Zauberharfen-Spieler

Wien, 14. Mai 2018. Der Bühnenbildner Karl-Ernst Herrmann ist am Sonntag, den 13. Mai in Berlin im Alter von 81 Jahren gestorben. Das teilt das Burgtheater Wien in einer Presseaussendung mit.

Karl Ernst Herrmann© www.operaweetjes.nlHerrmann entwarf Bühnenbilder für Inszenierungen von Luc Bondy, Klaus Michael Grüber, Matthias Hartmann, Dieter Giesing, Thomas Langhoff, Christof Nel, Claus Peymann, Peter Stein und George Tabori und viele andere Regisseure.

Mitbegründer der Schaubühne

Geboren in Neukirch/Oberlausitz, studierte er an der Berliner Hochschule der Künste, arbeitete in Ulm, Bremen, Braunschweig und Berlin (Freie Volksbühne) und gründete 1970 mit Peter Stein, Claus Peymann, Jürgen Schitthelm und Dieter Sturm die Schaubühne am Halleschen Ufer.

Eine enge Zusammenarbeit verband ihn bis zuletzt mit Claus Peymann, für den er die Bühnen für zehn Thomas Bernhard-Uraufführungen und insgesamt 48 Inszenierungen entwarf, zuletzt die Bühne für König Lear in Stuttgart.

"Visionärer Realismus, Palladio, Schinkel und die Malerei der deutschen Romantik, vor allem Caspar David Friedrich, inspirieren ihn. Seine Kunst gleicht einer Zauberharfe, mit der er Raum und Zeit mühelos bezwingt und verwandelt", heißt es in der Pressemitteilung des Burgtheaters.

Oper und Hochschule

Später arbeitete Herrmann vornehmlich für die Oper und leitete gemeinsam mit seiner Frau Ursel Herrmann von 1995 bis 2002 als Professor die Klasse für Bühnenbild und Kostüme der Akademie der Bildenden Künste in München.

Seit 1989 war Herrmann Mitglied der Berliner Akademie der Künste. Zusammen mit Peter Stein erhielt er 1989 den Theaterpreis Berlin, 2005 den Hein-Heckroth-Bühnenbildpreis.

(Burgtheater / sd)

 

 

Presseschau

"Karl-Ernst Herrmann war ein großer, reicher, intelligenter, phantastischer und wahrhaft zauberköniglicher Mitdenker und Mitträumer des neueren deutschen Theaters. Es hat ihm wunderviel zu verdanken," schreibt Gerhard Stadelmaier in der FAZ (15.5.2018). Der Urgrund aller Herrmannschen Bild- und Raumwunder sei freilich "außer einer genialen Phantasie pures großes Handwerk" gewesen. "Man kam aus Karl-Ernst Herrmanns Theater immer um eine Illusion reicher heraus. Weil er uns zu völlig überraschten Voyeuren machte."

"Lichtrahmungen um die Szenerie und ähnliche Abstraktionen und Überhöhungen waren typisch für den Raum- und Lichtmagier Herrmann, auch wenn er sich nicht auf einen Stil, eine eindeutige Handschrift festlegen ließ," schreibt Christine Dössel in der Süddeutschen Zeitung (14.5.2018). "Er war kein naturalistischer Bühnenbildner, sondern einer, der ein Stück bildlich erweiterte in eine künstliche, kunstvolle Dimension. Einer, der Räume inszenierte."

"Er ist derjenige gewesen, der die Räume geschaffen hat, für unsere paradigmatischen Unternehmungen", sagt der Regisseur Peter Stein im Interview mit dem Deutschlandfunk (14.5.2018) über seine Zusammenarbeit mit Herrmann in der frühen Schaubühne, wo Herrmann nicht nur Bühnenbildner sondern auch ein hochinnovativer Architekt ganz neuartiger Theaterräume in Erscheinung getreten sei.

"Für Steins an zwei Abenden gezeigten, über siebenstündigen 'Peer Gynt' verwandelte Herrmann den ersten Stock des ehemaligen Arbeiterwohlfahrtshauses am Halleschem Ufer in eine Mischung aus Zauberkiste, Stadion und Corrida," erinnert sich im Berliner Tagesspiegel Peter von Becker (15.5.2917) an die legendäre Inszenierung von 1971. "Die Zuschauer saßen auf steilen Tribünen, an den Schmalseiten und inmitten des Spielfelds, auf dem das Ibsendrama um Peers Lebensweltreise furios fantastisch erzählt wurde, türmten sich Gebirge, erstreckten sich Wüsten, und im Ägypten-Akt erhob sich am Rand der Pyramiden eine schier fabelhafte Nachbildung der Sphinx."

(sle)

 

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