Medienschau: SZ, FAZ, taz, NZZ – Nachrufe auf Robert Wilson
Ein Solitär
Ein Solitär
3. August 2025. Die Feuilletons würdigen Robert Wilson in ihren Nachrufen. Und seine Kunst, die - auch als Wilson längst kein Außenseiter mehr war - immer einzigartig blieb.
"Nie tat Wilson, was all seine anderen Kollegen taten, nie kümmerte er sich um die Intentionen der Autoren (…) Wilson nahm die eigenen Stücke und die anderer und entführte sie in seine Welt", schreibt Reinhard J. Brembeck in der Süddeutschen Zeitung (1.8.2025). Dass er in den Anfängen eine Zentralfigur der US-amerikanischen Avantgarde war, machte Wilson ihn "für die um so viel strengere Kunstwelt Europas so begehrenswert. Er war der Außenseiter, nach dessen Theater sich hier alle sehnten, ohne es selbst verwirklichen zu können."
"Star von einem anderen Stern" ist auch Andreas Rossmanns Text in der FAZ (1.8.2025) überschrieben, in dem er sich an 'Death, Destruction & Detroit' 1979 an der Berliner Schaubühne erinnert. "Wilson stellte ein Gesamtkunstwerk auf die Bühne, dessen scharf umrissene Bilder nur für sich (und für nichts anderes) stehen, nonverbales Theater mit irritierenden Schatten, Verschiebungen, Ungleichzeitigkeiten und Übermalungen, das, aus der Abhängigkeit vom Text befreit, sich Psychologie und Mimesis verweigert und kein Angebot, keine Aufforderung macht, es mit der Wirklichkeit zu vergleichen." Und immer wieder zeigte er, dass "es noch ein ganz anderes Theater gibt, das in seiner Traumlogik und seinen geometrischen Konstruktionen, seinen Variationen und Wiederholungen an surrealistische Gemälde erinnert. Und dass es ein anderes Zuschauen gibt."
"Die Wahrnehmung zu verändern, den Augenblick zu überhöhen, alte Ordnungsmuster beiseite zu fegen; das waren Gesten der Befreiung, als Robert Wilson Ende der 1960er Jahre in New York seine ersten Performances herausbrachte", so Katrin Bettina Müller in der taz (1.8.2025). Aber "er war nicht nur ein Regisseur von eigenen Theaterstücken und Opern, sondern ein Zeremonienmeister von Licht, Zeit, Klang und Farben". Lange schien er ein Minimalist, der mit der Suche nach Entschleunigung dem Diktat der Zeit zu entkommen suchte, seine Kunst konnte aber auch sehr unterhaltsam und gut konsumierbar werden.
"Und schon wieder muss das Theater Trauer tragen. Nur wenige Tage nach Claus Peymann verstarb am Donnerstag Robert Wilson. Der eine mochte und schätzte den anderen, sie nannten sich Freunde oder ‚wohlwollende Begleiter'", schreibt Bernd Noack in der Neuen Zürcher Zeitung (1.8.2025). Wilson beschäftigte in seinen zahllosen Inszenierungen und Projekten einen ganzen Apparat von Künstlern und Technikern, die seine oft genialen Ideen zuverlässig ins richtige Licht oder den dazugehörenden Schatten rückten. "Aber Robert Wilson blieb einzigartig. Und alle Kopien – allein der Black Rider‘ wurde von jeder grossen und jeder Provinzbühne nachgespielt – erwiesen sich als Abklatsch: Es fehlte die Seele, die versteckte, die einsame, die jede seiner Inszenierungen zum Solitär machte."
(sueddeutsche.de / faz.net / taz.de / nzz.ch / sik)
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