Medienschau: Der Standard – Gründe für den Publikumsschwund

Ära geht zu Ende

Ära geht zu Ende

1. Juni 2022. Im Standard analysiert Uwe Mattheiß heute den auch an den Wiener Theatern merklich angekommenen Publikumsschwund. Es gehe dabei nicht nur um Corona, sondern um einen "dramatischen Wandel gesellschaftlicher Verkehrsformen über nur wenige Monate". 

Auch sei festzuhalten, dass die "Ära eines Bildungsbürgertums, das sich seit dem späten 18. Jahrhundert über die Institutionen einer 'Hochkultur' definiert", nunmehr "beschleunigt zu Ende" gehe, so Mattheiß. Hier der ganze Text.

(Der Standard / jeb)

Kommentare

Kommentare  
#1 Medienschau Publikumsschwund: Wiener MalaiseLuchino Visconti 2022-06-03 05:07
Sehr interessanter Text mit interessanten Leserkommentaren. In einem davon ist nachzulesen, dass die Londoner Theater praktisch immer voll sind ... Meiner Ansicht nach, weil man im englischen Sprachraum - ebenso wie französischen - vom papierenen, an Uni-Proseminare oder falsch verstandene Bildende Kunst erinnernden Dramaturgie-Regie-Theater, das am liebsten die gerade gängigen Politthemen und Ideologien reflektiert, eher wenig hält. Dafür aber möglichst mitreißende Geschichten mit aufregenden Figuren erzählt. Und dadurch viel politischer und natürlich ästhetisch spannender ist als ein Großteil des Theaters, das im deutschen Sprachraum als vorbildlich gehyped und zum Theatertreffen eingeladen wird. In Wien jedenfalls - und Österreich steht im Fokus dieses Artikels - funktioniert das Theater deutscher Art immer weniger, und das ist für eine Stadt, die einst als theaterverrückt galt (Peymann kann es bezeugen), eine kleine Tragödie und ein enormer Verlust (die Auslastung des Volkstheater ist sogar eine große Tragödie). Bedauerlich ist übrigens, dass die auch vorhandenen guten oder sehr guten Abende zunehmend unter den schlechten leiden und nicht mehr ausreichend gewürdigt werden, weil das Publikum teilweise schon das Vertrauen und Interesse verloren hat. Wenn sich nicht bald etwas ändert in Wien (und es sieht leider nicht danach aus, wie die jüngsten Bestellungen von künftigen Wiener Theaterdirektionen durch die Kulturstadträtin Kaup-Hasler zeigen) und man wieder mehr Theater wie in London oder Paris macht, endet eine lange Tradition in sinnloser (Selbst)Zerstörung. Übrigens: Konzerthaus, Musikverein, Staatsoper mit ihrem eher traditionell-klassisch orientierten - aber nicht langweiligen, sondern mit höchster internationaler Qualität aufwartenden - Programm sind wieder gut gefüllt. Die Neuinszenierung von "L'Orfeo" an der Staatsoper gestaltet der Regisseur Tom Morris (bekannt durch das extrem erfolgreiche Londoner "War Horse"). Also: Kein Staubtheater, sondern einfach gutes, modernes, intelligentes Theater wäre die Lösung und Rettung.

Kommentar schreiben