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20. Januar 2021. Der Münchner Merkur (19.1.2021) berichtet über die Essener Agentur "Kulturexperten", die zuletzt mehrmals beratend bei Besetzungen von Intendanzen mitwirkte. Die "Kulturexperten" werden in dem Text als Headhunter bezeichnet. Zuletzt sollen sie bei der Besetzung der Intendanzen in Regensburg, Annaberg-Buchholz und Schwerin involviert gewesen sein.

Für gewöhnlich entscheidet entweder die Kulturpolitik allein über Spitzenposten oder sie folgt der Empfehlung einer Auswahlkommission. Dass private Firmen Bewerbungen sichten, bezeichnet der Autor des Artikels Markus Thiel als neues Verfahren und als "umstritten". "Auf welcher Grundlage die Entscheidungsprozesse einer Privatfirma ablaufen, wie sie ihre Kandidatinnen und Kandidaten rekrutiert, ob es zur verdeckten Günstlingswirtschaft komme oder schwarze Listen existieren, all dies sei nicht nachprüfbar", fasst Thiel Bedenken von Kritikern zusammen.

Oliver Scheytt, Geschäftsführer der Kulturexperten, weist die Vorwürfe zurück: "Ich entscheide ja nicht selbst, sondern sorge vor allem dafür, dass die Entscheidungen der Rechtsträger möglichst qualifiziert sind", sagt Scheytt. "Die Auswahlverfahren für Intendantenposten würden besser werden, wenn in den Findungskommissionen nicht immer dieselben Mitglieder zusammenkämen."

Dem stehen anonyme Aussagen entgegen, es handle sich bei Scheytt und seiner Agentur um einen "Monopolisten", der zudem bestimmte Personen protegiere. Zudem würden durch das Verfahren Entscheidungsträger nicht mehr angehalten, den Personalmarkt im Blick zu haben. "Was bedeutet: Wer sich auf Privatfirmen verlässt, hat keinen Antrieb mehr, sich selbst über die Kulturszene zu informieren. Oft mit entsprechenden Folgen", schließt der Artikel.

(Münchner Merkur / miwo)

 
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