Medienschau: NZZ – Würdigung von Anton Tschechow

Unterirdische Passage zu Beckett

Unterirdische Passage zu Beckett

8. Februar 2026. Vor 125 Jahren wurde Anton Tschechows Drama "Drei Schwestern" am Moskauer Künstlertheater uraufgeführt. Anlass für den Schriftsteller Michail Schischkin, Tschechows Werk in der NZZ zu würdigen.

"Vor Anton Tschechow hatte ein Plot auf der Bühne als unabdingbar gegolten. Doch das Leben hat keinen Plot. Tschechow öffnet die Bühne für die Empfindung des realen Lebens", erläutert Michail Schischkin in der Neuen Zürcher Zeitung. "Das Neue und Ungewöhnliche an Tschechows Stücken war die Abwesenheit von 'Ereignissen'".

Schischkin zeichnet die Linien nach, die von Tschechow in die Dramatik des 20. Jahrhunderts hin zu Samuel Beckett und dem Theater des Absurden verlaufen: "Dialoge sind traditionell dazu da, das Sujet voranzutreiben, Informationen zu liefern, sie geben der Handlung ihre Muskulatur. Tschechows Dialoge handeln von nichts; da reden Leute, die nicht zuhören können, eine unterirdische Passage zum Theater des Absurden. Die drei Schwestern wollen nach Moskau, gehen aber nirgendshin, weil sie auf Godot warten."

Mehr lesen Sie in seinem Essay in der Neuen Zürcher Zeitung (hinter Paywall).

(Neue Zürcher Zeitung / chr)

Mehr zum Thema:

  • Zuletzt sah nachtkritik.de Tschechows "Drei Schwestern" in Weimar (Regie: Adewale Teodros Adebisi) und am Hamburger Thalia Theater (Regie: Anne Lenk) sowie in Bearbeitungen in Zürich (Christina Tscharyiskis Uraufführung der Tschechow-Überschreibung von Barbi Marković) und bei den Salzburger Festspielen (Evgeny Titovs Inszenierung der Opernadaption von Peter Eötvös).
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