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Sanierung Komische Oper: Offener Brief von Barrie Kosky
21. Juli 2024. Der ehemalige Intendant der Komischen Oper Berlin, Barrie Kosky, wendet sich in einem Offenen Brief an die "Bürger:innen Berlins und Opernliebhaber:innen in aller Welt": Sie sollen helfen, die Schließung des Berliner Opernhauses zu verhindern, so Kosky in seinem per Presseaussendung verbreiteten Schreiben.
Die Berliner Kulturpolitik überlege, die Komische Oper an ihrem vorläufigen Standort, dem Schillertheater, fest anzusiedeln. Die Sanierung des Stammhauses in der Behrenstraße soll in diesem Szenario hingegen nicht weitergeführt werden, weil Berlin sparen muss. Das werde unweigerlich zum Ende der Komischen Oper führen, so Kosky in dem Offenen Brief.
"Würden Sie das Berliner Ensemble vom Bertold-Brecht-Platz wegholen? Würden Sie die Berliner Philharmoniker von der Philharmonie trennen? Niemals", schreibt der Regisseur, der nach dem Ende seiner Intendanz weiterhin am Haus inszeniert. "Der Komischen Oper ihre Heimat zu verweigern, hieße, sie langsam zu ersticken." Das wiederum wäre ein "Akt des selbstverschuldeten kulturellen Vandalismuss, wie es ihn in Berlin seit 1945 nicht mehr gegeben hat".
Über einen Baustopp hatte das Berliner Abgeordnetenhaus bereits Anfang Juli diskutiert. In der taz benennt Sophia Zessnik die schon oft gestellten Frage, ob Berlin drei Opernhäuser brauche. Berlins Finanzsenator Stefan Evers (CDU) habe sie bei der Plenarsitzung folgendermaßen formuliert: "Was kann sich Berlin leisten, was ist staatliche Daseinsvorsorge, und was ist nice to have?" Worunter nicht an Profit orientierte Unterhaltung fallen dürfte, sei nicht schwer zu erraten, so Zessnik. "Aber ist nice to have nicht auch das, was die kulturelle Vielfalt Berlins einst ausmachte?"
(Komische Oper, taz / eph)
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Es ist unbestreitbar, dass eine europäische Hauptstadt wie Berlin drei Opernhäuser und eine ausreichend finanzierte freie Szene haben muss. Ein Blick nach Wien zeigt, wie es richtig gemacht wird. Doch in Berlin soll nun erneut an der Kultur gespart werden, mit weiteren Kürzungen von 10%. Warum besteht der Gedankengang bei finanziellen Engpässen immer darin, „wo können wir sparen?“ Anstatt die Einnahmen zu erhöhen, durch Maßnahmen wie eine Finanztransaktionssteuer, wird lieber das kulturelle Erbe aufs Spiel gesetzt.
Die Komische Oper ist weit mehr als nur ein Theatergebäude. Sie ist ein unverzichtbarer Teil unserer kulturellen Identität und trägt maßgeblich zum kulturellen Leben Berlins bei. Ihre Aufführungen zeichnen sich durch hohe künstlerische Qualität und Kreativität aus und sind ein Magnet für Besucher aus aller Welt. Das Haus bietet nicht nur Unterhaltung, sondern auch Bildung und Inspiration für viele Menschen.
Ich appelliere an die Verantwortlichen, diese kurzsichtigen Gedanken zu überdenken und den kulturellen Reichtum Berlins zu erhalten. Es ist essenziell, dass die Sanierungsarbeiten fortgeführt und abgeschlossen werden, damit die Komische Oper wieder zu einem lebendigen Zentrum der Kunst und Kultur werden kann.
Aber ja. Das Schillertheater ist (inzwischen) ein anonymer Raum wie das Operettenhaus in Hamburg, technisch vielleicht o.k., aber das wars dann auch.
Die Kosten für die Renovierung werden sicherlich nicht mit einem Betrag fällig werden. Es ist eine Investition - wie die Erweiterung der A9 zwischen Nürnberg und Würzburg - und für die Ausgaben steht ein „Gegenwert“ entgegen. Wenn das Gebäude renoviert da steht, dann ist es einfach da, für Millionen von Besuchern, für Jahrzehnte. Etwas zum Anfassen. Im Sichtfeld.
Ich glaube aber, dass es eher die Absicht ist, die KOB im Schillertheater langsam verschwinden zu lassen, um dann die laufenden Kosten loszuwerden. Weil es so einfach wie bei der ENO nicht geht: Abwicklung in Schritten. Bei einem Theater mit eigenem Haus wäre das schlechter zu argumentieren und vor allem dann, wenn 500 Mio bereits ausgegeben sind. Wahrscheinlich merken die Politiker jetzt, dass es die letzte Exitmöglichkeit ist. Sie sind geistlos … wie die Hülle des Schillertheaters.
Ich weiß, dass das natürlich unerheblich ist, wenn es um so große Themen geht. Aber wenn einem Autoren so egal sind, dass man nicht mal weiß, wie man sie korrekt schreibt (wobei ich davon ausgehe, dass der Fehler beim Verfasser des Briefes lögt und nicht bei Nachtkritik), marginalisiert man schon auch irgendwie sein Anliegen.
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Liebe Suse,
der Fehler steht so im hier zitierten Offenen Brief und wurde weiter oben auch schon angemerkt.
Mit herzlichen Grüßen aus der nachtkritik.de-Redaktion!
Sein Rufname war Eugen.
Und das D noch beim Berthold.
Ob ihn nun sein Freund Arnolt Bronnen inspirierte oder auch nicht, er änderte die Schreibweise. Von nun an Bertolt mit t am Ende.
Grüße aus der Brechtstadt Augsburg
"Muss man noch erwähnen, dass die Sanierung seit den 60er Jahren ständig vor sich hergeschoben worden ist, ..." Die Komische Oper wurde 1964-1966 nicht nur saniert, sondern mit Ausnahme des Zuschauerraums und des Treppenhauses neu gebaut und in dieser Gestalt am 4.12.1966 mit einem laut Felsenstein misslungenen "Don Giovanni" eröffnet.