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Deutscher Bühnenverein reagiert auf Tarifkündigung zweier Gewerkschaften

21. Juni 2024. Der Deutsche Bühnenverein will den Tarifvertrag Normalvertrag (NV) Bühne beibehalten. Das teilt der Arbeitgeberverband der Theater in Deutschland per Pressemitteilung mit und zitiert seine Geschäftsführende Direktorin Claudia Schmitz folgendermaßen: "Der NV Bühne ist die Basis der Arbeit der Ensembles an den Theatern. Wir möchten diese Basis reformieren und moderne Rahmenbedingungen für die kreativen Prozesse an den Theatern schaffen. Es bringt uns nicht weiter, der Arbeit der Ensembles durch eine Kündigung des NV Bühne die rechtliche Grundlage zu entziehen."

Der Bühnenverein reagiert damit auf die Ankündigung zweier Künstler:innengewerkschaften, den Tarif zu kündigen. Am 18. Juni hatten der Hauptvorstand der GDBA (Bühnengewerkschaft) und der Vorstand des BFFS (Bundesverband Schauspiel) dieses Vorhaben angekündigt. Ziel sei es, einen verbesserten Tarifvertrag zu erzielen. Die dritte Künstler:innengewerkschaft, die VdO (Vereinigung deutscher Opern- und Tanzensembles) beteiligt sich bisher nicht an der Kündigung.

Der Tarifausschuss des Deutschen Bühnenvereins hat nun in Konsequenz dieser Ankündigung beschlossen die eigentlich fast abgeschlossenene Verhandlung von tariflichen Regelungen für Gäste, die Arbeitnehmerstatus haben, auszusetzen, "bis es zu einer Verständigung über den neuen NV Bühne gekommen ist". 

Als Entgegenkommen wurde im Tarifausschuss hingegen ein neues Arbeitszeitmodell für Solist:innen an den Bühnen verabschiedet, "das verbindliche Grundlagen für den Proben- und Vorstellungsbetrieb schafft, Ausgleichszeiträume regelt und die Einführung von Teilzeit rechtssicher ermöglicht", so die Pressemitteilung des Bühnenvereins. Es basiere auf den Ergebnissen eines Workshops, in dem sich die Gewerkschaften zusammen mit dem Bühnenverein Anfang des Jahres mit dem Thema befasst hätten. 

"Der Workshop hat gezeigt, wie wir in konstruktiven Gesprächen gemeinsam - Gewerkschaften und Arbeitgeberverband - an der Reform des NV Bühne arbeiten können. Genau das wollen wir fortsetzen, wir sind dazu bereit und laden die Gewerkschaften ein, zu uns an den Tisch zu kommen", erklärt Claudia Schmitz in der Pressemitteilung.

(Deutscher Bühnenverein / sd)

Kommentare  
Tarifkündigung: Neue Gewerkschaft?
Bedeutet die Kündigung des Tarifvertrags nicht, dass Sänger:innen, Schauspieler:innen, Tänzer:innen, Regieassistent:innen, Maskenbildner:innen und co. ab 1.1. alleine dastehen und Gage, Arbeitszeit, Urlaub u.v.m. individuell mit der Theaterleitung verhandeln müssen?
Gut dass ich eh schon aus der GDBA ausgetreten bin, nachdem ich die Präsidentinschaft von Lisa Jopt kurz ertragen habe. Wenn man von seiner Gewerkschaft alleine gelassen wird, braucht man sie nicht.

Aber die GDBA scheint ja zu pokern, dass der Bühnenverein ihr auf Knien hinterher kriecht und das aktuelle Signal von der Seite ist ja auch dementsprechend. Leider.

Dabei wäre das wäre doch nun DIE Gelegenheit, dass sich eine neue Theater-Gewerkschaft gründet und als Verhandlungspartner des Deutschen Bühnenvereins anbietet. Eine Gewerkschaft, die auf Ausgleich bedacht ist und nicht nur auf HabenHabenHaben. Eine Gewerkschaft, der bewusst ist, dass gute Kunst schwerlich entsteht, wenn der Arbeitsaufwand an einem Theater dem einer Teilzeitanstellung bei der Krankenkasse oder am Postschalter entsprechen soll.
Achja, träum...
Es hieß mal, Augen auf bei der Berufswahl, heute sollen sich die Jobs den Menschen anpassen. Zu Ende gedacht heißt das, dass irgendwann nicht mehr am Wochenende und dann nicht mehr am Abend gespielt wird (werden darf). Und dann machen die Theater zu, aber die GDBA hat gewonnen, hahaha.
Achja, neue Gewerkschaft, wo bleibst Du??
Tarifkündigung: Fragwürdig
Liebe Katrin, ich habe schon lange nicht mehr so einen (...) uninformierten (... Beitrag) gelesen. Aber Hey es geht ja heutzutage anscheinend nicht mehr um wissen, sondern um glauben und vermuten, wie ihr inhaltlich fragwürdiger Beitrag beweist.

1. Zitat : „ Dass wir kündigen, bedeutet für GDBA- und BFFS-Mitglieder erst mal keine Veränderung, denn selbst wenn der NV Bühne ab dem 1.1.2025 ausgelaufen ist, besteht für alle Mitglieder die sogenannte „Nachwirkung“ – die Regelungen des NV Bühne gelten für sie weiter, bis eine neue Vereinbarung getroffen worden ist. Was das in der Praxis für diejenigen bedeuten wird, die kein Gewerkschaftsmitglied sind, können wir nicht vorhersagen.“

2. Wir werden gerade eben nicht von unserer Gewerkschaft alleine gelassen, das war in den Jahren vor Lisa Jopt der Fall. Nun geht es darum, sich endlich zu kümmern und mit den Missständen aufzuräumen. Ein sehr gutes Beispiel. Dafür ist zum Beispiel die Einführung einer angemessenen Einstiegsgage. Aber vielleicht wollen sie ja weiterhin, dass alle unter prekären Umständen arbeiten und leben. Tolle Einstellung…

3. hören Sie doch auf mit ihrer Polemik, von wegen am Wochenende wird nicht mehr gespielt etc.. Genau weil am Wochenende gespielt werden will und soll, soll zum Beispiel am Samstagvormittag keine Probe mehr stattfinden. Wo ist das Problem? Es gibt vielleicht mehr Probezeit, oder effizienteres arbeiten.

4. eine neue Gewerkschaft, die auf Ausgleich aus ist? Genau das sind wir jetzt, genau auf diesem Weg. Denn der 100 Jahre alte NV Bühne hat zu „haben haben haben“ beigetragen, nämlich auf der Arbeitgeberseite, und dass ohne jeglichen Ausgleich, Anerkennung oder Respekt vor unserer Leistung als Künstler*innen.

(...)

(Anm. Redaktion: Einige persönliche Anwürfe, die gegen unsere Kommentarregeln verstoßen, wurden aus diesem Beitrag entfernt.)
Tarifkündigung: Einknicken
Genau so ist es wie Katrin schreibt. Es wurden viele gute Neuerungen gemeinsam beschlossen und diese sind jetzt dann auch hinfällig. Das hat aber auch Jahre gedauert. Jetzt soll komplett reformiert werden? Das ich nicht lache. Wie lange soll das gehen? Es geht nur noch ums Ego der GDBA, nicht mehr um die Beschäftigten oder den Betrieb. Und Einknicken wird der Bühnenverein bestimmt nicht nur wegen Bild-Polemik der Gewerkschaften.
Tarifkündigung: Schöne Dinge sind dahin
#2: aber all die schönen Errungenschaften wie Mindestgage und freie Tage sind nun durch die Kündigung einfach dahin. Merkste selber, ne.
Tarifkündigung: Nein
Der derzeitige NV gilt ja dennoch weiter. Inkl. Mindestgage. Ist oben nachzulesen, weil da wird es schon geschrieben und für alle GDBA-Mitglieder ist es auch im Mitgliederbereich der Homepage erklärt.
Tarifkündigung: Errungenschaften
Nein, die Errungenschaften sind nicht dahin, ganz und gar nicht. Ohne zähe Verhandlungen wären sie nie da. Jetzt mal im Ernst, seid ihr Trollos oder warum wird so Panik gemacht?
Tarifkündigung: Eine Gewerkschaft zu viel
Warum denn nicht einfach die Abgrenzung zur VdO auflösen. Wozu braucht es zwei Gewerkschaften, die sich unter Bühnenkünstlern um Mitglieder streiten, die sie mit ihren Mitgliedsbeiträgen ernähren. Die Kündigung disqualifiziert die GdBA, da Gewerkschaften in Tarifverträgen arbeiten nicht in Tariffreien Zonen. Den Tarifvertrag zu kündigen und nicht einmal die Mitglieder zu informieren (bis heute finde ich nichts dazu auf der GdBA Homepage) entzieht jegliche Vertrauensbasis. Da die VdO offenbar weiter mit dem BV am NV-Vertrag arbeitet, ist es nun sinnvoll zur VdO zu wechseln, die fortan nicht nur Sänger und Tänzer, sondern auch die Schauspieler vertreten sollte.
Tarifkündigung: Weg zur Erkenntnis
Richtig gucken hilft! Im Mitgliederbereich auf der GDBA Homepage mit deinen Daten einloggen und da ist das dann alles unter dem Punkt KÜNDIGUNG NV BÜHNE nachzulesen. Außerdem wurden Mitglieder ja auch per Mail über die wichtigsten Punkte informiert und haben die Gelegenheit der Einladung zum Mitglieder-Meeting zu folgen (und das gibt es auf Deutsch und Englisch). Wer sich informieren will hat also die Möglichkeit. Wer kein Mitglied ist, profitiert von allen Errungenschaften (zB die neuen Anfänger- und Mindestgagen, die eineinhalb freien Tage) ohne selbst je was dafür getan und die Gewerkschaftsarbeit unterstützt zu haben
Tarifkündigung: Engagiert euch
Ihr Lieben.
Engagiert euch in den Gewerkschaften!
Besser als hier nur zu schreiben und alles besser zu wissen.
Tarifkündigung: Versachlichung
@5/@6
Ich versuche einmal in diesem Thread zu versachlichen.
1. es ist korrekt, dass der NV-Bühne für Beschäftigte, die einen. Arbeitsvertrag mit Bezug zum Tarifvertrag vor dem 31.12.24 abgeschlossen haben „nachwirkt“.
2. Es betrifft ALLE Beschäftigte, nich nur Gewerkschaftsmitglieder.
3. Nachwirkung bedeutet, dass der NV-Bühne auf dem Stand 31.12.24 eingefroren wird. Es müssen keine Verhandlungen stattfinden. Es gibt keine Anpassungen/ Veränderungen/ Verbesserungen, bis die Tarifparteien die Verhandlungen wieder aufnehmen und irgendwann abschließen.
4. Da der TV Gast eine Ergänzung zum NV-Bühne sein soll, wird er nicht geschlossen werden, solange es keinen neuen NV-Bühne gibt.
5. Da die Übernahme der Tarifabschlüsse im öffentlichen Dienst nicht automatisch für die Künstlerisch Beschäftigten übernommen werden, besteht die Gefahr, dass sie ab 2025 keine / geringere Tarifanpassungen erhalten.
6. Für Beschäftigte, die nach dem 31.12.2024 eingestellt werden, gilt der NV-Bühne nicht mehr. Damit müssen alle Bestimmungen, die aus dem NV-Bühne übernommen werden sollen, einzelvertraglich vereinbart werden. Oder eben nicht.
7. Die gesamte Situation führt zu einer Verunsicherung bei den künstlerisch Beschäftigten, die meines Erachtens nicht ausreichend von den Gewerkschaften adressiert wird.
8. Und ja, die GDBA hat in den vergangenen Jahren ziemlich viel erreichen können

Nebenbemerkung: wenn hier jemand versteht, warum GDBA und BFFS den NV-Bühne kündigen, dann bitte bitte erklären.
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