Spiralblog 130: Auf Claus Peymanns Beerdigung
Und dann ließ Peymann es bunt regnen
26. September 2025. Auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof drängten sich heute zahlreiche Theaterlegenden um einen Sarg. Sie waren gekommen, einem von ihnen das letzte Geleit zu geben.
Von Esther Slevogt
© Esther Slevogt
26. September 2025. Am Ende, als sie zum Abschied alle noch einmal ans offene Grab traten, warfen die Trauernden Konfetti statt Erde auf Claus Peymanns Sarg (manche auch beides), das zu diesem Zweck extra bereitgestellt worden war.
Konfetti, das war ein immer wieder verwendetes Markenzeichen von Peymanns Inszenierungen, seit er 1976 in seiner legendären Inszenierung "Minetti" am Ende die vom Namensgeber des Thomas-Bernhard-Stückes – Bernhard Minetti – höchstpersönlich dargestellte Hauptfigur im Konfetti-Regen untergehen ließ: ein ebenso groteskes wie melancholisches aber auch trotziges Bild für das Theater und seine Vergänglichkeit, das auch in späteren Inszenierungen immer wiederkehrte.
Geballte Theatergeschichte war an diesem Freitagvormittag auf dem Berliner Dorotheenstädtischen Friedhof präsent, wo in unmittelbarer Nachbarschaft von Hans Mayer und Ivan Nagel nun Claus Peymann zur ewigen Ruhe gebettet wurde. Viele Freunde und Weggefährten waren gekommen, viele aus dem Ensemble des Peymann-BE – auch sein aktueller Intendant Oliver Reese. Manche Theaterlegende schälte heute traurig rote Rosen für Peymann aus schütterem Papier, um sie später auf seinen Sarg zu legen.
"Theater ist schöner als Krieg" hatte das Schauspielhaus Bochum auf die Kranzschleife für seinen ehemaligen Intendanten drucken lassen: Dieser unsterbliche Satz stand 1986 auf einem Theaterplakat von Peymanns Bochumer Inszenierung von Kleists "Die Herrmannschlacht".
Auch einstige Burgtheaterdirektor*innen wurden gesichtet, Karin Bergmann und (wenn mich nicht alles täuscht) auch Matthias Hartmann. "Castorf ist auch da", sagt hinter mir ein alter Schauspieler und tatsächlich sah man den einstigen Volksbühnen-Intendanten mit einem Strauß Rosen in der Menge stehen. Castorf und Peymann, die gerne übereinander lästerten, aber in den zehner Jahren dann brothers in crime waren, als es darum ging, die Berliner Theaterlandschaft (am Ende vergeblich) gegen die völlig inkompetente und provinzielle Kulturpolitik zu verteidigen – von der sich das Berliner Theater bis heute nicht mehr erholt hat.
Zuvor war der Sarg auf den Stufen der kleinen Kapelle aufgebahrt gewesen, im Halbkreis hatte die enorme Trauergesellschaft um ihn herum gestanden. So war Platz für alle an diesem schönen Herbsttag. Sabin Tambrea spielte Geige, Leander Haußmann Mundharmonika und Christopher Nell sang. In sehr persönlichen Reden würdigten Tambrea, Haußmann, Nell aber auch Hermann Beil und Achim Freyer Peymann als Freund, Förderer und leidenschaftlichen Theatermacher.
Die Schauspielerin Traute Hoess erzählte von der letzten gemeinsamen Arbeit am Thomas-Bernhard-Abend "Der deutsche Mittagstisch" am Wiener Theater in der Josefstadt, die in die Zeit der Pandemie fiel. In ihrer Rede kommt indirekt auch Peymann selber noch einmal zu Wort, als Traute Hoess aus einem Brief Peymanns an sie zitiert, in dem er seine Trauer darüber ausdrückt, wie das Theater und seine Künstlerinnen und Künstler während der Pandemie so ins Hintertreffen, an den Rand der Bedeutungslosigkeit geraten waren. Mit Claus Peymann hat das Theater einen Streiter für seine Sache verloren, wie sie so nicht mehr so leicht zu finden sind.
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Da war die Rede von einer KritikerInnenverschwörung, ausgetragen an Dienstagen um 14:30 Uhr bis 15:15 Uhr im Cafè Buchwald.
Trifft sie sich jetzt anläßlich der Beerdigung noch ein letztes Mal (wie etwa zu einem Klassentreffen) ?
Und was ist überhaupt aus dieser Gruppe geworden ??
Bin ich mal wieder in Berlin, und es ist Dienstag: Ich werde das Cafè um jene Zeit aufsuchen und auf meine Weise Abschied nehmen von Claus Peymann, vielleicht auf dem Weg dorthin sein A-Z des Theaters lesend, und schließe mich ansonsten der Mundharmonika an:"Muß I denn, muß I denn ins Städtele hinaus ... "..