Der Mensch im Zeitalter seiner technischen Machbarkeit

von Kai Bremer

Osnabrück, 6. September 2019. Auch wenn der Abschied von Intendant Ralf Waldschmidt vom Theater Osnabrück erst im Sommer 2021 ansteht, kam gestern zu Beginn des Festivals "Spieltriebe"" bei einigen Bürgerinnen und Bürgern schon Wehmut auf. Als er zum Auftakt der inzwischen achten Auflage des Festivals "Spieltriebe" im Parkett des Großen Hauses am Domhof Platz nahm, um sich Oskar Panizzas "Menschenfabrik" anzuschauen, lächelten ihm viele Menschen herzlich zu. Später, als sich die Zuschauer auf fünf Routen vor dem Theater aufteilten, nickten sie ihm zu, einige sprachen ihn auf das eben Gesehene an. Zugewandt wechselte Waldschmidt hier ein Wort, blieb da stehen, ohne die höfliche Distanz aufzugeben. Der Zuneigung des Publikums für das Theater tat dies keinen Abbruch, der Applaus am Eröffnungsabend spricht für Waldschmidts erfolgreiche Arbeit.

Im Spiegelsaal

von Tim Schomacker

Osnabrück, 18. Februar 2018. Dieses verdammte Gegenläufige. Sollte doch eigentlich so schwer nicht sein. Für Literatur. Die kann ja mit schlauen Verdrehungen, geschickten Verschiebungen manch Klärendes anstellen. Ganz gleich, ob schlussendlich Film, Bühne oder Buch dabei rauskommt. Flüchtlinge, zum Beispiel. Aber irgendwie … Neulich sah ich, wie die sonst so tolle Maria Simon sich im Spielfilm "Aufbruch ins Ungewisse" abmühte mit ihrem programmatisch gegen die Fluchtrichtung gebürsteten Asylbegehren. Vor einigen Jahren Janne Tellers Buch "Krieg – Stell Dir vor, er wär hier". Ist er aber nicht. Hat auch nicht funktioniert. Warum eigentlich nicht? Sollte sie doch eigentlich schaffen, diese Literatur. Manche sagen, dafür wär sie da. Auch. Zumindest.

Theaterboulevard der Erinnerungen

von Kai Bremer

Osnabrück, 1. September 2017. Kurz vor 23 Uhr, am Ende der 7. Spieltriebe, des alle zwei Jahre am Theater Osnabrück stattfindenden Festivals, geht's munter durcheinander. Auf der Bühne im großen Haus tanzen Zuschauer mit Schauspielern, im Parkett klatscht der Teil des Publikums, der sich nicht auf die Bühne wagte, rhythmisch mit Tänzern. Aus den Lautsprechern erklingen Satzfetzen aus den Inszenierungen, die in den letzten knapp sechs Stunden zu hören waren, etwa der aus dem Rechercheprojekt "Ins Blaue", dass "aus Sicherheitsgründen" für die Zuschauer immer die Grenze zwischen Theater und Leben erkennbar bleiben müsse. Die droht in der ausgelassenen Stimmung zwar nicht zu verschwinden. Gleichwohl aber knallt es, Luftschlangen schießen in den Bühnenhimmel: Die Party nach dem Festival kann beginnen.

Drei Farben Weiß

von Kai Bremer

Osnabrück, 29. Oktober 2016. Bei der Uraufführung von Stefan Hornbachs "Über meine Leiche" in Osnabrück erinnert man sich schon nach wenigen Momenten unweigerlich an Rimbauds Sentenz "Ich ist ein Anderer". Spätestens nämlich, wenn klar wird, dass Regisseurin Marlene Anna Schäfer dem schlaksigen, in einem weinroten Pullover steckenden Janosch Schulte als krebskranken Friedrich eine Figur als Alter Ego, gespielt von Thomas Halle, zur Seite stellt. Immer wieder spricht auch Halle Passagen von Friedrich, bevorzugt die selbstreflexiven über die Menschen und das Leben an sich. Optisch unterstützt wird das, wenn Halle sein graues Hemd zeitweilig gegen ein T-Shirt in der Farbe von Friedrichs Pulli eintauscht.

Gogol, Gags und Gulag

von Tim Schomacker

Osnabrück, 20. August 2016. Schöne Theke. Lang und schwarz, mit dunklen Hockern davor. Dahinter Regale mit winzig leuchtendem, mit Transistorradio, Pokal und Fernseher. Daneben ein graues Telefon an der Wand. Mit Wählscheibe. Darüber ein langer schwarz eingefasster Leuchtkörper. Der Wirt ist weg. Verstorben vor drei Wochen, wie sich später herausstellt. Der Schankraum öffnet sich trapezförmig Richtung Publikum. Die Wände in diffus dunklem Grün. Unten gesäumt von dunkelbraunen Paneelen, deren breiter Wandstreifen gelegentlich mit einer Tür von nämlicher Farbe und Maserung nach oben ins Grün hinausgreift. Der Raum ist wichtig, denn dieser Abend hat nur den einen.

Und es gibt doch ein Happy-End!

von Kai Bremer

Osnabrück, 27. Mai 2016. Die Geschichte der DDR-Kinder von Namibia kennt kein Happy End. Im Dezember 1979 kamen sie auf Betreiben der SWAPO in die DDR. Hier sollten sie zu strammen Pionieren und dann Widerstandskämpfern und politischen Eliten für ihre Heimat herangezogen werden. Als die DDR zusammenbricht, bedeutet das das Ende des Programms und die Kinder werden Hals über Kopf in ihre vermeintliche Heimat gebracht.

Ein letztes Glas im Sitzen

von Andreas Schnell

Osnabrück, 19. Dezember 2015. Die alten Entertainer sagen, nichts sei so schwer wie leichte Unterhaltung. Noch schwerer ist es, wenn die Bedingungen so ungünstig sind wie bei der Premiere von "Das Abschiedsdinner" in Osnabrück. Weniger, weil die wegen einer Erkrankung des Schauspielers Oliver Meskendahl um eine Woche verschoben wurde, weshalb es nichts mit der deutsprachigen Erstaufführung des neuen Stücks von Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière wurde – die fand am vergangenen Sonntag in Karlsruhe statt. Zu allem Überfluss entpuppte sich Meskendahls Unpässlichkeit als so hartnäckig, dass er auch eine Woche später nicht spielen konnte, weshalb Tilman Meyn übernahm, der gerade einmal eine Woche Zeit hatte, sich die Rolle anzueignen. Keine kleine Leistung, zumal er den größten Part übernehmen musste.

Tapetentragödie

von Kai Bremer

Osnabrück, 8. November 2015. Information ist und macht Politik. Das ist keine neue Erkenntnis, auch wenn sich die Medien der Übermittlung ändern. Friedrich Schiller stand dieser Umstand deutlich vor Augen, als er "Don Carlos" schrieb. In keinem anderen Stück der deutschen Literatur haben Briefe und der Besitz von Briefen, erlauschte Gespräche und der Versuch, Gespräche zu erlauschen, eine größere Bedeutung als in seinem "dramatischen Gedicht".

Schlaglichter auf die Jetztzeit

von Kai Bremer

Osnabrück, 11. September 2015. Zehn Jahre ist das Osnabrücker Neue-Dramatik-Festival Spieltriebe inzwischen alt. Das wäre durchaus ein Grund gewesen, sich selbst ein wenig zu feiern und ein, zwei Honoratioren für ein paar warme Begrüßungsworte zu gewinnen. Doch auf dem Theatervorplatz wurde gestern Nachmittag zwar eine Rede gehalten, aber nicht vom Bürgermeister, nicht vom Intendanten. Stattdessen sprach ein Vertreter der Globexx Art Foundation darüber, wie gerne sein Unternehmen derartige kulturelle Veranstaltungen unterstütze – Kulturförderungspathos, eine Nuance zu überzogen. So zog man gemächlich weiter, zum Shoppen oder ins Theater, und zuckte kaum zusammen, als es am Ende der Rede noch knallte und ein wenig Lametta in die Luft sauste.

Im Trümmerfeld

von Michael Laages

Osnabrück, 31. Januar 2015. Der Dichter schaut auf seine Stadt. Tag für Tag und vieldutzendfach – quasi an jeder bedeutenderen Straßenecke in Osnabrück erinnert derzeit das Profil des Schriftstellers Erich Maria Remarque an die bedeutendste literarische Stimme, die von hier aus die Welt eroberte; und wie im Jahr des Gedenkens an den Beginn des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren zahlreiche Bühnen Remarques berühmten Roman "Im Westen nichts Neues" neu erarbeiten, so verschrieb sich die Heimatstadt des Autors einem "Stadtprojekt Remarque". In unterschiedlichsten Variationen wird darin vor allem vom Theater seit Beginn der Spielzeit versucht, das Werk des Dichters neu zu erkunden – so mit einem Tanzabend auf der Basis von Remarques berühmten Liebesbriefen an Marlene Dietrich und jetzt mit der Bühnenfassung von Remarques 1956 erschienenem Roman "Der schwarze Obelisk".

Beleidigung des Glücks

von Jens Fischer

Osnabrück, 24. Januar 2015. Wir befinden uns in den 1970er Jahren. Also flankieren ganz fiesfarbig bekringelte Tapetenmuster den Ort, die Bodenwelle, das Bühnenbild. Kindlich Verspielte und übermütig ineinander Verknallte animiert das zum ganz realen Herunterrutschen – was natürlich auch symbolisch gemeint ist. Denn hinab geht's, eine Beleidigung des Glücks. Wir sollen einer Liebe beim Scheitern zusehen und den Grund dafür in den Traumata eines Flüchtlings erkennen. Nur müsste sie dafür erstmal himmelhoch jauchzen, die Liebe, um dann in einer Lebenssenke losheulen zu können.

MüllerAssoziationsMaschine

von Kai Bremer

Osnabrück, 14. September 2014. Noch im Schlussapplaus wendet sich die Dame zu meiner Linken zu mir und fragt, ob das Stück bei Heiner Müller auch nur drei Schauspieler habe. Der letzte von ihnen, Stefan Haschke, ist just durch eine Klappe im Bühnenboden entschwunden, das Licht aus einer letzten noch leuchtenden Neonröhre unter der niedrigen Decke wird gerade gedimmt. Die Frage treibt die Dame um. Aber ich muss sie enttäuschen: "So ganz eindeutig hat Müller das nicht geregelt", sage ich knapp.

Geschichte und kein Ende

von Tim Schomacker

Osnabrück, 17. Mai 2014. Zunächst gibt es für alle weiße Laborkittel. Was die verschiedene Interpretation von Premierengarderobe angenehm einebnet in einem seitlich mit weißen Leinwänden verhängten, im Wesentlichen von Schwarzlicht beleuchteten Bühnenraum. Da steht man dann erst einmal drin. Hat einen Kittel an und darf sich auf die wenigen kleinen weißen Kuben nicht setzen.

Europäische Doubles

von Kai Bremer

Osnabrück, 14. Dezember 2013. Englische Gegenwartsdramatik ist in der Regel eine Bastion der Kammerspielästhetik: Brav die vierte Wand einziehen, die böse Welt außerhalb durch ein paar Gewaltexzesse und Schimpftiraden ins Haus holen und den Figuren so viele Nuancen gestatten, dass sie ansatzweise als Charakter durchgehen. Autoren wie Simon Stephens, die das gut beherrschen, erlauben sich in ihren Stücken zudem gerne die eine oder andere Spielerei, indem Genrekonventionen durchkreuzt werden und Typen nicht das sind, was sie scheinen. Ein gutes Beispiel dafür ist Stephens' "Three Kingdoms".

Krieg fordert die Söhne

von Kai Bremer

Osnabrück, 25. Mai 2013. "Mutter" ist das letzte Wort, bevor es dunkel wird. "Mutter" sagt Peter. Die hat ihn verlassen und damit das getan, was eine Mutter auf keinen Fall machen darf. Eben ihr Kind seinem Schicksal überantworten. Erst recht nicht im sowjetisch besetzten Niemandsland nach dem Krieg, in der Hoffnung, dass das Kind irgendwie den Weg zu seinem Onkel findet.

Verkehrsberuhigte Zone

von Tim Schomacker

Osnabrück, 8. Februar 2013. Verdeckt man Brustwarzen kreuzweise mit Klebeband, liegen Burleske und Protest nah beieinander. Tierrechte, Prostitutionskritik, Krebsvorsorge: Vermehrt taucht der nackte weibliche Körper auch in Protest- oder Kampagnenzusammenhängen auf. Einserseits hat er es als Kritikträger schwer in der durchsexualisierten, kapitalistischen Landschaft, kann sich jedoch andererseits – wie jüngst die so genannten Slut Walks oder ganz aktuell die Berlinale-Berichterstattung zeigen – der Aufmerksamkeit stets sicher sein. Selbst während des konzertiert verweigerten Beischlafs kenianischer Frauen im Bürgerkrieg im Jahr 2009 mochte der Boulevard von "Bild" bis "Spiegel" nicht verzichten auf die auflagemachende Alliteration: "Sex-Streik". Auch bei Rebekka Kricheldorf, die Aristophanes' Lysistrata-Stoff nun beherzt in die Gegenwart zerrt, hat die Macht im Staat nicht nur wer das Bett, sondern auch wer mit Signalreizen die Medienmaschine in Gang zu setzten versteht.

Die Frage, was Heimat ist

von Kai Bremer

Osnabrück, 7. Dezember 2012. Azar Mortazavi gewann mit ihrem Erstling Todesnachricht immerhin den Else-Lasker-Schüler-Stückepreis. Auch dessen Uraufführung in Kaiserslautern vermochte insgesamt zu überzeugen. Gestern nun kam ihr zweites Drama "Ich wünsch mir eins" in Osnabrück zur Premiere, seit Jahren ein für seine Lust auf Uraufführungen bekanntes Haus. Erst eine Woche zuvor hatte Pelliers Wir waren hier seine deutsche Erstaufführung. Für den Abend gestern war Annette Pullen verantwortlich, die seit der letzten Spielzeit leitende Schauspielregisseurin ist, und das Theater gerade im Hinblick auf die Qualität der Aufführungen einen deutlichen Schritt voran gebracht hat.

Rette sich, wer kann (Der Tod)

von Tim Schomacker

Osnabrück, 30. November 2012. Im Grunde geht es um den allerletzten Punkt, der den allerletzten Satz beendet, der eine Lebenserzählung beendet. Wir waren, Punkt. Und sind nun nicht mehr. Wir sind nämlich tot. "wir lassen einen brief im bungalow", berichten der alte Mann und die alte Frau, "denselben gibt's nochmal der liegt in der küche unseres einfamilienhauses / briefe die erklären sollen / unseren akt erklären sollen / damit sie nicht monatelang suchen müssen wenn sie ein auto mit drei leichen im see auffinden / es sind unsere". Punkt.

Im Wäschegarten der naturalistischen Gespenster

von Tim Schomacker

Osnabrück, 20. Oktober 2012. Kaum merklich bewegen sich die Kleider. In einem Wind, der nirgendwo her kommt. Vier meterlange Kleiderstangen hängen der Höhe nach versetzt hintereinander. Eine Wäschewand. Später offenbart sie ihren Mechanismus. Das Gebilde wird heruntergelassen. Die Klamotten liegen nun fast auf dem Boden, machen Platz für ein Quadrat aus knallweiß lackierten Holzlatten, das sich schauspielend als Wohnung einrichten lässt. Verglichen mit der buntscheckigen Düsternis der Kleiderkammer ändert sich der Gesamteindruck der Spielfläche optisch ums Ganze, wenn Hosen und Hemden heruntergelassen sind.

altGefühlsmaschinen im Land aus Pappe

von Kai Bremer

Osnabrück, 18. Mai 2012. An sich ist es paradox, aber die zu jung Verstorbenen der deutschen Literatur werden von den Theatern landauf landab gern genutzt, um Bildungsauftrag und den Anspruch, hip und lebendig zu sein, miteinander zu verbinden. Kleist traf das im letzten Jahr, heuer ist Büchner dran. Sein Todestag hat sich Anfang 2012 zum 175. Mal gejährt, sein 200. Geburtstag folgt im nächsten Jahr. Clever also, wer gegen Ende der Spielzeit einen Büchner ins Programm nimmt, mit dem er im Herbst in die neue gehen kann, um dessen fortwährende Aktualität zu behaupten. Auch in Osnabrück verfährt man so.

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Kammer statt Spiel

von Kai Bremer

Osnabrück, 25. November 2011. Aus den Lautsprechern scheppern, nicht besonders laut, Schlachtlärm und Trommelwirbel. Ein Knall – und ein riesiges schwarzes Tuch wird zur Seite gerissen. Es gibt den Blick frei auf einen Quader, in dem drei Kammern oben, drei unten mit stählernen Wänden und Böden symmetrisch übereinander angeordnet sind. Die Kammern sind just so hoch, dass die größeren der drei Männer oben und der drei Frauen unten sich leicht in diesem metallenen Setzkasten beugen müssen, wenn sie stehen wollen. Selbst beim Schlussapplaus wird Regisseurin Anne Lenk ihren Schauspielern nicht gestatten aus dem Quader herauszutreten.

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Mehr Roman bitte!

von Kai Bremer

Osnabrück, 15. Oktober 2011. Als 2008 der Roman "Fegefeuer" erschien, war die Resonanz groß. Dass er auf einem zuvor in Helsinki uraufgeführten Stück basiert, wurde in den Rezensionen jedoch nur selten beachtet. Dabei hat Sofi Oksanens "Fegefeuer" im Vergleich zu ihrem konventionell gebauten Drama entschieden weiterentwickelt. Zwar haben beide zwei Handlungsebenen - zum einen die Geschichte der jungen Aliide, die Opfer des Terrors nach dem Einmarsch der Russen in Estland ist und aus Selbstschutz den strammen Stalin-Verehrer Martin heiratet; zum anderen die Geschichte der alten Aliide, die plötzlich vor der Entscheidung steht, ob sie die Prostituierte Zara schützt, die unvermittelt vor der Tür liegt oder sich wieder der männlichen Gewalt ergibt.

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Bikini, Burka, Busengewackel

von Elske Brault

Osnabrück, 2. September 2011. Noch 77 Minuten, dann wird Frau Schirakesch auf dem Marktplatz von Tschundakar gesteinigt. Bis zur Hüfte eingegraben und solange mit Steinen beworfen, bis nur noch Matsch übrig ist, präzisiert Moderatorin Hilda Ludowsky. Sie bereitet mit fünf Gästen eine Schweigeminute für Frau Schirakesch vor – und eine anschließende Gesprächssendung. Denn man müsse "ein Zeichen setzen", "nicht wegschauen". Hinschauen, sprich das Ereignis vor Ort miterleben oder die Fernsehübertragung sehen, darf man aber auch nicht.

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Und noch einmal von vorn

von Heiko Ostendorf

Osnabrück, 3. April 2011. 18 Jahre lang schöpfte niemand Verdacht. Niemand merkte, dass Jean-Claude Romands halbes Leben eine Lüge war, dass er weder Arzt noch bei der Weltgesundheitsbehörde WHO arbeitete und dass er nicht wirklich krebskrank war. Anstatt zur Arbeit nach Genf zu gehen, vertrieb er sich die Zeit mit ziellosen Autofahrten. Sein Leben finanzierte er sich mit von Freunden und Verwandten veruntreutem Geld. Bis hierhin hat diese wahre Geschichte etwas Absurdes und geradezu Komödiencharakter.

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Vom Verwesungsgeruch des Lebens

von Kai Bremer

Osnabrück, den 26. März 2011. Der Rentner Markward (Klaus Fischer) und die alte Schauspielerin Carola (Christel Leuner) stehen vor dem Café Haertel. Hier soll es eine große Kuchenauswahl geben, sagt man. Doch als die beiden Alten die Tür aufstoßen, schlägt ihnen bloß Verwesungsgeruch entgegen. Das Café ist ein Ort, der Hoffnung macht, solange man nur von ihm hört, der aber keine lässt, wenn man ihn betritt.