Medienschau: Süddeutsche Zeitung – Carsten Brosda im Interview

... dann sind diese Angebote irgendwann weg

... dann sind diese Angebote irgendwann weg

23. Januar 2025. "Wenn man in Zweifel zieht, dass es Aufgabe des Staates ist, Kulturangebote zu gewährleisten, ist man schnell bei der Forderung, dass die Theater, Bibliotheken, Orchester, Museen allein von denen bezahlt werden sollen, die sie nutzen und sich das leisten können", sagt der Hamburger Kultursenator und Präsident des Deutschen Bühnenvereins Carsten Brosda.

Das laufe auf neoliberale Vorstellungen hinaus, die Kultur ungeschützt dem Markt zu überlassen, so Brosda im Interview mit Peter Laudenbach weiter. "Natürlich sind nicht alle kulturellen Angebote auf den Staat als Förderer angewiesen; in vielen Feldern der Kreativwirtschaft geht es vor allem darum, gute Rahmenbedingungen zu schaffen. Aber ohne staatliche Zuwendungen würden zum Beispiel die Eintrittskarten für Theater und Museen relativ teuer. Und wenn sich das immer weniger Leute leisten können, sind diese Angebote irgendwann weg. Deshalb würde ich immer dafür kämpfen, dass sich der Staat hier in der Pflicht sieht."

Vielleicht sei in der Vergangenheit manchnal der Eindruck enstanden, "dass die Politik immer mehr zum Theater wird und sich das Theater umgekehrt vor allem für Diskurs und Politik interessiert". Dieser Rollentausch zwischen Politik und Theater ist aus Brosdas Sicht allerdings nicht hilfreich. "Natürlich kann Theater auch spielerisch und eskapistisch sein. Es ist ja eine ganz heilsame Erfahrung, wenn man sich mal für zwei Stunden aus der Alltagswirklichkeit wegträumen kann."

Weiter sagt Brosda im SZ-Interview: "Wir haben in der Kulturpolitik in den vergangenen Jahren vielleicht manchmal den Fehler gemacht, nur zu sagen, wir fördern Diversität, Nachhaltigkeit, gesellschaftlich relevante Themen, und wenn dabei auch noch Kunst entsteht: Auch fein. Das geht stellenweise bis in die Richtlinien von Förderprogrammen, setzt aber die falsche Priorität. Natürlich ist es dringend notwendig, dass wir Diversität fördern, auf allen Ebenen. Aber das gelingt mit den Mitteln der Kunst am besten, wenn wir ihrer Kraft vertrauen: Lasst uns gute Kunst fördern, dann entsteht die Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Themen von selbst. Die meisten Künstler und Künstlerinnen haben doch von sich aus ein Interesse daran, gesellschaftliche Relevanz zu entwickeln."

(SZ / sle)

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