Wirth, Andrzej

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Begriff Definition
Wirth, Andrzej

Andrzej Wirth, geboren 1927 im polnischen Wlodawa, ist Theaterwissenschaftler.

Wirth promovierte nach seinem Studium der analytischen Philosophie in Lodz und Warschau mit einer Dissertation über Brecht. Diese Arbeit, publiziert auch auf Deutsch, machte ihn auch in Fachkreisen außerhalb Polens bekannt. Auf die Einladung des Berliner Ensembles ging Wirth 1956 für zwei Jahre nach Berlin und nahm Kontakt mit deutschen Akademikern und Literaten auf. Er schloß sich der Gruppe 47 an und wurde als Kritiker, Übersetzer und Herausgeber zum Vermittler zwischen deutscher und polnischer Kultur. Seine zweibändige Anthologie des polnischen modernen Dramas (Luchterhand 1966) beeinflusste die Rezeption des polnischen Theaters in Deutschland. In den sechziger Jahren galt er mit seinem Mitstreiter Jan Kott als einer der bedeutendsten Theaterkritiker Polens.

Seit 1966 lehrte er an den Universitäten von Stanford, Harvard, Yale, Oxford und London, an der City University of New York und der Freien Universität Berlin. Als Theaterkritiker schrieb er über Bertolt Brecht, Jerzy Grotowski, Heiner Müller und Robert Wilson. 1982 gründete er das Institut für angewandte Theaterwissenschaften an der Justus-Liebig-Universität Gießen, das er bis zu seiner Emeritierung 1992 leitete. Sein Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Gründungsjahre Hans-Thies Lehmann schrieb später das Standardwerk "Postdramatisches Theater" und prägte damit einen Begriff, der auf praktisch alle Produktionen der Studierenden und Absolventen des Instituts anwendbar ist. Unter Wirths Leitung tat sich vor allem eine durch Brecht, Müller, Wilson, Gertrude Stein und Rainer Werner Fassbinder geprägte Generation von Autoren-Regisseuren wie Tim Staffel und René Pollesch sowie Regisseure wie Helena Waldmann und Sergio Morabito hervor.

2008 erhielt Wirth den ITI-Theaterpreis, Pollesch hielt die Laudatio, Wirth bedankte sich mit einer Rede. 2013 erschien seine "Gesprochene Autobiografie".

2013-11-06 17:24:04