Ein Teil der Gans im Haus der Lüge - Am Zürcher Neumarkt leistet Simone Blattner Wiedergutmachung an der Martin Heckmanns-Komödie
Eine Erlösung
von Julia Stephan
Zürich, 27. September 2014. Als Martin Heckmanns' Boulevardstück "Ein Teil der Gans" 2007 am Deutschen Theater in Berlin zur Uraufführung kam, zerrupfte Kritiker Wolfgang Behrens ungerührt dessen witzlose Umsetzung. Nur das Stück selbst verschonte er damals: "Ja, Martin Heckmanns hat ein Boulevardstück geschrieben. Aber aufgeführt wurde es noch nicht", schrieb er, und machte Regisseur Philipp Preuss für die Pleite verantwortlich.
Der große Gatsby - Peter Kastenmüller zeigt den großen Gatsby am Zürcher Theater Neumarkt als linde Sit-down-Comedy
Kleiner Mann, was nun
von Christoph Fellmann
Zürich, 14. März 2014. Dieser Abend hat einen Refrain, das ist "Mr. Bojangles". Das alte Lied von Jerry Jeff Walker erzählt von einem Straßenkünstler, der in seinem Leben sehr große Sprünge machte, um dann ganz leichtfüßig wieder auf der Erde zu landen. Ein Traumtänzer, oder, wie man heute sagen würde, "eine Blase". Jay Gatsby nennt sich an diesem Abend einmal so, und immer, wenn das Lied spielt und der Applaus rauscht, kommt er nach vorne an die Rampe, um ein paar Steps anzudeuten. Bloß, die Blase ist geplatzt, Mr. Bojangles ist alt und Mr. Gatsby tot und nur seine Schuhe glänzen zum Abschied. Applaus. Aber auch der ist nur eine Rückblende.
Werther - Das Zürcher Theater Neumarkt lädt Goethes Briefroman mit Texten von Roland Barthes auf
"Ich habe – ich weiss nicht"
von Claude Bühler
Zürich, 11. Januar 2014. Wer nach der Aufführung durch das nahe gelegene Vergnügungsviertel Niederdorf spaziert, fühlt sich auf Schritt und Tritt an die eben vergangenen 90 Minuten erinnert, sieht, wie sehr es Regisseurin Laura Koerfer und Dramaturgin Fadrina Arpagaus gelungen ist, das Aufwühlende jugendlichen Liebeswahns in heutige Bilder zu packen. Könnte mancher der jungen, aufgeladenen Typen vor den Diskotheken, die in Winterskälte im T-Shirt ihre Muskeln zeigen, nicht ebenso wie Maximilian Kraus mit glänzenden Augen den Werther zitieren und hervorstoßen: "Ich werde sie sehen! und da habe ich für den ganzen Tag keinen Wunsch weiter." Und lassen die jungen Girls in den Diskotheken nicht zu "What is love" von Haddaway im Taumel ihre Haarpracht fliegen wie es Yanna Rüger tut, den Glitzerschmuck im Gesicht? Oder stammeln: "Ich habe eine Bekanntschaft gemacht, die mein Herz näher angeht. Ich habe – ich weiss nicht."
Arrivals I - Neuintendant Peter Kastenmüller arbeitet am Zürcher Neumarkt-Theater mit Migranten zum Thema Leben in Ankunftsstädten
Zürich, offene Stadt?
von Claude Bühler
Zürich, 3. Oktober 2013. Der Start sieht aus wie eine Hinwendung zum italienischen Kino des Neorealismus: Peter Kastenmüller eröffnete vergangene Woche seine Intendanz am Neumarkttheater mit seiner Bühnenversion von Luchino Viscontis Rocco und seine Brüder – dies unter dem saisonalen Überthema "Offene Stadt", was an einen anderen Klassiker der Epoche erinnert: an "Rom, offene Stadt" von Roberto Rossellini. Dem Realismus scheint Direktor Kastenmüller allerdings auf neue Art auf die Spur kommen zu wollen. Er macht es sich nicht leicht. Und uns auch nicht: bei seiner "Rocco"-Inszenierung über die süditalienische Familie, die im reichen Mailand ankommt und scheitert, bekundeten die Rezensenten Mühe angesichts der abstrahierenden Erzählformen.
Regie: Peter Kastenmüller
Regie: Andreas Kriegenburg
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