Deserteur, Unzufriedener, Brillenträger, Autotourist, konkreter Journalist für seltene Fälle, existenzielle Intelligenz als Hörspielschreiber" – so wird Alfred Andersch im Programmheft zu "Fahrerflucht / Fluchtfahrer" am Schauspiel Stuttgart beschrieben. Eine Charakteristik, so bunt kombiniert, wie es im Schaffen des Hörfunkautors als auch im Prinzip des Theaterabends angelegt ist. Andersch war einer der ersten Künstler, die das Medium Radio zu Montagen nutzten. Im Foyer des Schauspiels verschränken sich an einer Hörstation etwa Beatgedichte, ein Bericht über James Dean und eine Boxreportage zu einem Generationenporträt. Im Bühnenraum wird Anderschs Werk selbst montiert. Seine "Fahrerflucht" von 1957 trifft auf den "Fluchtfahrer", mit dem der Autor Philipp Löhle 2013 die gleichen Themen in einem anderen Setting behandelt – Schuld, Moral, Sühne reloaded.
Regie: God's Entertainment
Regie: Tiit Ojasoo & Ene-Liis Semper
Regie: Helene Hegemann
Regie: Stephan Huber
Regie: norton.commander.productions
Regie: The Nielsen Movement
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