Die 120 Tage von Sodom - Johann Kresnik will an der Volksbühne mit Pier Paolo Pasolini schockieren
Uiuiui, der traut sich was
von André Mumot
Berlin, 27. Mai 2015. Man hat es ja schon bekanntgegeben. Im Voraus. Damit bloß keiner überrascht ist, wenn's bei Johann Kresniks erster Berliner Anarchosause seit seiner Villa Verdi von 2013 ordentlich zur Sache geht und man womöglich doch mal weggucken muss. "Die Vorstellung ist für Zuschauer unter 18 Jahren nicht geeignet", hat die Volksbühne wissen lassen. Also wundert man sich nicht, fragt sich höchstens nach einer Weile, ob diese Vorstellung überhaupt für Zuschauer geeignet ist und wenn ja, für welche. Für solche, die sich gern ins Fäustchen lachen und "Höhöhö, das ist jetzt aber ganz schön gewagt" sagen vielleicht. Oder für solche, die sich mit Freuden schockieren lassen und anschließend feststellen, dass sie dringend ihr vom "Konsumfaschismus" korrumpiertes Leben über den Haufen werfen und vielleicht lieber was mit Tanz machen sollten.
Das Kohlhaas-Prinzip – Yael Ronen denkt mit ihrem Ensemble am Berliner Gorki Theater Kleists Novellenstoff für die Gegenwart
Kohlhaas Global
von Anne Peter
Berlin, 23. Mai 2015. Die Welt steht in Flammen. Die Kontinente brennen. Vor der in Brand gesteckten Weltkarte krümmt Thomas Wodianka sich übers Mikro, schießt seinen augenaufrissig-wütigen Wodianka-Blick ins Publikum, krächzt Paint it black! und würde wohl jeden Mick-Jagger-Überbietungswettbewerb gewinnen. Mach schwarz die Welt, die in Arglist versunken ist! Was einst zur Anti-Vietnam-Kriegs-Hymne taugte, fetzt hier und jetzt als Kleist-Revival-Song. Rock it, Kohlhaas!
Considering - Laurent Chétouane beschäftigt sich am HAU Berlin mit Kleists Hilfe mit seinem künstlerischen Movens
Jubilate, Anti-Exaltate!
von Wolfgang Behrens
Berlin, 21. Mai 2015. Mit der Langeweile ist es so eine Sache. Laurent Chétouane hat einmal von den Proben zu seinem Hamburger "Don Karlos" (der ist schon ein paar Jährchen her) erzählt, dass der Schauspieler August Diehl ihm, dem Regisseur, von der Bühne herab alle möglichen psychologischen Angebote gemacht habe, wie er die Titelfigur spielen könne. "August, Du bist so langweilig", soll Chétouane gesagt und sich demonstrativ weggedreht haben. "Sprich doch einfach nur den Text." Diehl tat zuletzt, wie ihm geheißen – und alle anderen Schauspieler*innen auch: Sie sprachen den Text. Und siehe, Chétouane langweilte sich nicht. Noch jetzt leben indes Leute, die Zeuge jener sonderbaren, fünf Stunden währenden Inszenierung waren und sie, Wort für Wort, sterbenslangweilig fanden.
Der Geizige - Am Deutschen Theater Berlin radikalisiert Martin Laberenz Molières Komödie um Geld und Liebe
Zirkusdampfer der Selbstverbrennung
von Matthias Weigel
Berlin, 17. Mai 2015. Es sind Ausraster, die in die Geschichte eingehen. Worum es dabei geht, ist völlig Wurst. Schauspieler Ole Lagerpusch explodiert in einem einzigen langen Crescendo im Pingpong mit Sebastian Grünewald und Harald Baumgartner über die Streitfrage, ob es jetzt der Kreditnehmer oder der Kreditgeber ist, der eine Sicherheit braucht. Im Gebrüll geht es um das große Latinum, Steinewerfen in Frankfurt mit Joschka, wüste Beschimpfungen fallen, dazu unzählige verzagte Versuche, die Satzreihenfolge korrekt aufzusagen, sensationelle Situationskomik und lustvoll-verschwenderische Exaltiertheiten. Fast unmerklich geht es nach solchen Intermezzi wieder zurück zu Molières "Der Geizige", am Deutschen Theater Berlin von Martin Laberenz inszeniert, und Cléante hat den Kredit eingefädelt, den er braucht, um heimlich seine angebetete Élise zu ehelichen – um sie somit dem eigenen Vater, dem Geizigen, wegzuschnappen.
Regie: Helgard Haug, Stefan Kaegi, Daniel Wetzel
Regie: Hakan Savaş Mican
Regie: Vorschlag:Hammer
Regie: Dirk von Lowtzow und René Pollesch
Regie: Hans-Werner Kroesinger
Regie: Forced Entertainment
Regie: Atif Mohammed Nor Hussein
Regie: Skills (Camilla Milena Fehér und Sylvi Kretzschmar)
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