Medienschau: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung – Theater in Gefahr

Das Geld wird wieder knapp

Das Geld wird wieder knapp

2. Januar 2022. Doppelt gefährdet sieht der Präsident des Deutschen Bühnenvereins und Kultursenator der Hansestadt Hamburg Carsten Brosda die deutschen Theater. Einerseits durch die Einnahme-Ausfälle an der Kasse, andererseits auch durch die knapp werdenden Finanzen der Kommunen als Hauptförderer.

Brosda rief in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung seine Kolleg:innen in der Politik dazu auf, die Theater nicht zu vergessen. Der Aufruf steht am Ende eines längeren Artikels im Wirtschaftsteil, in dem Ralph Bollmann und Kevin Hanschke unter anderem das Paradox untersuchen, dass besonders die an der Kasse weniger erfolgreichen Theaterhäuser finanziell gestärkt aus der Pandemie hervorzugehen scheinen. Der Grund dafür liegt darin, dass die Theater in der Pandemie ihre Belegschaften in die Kurzarbeit schicken konnten, wenn die Schließung der Häuser lange genug andauerte. Wer also Geld einsparen konnte, durch Übernahme der Kosten für die Kurzarbeit an den Staat, und wer zugleich ohnehin keine großen Beträge durch Verkauf der Eintrittskarten verdiente, hatte am Schluss mehr in der Kasse, anders als etwa die Semper Oper in Dresden, die 40 Prozent ihres Budgets durch Einnahmen erzielt, eine Summe, die durch Einsparungen per Kurzarbeit nicht erreicht werden konnte.

Auch für die Zukunft sehen die Theater eher grau. Denn nach den Vorstellungsausfällen der Vergangenheit hat das Publikum eine große Zahl von Gutscheinen in den Händen, um die ausgefallenen Aufführungen zu einem späteren Zeitpunkt nachholen zu können. Es sind also jetzt schon ein guter Teil der Plätze in kommenden Vorstellungen verkauft, so dass für diese Plätze keine weiteren Einnahmen an der Kasse erzielt werden können. 450.000 Coupons sind es allein bei den Sächsischen Staatstheatern in Dresden, derweil zugleich nur 249 der 780 im Großen Haus des Staatsschauspiels besetzt werden dürften.

Verschärft wird diese schwierige Situation durch zurückgegangene Abonnementsverkäufe und anhaltende Schwierigkeiten bei der Rückkehr des Publikums bei den meisten Theatern. Bezeichnende Ausnahmen gäbe es trotzdem: etwa Martin Kušejs "Maria Stuart"-Aufführung im Wiener Burgtheater, Barrie Koskys "Orpheus in der Unterwelt" oder "Richard the Kid & the King" von Karin Henkel in Hamburg. 

(jnm)

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